Angst um das Lohnniveau
publiziert: Mittwoch, 11. Feb 2004 / 14:54 Uhr

Jetzt geht es den Eishockey-Spielern ans Portemonnaie! Die Stars der Zunft werden in Zukunft jedoch noch immer sehr gut verdienen, aber der durchschnittliche NLA-Profi wird finanziell bluten müssen. Die "Angst" vor einem "Fall Bosman" im Hockey geht um.

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Basels Manager Ueli Schwarz sieht ein Fiasko auf die NLA zukommen.
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"Alea jacta est", der Würfel ist gefallen! An der ausserordentlichen Gesellschafter-Versammlung des Schweizerischen Eishockey-Verbandes am 5. Februar 2004 hat man hat sich zu einer 12er Liga bekannt und will die Pforte für einen vierten Ausländer, der jedoch ein EU-Staatsbürger sein soll, offen halten. Eine Saison später ist der Weg frei für einen weiteren Spieler pro Team aus einem EU-Mitgliederstaat.

Aber dieses "Gentlemen's Agreement" hat Tücken. Ueli Schwarz, Berater und Interims-Manager des EHC Basel sagte es klar und deutlich: Muckt nur einer auf beim so genannten "Gentlemen's Agreement" der Nationalliga mit den neuen Ausländerregelungen, platzt die Seifenblase. Dann beginnt ein arbeitsrechtlicher Kampf, den die Nationalliga fürchten muss. Es klingt wie eine Drohung oder eine böse Vorausahnung. Es könnte eine bittere Realität werden.

"Gentlemen's Agreement" oder "Fall Bosman"?

Die bilateralen Abkommen zwischen der EU und der Schweiz auf arbeitsrechtlichem Gebiet verbietet eine Bevorzugung oder Diskriminierung eines EU-Bürgers im Schweizer Arbeitsmarkt. Wittert ein Spieler oder ein Verein die Chance auf Erfolg einer Klage, wird es problematisch.

In Deutschland, Finnland oder Schweden sind die Klagen bisher im Keime erstickt worden. Warum? Weil es sich keiner in der Liga mit allen anderen verscherzen will: Sollte nämlich die Nationalliga ins Chaos versinken und ein funktionierendes System umgestossen werden, werden in Zukunft die "Gentlemen Agreements" keinen Sinn mehr ergeben.

So etwas konnte man in Deutschland oder Skandinavien bisher verhindern. Weil alle am gleichen Strick ziehen und natürlich das Bewusstsein zu einer gewissen Öffnung nach vielen Jahren EU-Zugehörigkeit eher verankert ist. Der Protektionismus hat eine weniger lange und tiefe Tradition als bei uns. Einer, der eine Klage einreicht wie damals der Fussballer Bosman, wird die Liga in Angst und Schrecken versetzen können.

Angst um das Lohnniveau?

Durch die nächste Saison geltende Neuregelung betreffend der Zulassung eines zusätzlichen EU-Ausländers pro Club und der Öffnung eines zweiten EU-Platzes pro Team zur Saison 2005/06 wird das Lohnniveau gen unten reguliert. Ein Schweizer Topstar wird aber in Zukunft nach wie vor sehr viel Geld in der NLA verdienen können, denn man ist bei jedem Verein auf einen Schweizer MVP im Team angewiesen, um die sportliche Verantwortung unter den Stars auf dem Eis besser verteilen zu können.

Die drei Ausländer plus die EU-Stars werden es sich auch finanziell gut gehen lassen können. Das Problem wird ersichtlich, wenn man beim Lohnniveau der "Komplementärspieler" der NLA, dem durchschnittlich guten NLA-Profi eine Analyse wagt: Der Arbeitskampf um die NLA-Plätze wird hart und der Lohndruck ebenfalls. Die EU-Stars, welche vergleichsweise zu den Nordamerikanern eher weniger Geld verdienen, aber dennoch möglicherweise mehr als in ihrer Heimat (nach Abzug der Steuern etc.) machen den Ausschlag.

Sie werden gemäss leistungsgerechter Bezahlung die Gesamtlohnsumme der Clubs nicht heben, aber indirekt die Löhne der Schweizer Spieler gen unten drücken, weil ihnen leistungsmässig mehr zusteht. Wird hier bei den Vereinen ein Protektionismus für die Schweizer Spieler eintreten?

Und würde dies zu weiteren Problemen führen? Tatsache ist: Die EU-Stars sind "giggerig" auf die NLA. Aus Deutschland kommen viele Gerüchte über transferwillige Spieler (Daniel Kreutzer, Robert Müller u.a.) und in den kommenden Wochen werden diese kaum abreissen.

Stammplatzgarantie ade!

Sportlich kann es nur aufwärts gehen, aber nicht ohne Tücken: Es werden bei 12 Mannschaften in der NLA die Schweizer Talente und Durchschnittsspieler härter um ihren Stammplatz kämpfen müssen, da nicht nur bei einigen Teams ein Ausländer mehr ins Mannschaftsgefüge einverleibt wird, sondern auch 22 bis 23 NLA-Stammplätze durch die Ligareduktion, plus weitere zwölf "Schweizer Stammplätze" durch den vierten Ausländer weniger vorhanden sein werden (total 35).

Ein Problem wird aber die Nationalliga und die Clubs weiterhin beschäftigen: Nicht alle Vereine können oder wollen sich einen starken vierten Ausländer mit EU-Lizenz leisten. Die Leistungsschere zwischen wirtschaftlich starken und mittelprächtigen Clubs wird weiter auseinandergehen. Eine Zweiklassengesellschaft könnte die unmittelbare Folge sein.

Es obliegt nun an den Trainern, bei wichtigen Spielsituationen und bei Special Teams im Power- und Boxplay auch auf die Schweizer Spieler zu setzen, damit die einheimischen Stars nicht den Touch der Verantwortung verlieren, den sie dann in der Nationalmannschaft auf einmal auf internationalem Niveau auf einmal tragen müssen.

Es liegt auch im Interesse der Talentförderung und der U-Nationalteams, dass die Talente nach wie vor in der NLA eingesetzt werden können und bei mangelhafter Leistung auch mal wie in der NHL üblich, ein Stammspieler "gebenched", also spielfrei gemacht, wird. Dazu braucht es Mut und Durchsetzungsvermögen.

Die Talente kamen bisher zu einfach zu Stammplätzen in der NLA, was die Stagnation der Leistungen und Entwicklung zur Folge hatte. Eine Ausgewogenheit, eine Balance zwischen NLA-Erfahrung und einer harten Stammplatz-Kampfschule könnte eine positive Folge sein.

(Von Joel Wüthrich, Working Press Basel/Montreal/eishockey.ch)

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