Anti-Kriegsproteste: Harsche Worte in Schweizer Presse - Festnahmen in San Francisco
publiziert: Freitag, 21. Mrz 2003 / 07:38 Uhr

Bern/San Franciso - Die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen kritisieren den von der UNO nicht mandatierten US-Angriff auf Irak mit teilweise scharfen Formulierungen. Derweil wurden bei Anti-Kriegsprotesten in der US-Metropole San Francisco mehr als 1300 Menschen festgenommen.

Die USA hätten sich unter dem jetzigen Präsidenten stets für den Weg jenseits der internationalen Normen entschieden, schreibt "Die Südostschweiz". Washington werde mit dieser Politik Frustrationen, Wut, Hass und Vergeltungsgelüste auslösen, befürchtet der Kommentator des "Tages-Anzeiger".

84 Prozent gegen Krieg

Laut einer repräsentativen Umfrage der "Mittelland-Zeitung" (MZ) sprechen sich 84 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer gegen den Krieg aus. Lediglich 10 Prozent halten den Krieg für gerechtfertigt - überdurchschnittlich oft Männer, Ältere und Romands.

Die MZ sieht im Umfrageresultat und den landesweiten Anti-Kriegsprotesten nicht bloss Kritik an der Regierung Bush, sondern einen dezidierten Antiamerikanismus. Die Hegemonialmacht sei vom Polizisten zum Richter mutiert und achte die UNO-Konventionen nicht mehr.

BZ: Irrationale Handlung

Auch der Kommentator der "Berner Zeitung" kritisiert die Bush-Regierung, die sich von "religiösen, also irrationalen Überlegungen leiten" lasse. Man müsse nun aber hoffen, dass der Krieg mit einem schnellen US-Sieg ende - andernfalls drohe ein Chaos im Nahen Osten.

Blick: Die postive Seite

Einen erfreulichen Aspekt in der ganzen Betrübnis ortet der "Blick": "Was wir in den vergangenen Tagen erlebt haben, ist die Geburt einer neuen Jugendbewegung." Die demonstrierenden Jungen, die daran glaubten, dass die Welt eine bessere sein könne, seien ein Zeichen der Hoffnung.

Proteste in den USA

Die Proteste gegen den Krieg haben auch in den USA grössere Dimensionen angenommen. Aus Protest gegen die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush hat eine hochrangige US-Diplomatin ihr Amt niedergelegt.

Sie könne die derzeitige Politik der USA nicht guten Gewissens vertreten, weil die Welt dadurch "gefährlicher, nicht sicherer" werde, schrieb die zweithöchste Diplomatin an der US-Botschaft in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator, Mary Wright, an Außenminister Colin Powell.

Festnahmen in San Francisco

Die Demonstranten in San Francisco hatten nach Beginn der Kampfhandlungen in Irak eine Kampagne des zivilen Ungehorsams begonnen. Sie hielten sich an den Händen, um den Verkehr aufzuhalten und riefen Parolen wie "Stoppt die Bombardements", "Kein Krieg für Öl" oder "Die Politik von Bush bringt Amerika in Gefahr und versetzt die Welt in Wut."

Die Polizei machte 1 300 Verhaftungen und kündigte an, dass noch weitere folgen werden.

In zahlreichen weiteren US-Städten gingen zehntausende Menschen gegen den Krieg auf die Strassen.

In Chicago demonstrierten rund 4000 Menschen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Auch in Boston zogen rund 4000 Kriegsgegner durch die Strassen.

Proteste auf dem NY-Times Square

Auf dem Times Square in New York haben sich mehrere hundert Menschen zu einer Demonstration gegen den Irak-Krieg versammelt. Sie trotzten im Herzen Manhattans dem strömenden Regen, wie Medien berichteten.

Die Polizei hatte Barrieren aufgestellt, um die Demonstranten auf den Gehsteigen zu halten. Die Kriegsgegner trugen Plakate und riefen Slogans gegen die US-Offensive.

Weltweite Grossdemos

Grossdemonstrationen gab es auch in fast allen grossen europäischen Städten, sowie in Kairo, Sydney, Los Angeles. Zu anti-amerikanischen Kundgebungen kam es in den Ländern Indien, Pakistan und Afghanistan.

Auch dem britischen Kriegsbefürworter Tony Blair blies im eigenen Land der Wind ins Gesicht: Vor seinem Regierungssitz in London machten hunderte Schüler ihrem Unmut über den Kriegskurs des Regierungschefs Luft.

30 000 vor US-Botschaftin Athen

In der griechischen Hauptstadt Athen versammelten sich rund 30 000 Menschen vor der US-Botschaft. Mehr als 150 000 Personen gingen auf die Strasse.

In Paris protestierten mehr als 80 000 Demonstranten. Auch in Marseille, Lyon und Nîmes gingen vor allem Jugendliche auf die Strassen.

(bsk/sda)

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