Anschlag auf Synagoge: Schröder ruft zum «Aufstand der Anständigen» auf
publiziert: Mittwoch, 4. Okt 2000 / 17:57 Uhr

Düsseldorf - Nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge hat Bundeskanzler Gerhard Schröder die Bevölkerung zu einem «Aufstand der Anständigen» gegen den Rechtsextremismus aufgerufen. Schröder war an den Tatort geeilt und hatte sich dort mit dem Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, und dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement beraten.

Derweil zog die Bundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren an sich. Eine heiße Spur der Täter, die in der Nacht zum Tag der Deutschen Einheit einen Stein und Molotow-Cocktails gegen die Glastür der Synagoge geworfen hatten, gab es weiterhin nicht.

Schröder betonte nach dem Treffen mit Spiegel und Clement, Vorfälle wie der Anschlag von Düsseldorf gingen alle Menschen in Deutschland an. «Wegschauen ist nicht mehr erlaubt.» Das «abscheuliche, hinterhältige Verbrechen» gehe die Bundesregierung an, «weil es Deutschland angeht». Die Regierung werde mit allen verfügbaren Mittel sicherstellen, dass Menschen jüdischen Glaubens sicher in Deutschland leben könnten. «Es geht um sehr, sehr viel, was das Ansehen unseres Landes im Ausland angeht», betonte der SPD-Politiker.

Der Kanzler forderte die «gesellschaftliche Isolierung von Rechtsextremen bis hinein in die Betriebe». Spiegel sagte nach dem einstündigen Gespräch, Angst grassiere innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Häufiger werde «die Frage gestellt besonders unter alten Menschen: Müssen wir wieder weg?» Spiegel dankte dem Kanzler für seine «spontane Unterstützung». Zugleich relativierte er seine kritische Bemerkung, ob es richtig gewesen sei, in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg jüdische Gemeinden aufzubauen. «Wir Juden wollen in Deutschland leben», betonte Spiegel. Es dürfe allerdings nicht so weitergehen wie bisher.

Clement sagte, er sei sehr traurig und schäme sich, dass so etwas wie der Düsseldorfer Anschlag in Deutschland möglich sei. «Ich habe das nicht für möglich gehalten.» Die Belohnung für die Ergreifung der Täter sei von 10.000 Mark auf 25.000 Mark erhöht worden. Der SPD-Politiker wies zugleich Kritik an der Polizei zurück. Die Videoüberwachung der Synagoge habe funktioniert. Sie habe lediglich nicht den Ort gezeigt, von dem aus die Brandsätze geworfen wurden.

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, Esra Cohn, kritisierte dagegen im Westdeutschen Rundfunk, dass die Polizei bisher eine Bewachung der Synagoge rund um die Uhr wegen Personalmangels abgelehnt habe. Sein Berliner Kollege Andreas Nachama forderte im Inforadio ähnlich große Anstrengungen der Polizei wie seinerzeit beim Baader-Meinhof-Terrorismus. Politiker aller Parteien verurteilten den Anschlag.

Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) schrieb an Spiegel, die jüngsten Anschläge seien ein offener Angriff auf die deutsche Demokratie und auf den elementaren Grundsatz der Unantastbarkeit der Menschenwürde. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel forderte, gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg ein Klima der Solidarität zu schaffen. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber trat für eine Stärkung der jüdischen Gemeinden in Deutschland ein, die ein «integraler Bestandteil der Kultur unseres Landes» seien. Bayern hat für den Aufbau jüdischer Gemeindezentren im Freistaat 23 Millionen Mark zur Verfügung gestellt.

(sda)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 Millionen Franken aus der Radio- und Fernsehabgabe direkt unterstützt.
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 ...
57.5 Millionen Franken für entgangene Werbeeinnahmen  Bern - Die Coronavirus-Pandemie trifft die Medien hart. Ihre Werbeeinnahmen sind bereits drastisch gesunken. Aufgrund der besonderen Bedeutung der Medien für die Demokratie hat das Parlament in der ausserordentlichen Session breit abgestützte Motionen überwiesen, um finanzielle Soforthilfe im Umfang von 57.5 Millionen Franken zu leisten. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 20. Mai 2020 zwei entsprechende Notverordnungen verabschiedet. mehr lesen 
Verbände Detailhandelsumsätze im März 2020  Bern - Die um Verkaufs- und Feiertagseffekte bereinigten Detailhandelsumsätze sind im März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat nominal um 6,2% gefallen. Saisonbereinigt sind die nominalen Detailhandelsumsätze gegenüber dem Vormonat um 6,0% zurückgegangen. Infolge der COVID-19-Pandemie sind die Umsätze einiger Branchen stark eingebrochen. Dies zeigen die provisorischen Ergebnisse des Bundesamtes für Statistik (BFS). mehr lesen  
Um die Medienbranche bei der digitalen Transformation zu unterstützen, sollen neu auch Online-Medien gefördert werden.
Auch die Online Medien sollen profitieren  Bern - Die Medien sind für unsere direkte Demokratie von zentraler Bedeutung. Sie informieren die Bevölkerung und ermöglichen dadurch wichtige Debatten. Sinkende Erträge machen ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 7°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 8°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 7°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 7°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 8°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 10°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 14°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten