Rassismus im Internet
Antirassismuskommission warnt vor Hass
publiziert: Montag, 21. Mrz 2016 / 15:02 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Mrz 2016 / 18:51 Uhr
Migranten und Migrantinnen sollten nicht in Gruppen betrachtet werden, sondern als Menschen. (Symbolbild)
Migranten und Migrantinnen sollten nicht in Gruppen betrachtet werden, sondern als Menschen. (Symbolbild)

Bern - Die eidgenössische Kommission gegen Rassismus hat vor zunehmendem Rassismus und Hass im Internet gewarnt. Letztes Jahr wurden mindestens 29 Strafbefehle wegen Rassendiskriminierung in den Social Media ausgesprochen. Die Zählung läuft noch. 2014 waren es 10 gewesen.

3 Meldungen im Zusammenhang
Das erklärte die Geschäftsführerin der Kommission (EKR), Giulia Brogini, der Nachrichtenagentur sda am Montag auf Anfrage. Ihren Bericht zu den Verstössen 2015 gegen die Anti-Rassismusstrafnorm veröffentlicht die EKR erst Anfang Juni.

Der Trend zeigt aber bereits jetzt einen deutlichen Anstieg der Strafbefehle wegen rassistischer Äusserungen in den Social Media. Dies sei "vor allem auf die Flüchtlingskrise 2015 zurück zu führen", schrieb Brogini.

Zum Sündenbock gemacht

Wegen der Flüchtlingskrise habe "die Angst vor dem Fremden auch die Schweiz erfasst", hatte bereits zuvor die EKR in einer Mitteilung zum internationalen Tag der Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung geschrieben. Die Versuchung sei gewachsen, Migrantinnen und Migranten im öffentlichen Raum zu stigmatisieren.

Die Vorurteile, welche die Schweizer gegenüber Zuwanderern und Flüchtlingen seit Jahrzehnten hegten, führen auch wieder vermehrt dazu, dass die Fremden "für zahlreiche Übel als Sündenbock herhalten" müssen. Derzeit würden Flüchtlinge als Hauptproblem wahrgenommen, andere gesellschaftliche Fragen seien in den Hintergrund gedrängt worden.

... und es kamen Menschen

Der Titel der EKR-Mitteilung lautet "Asylsuchende und Flüchtlinge - Menschen wie wir". Und auf die Menschen legt die Kommission auch ihren Fokus. Migranten und Migrantinnen sollten nicht als Gruppen betrachtet werden, sondern als Kinder, Frauen und Männer - jede und jeder mit eigener Geschichte.

Diese Menschen seien gezwungen gewesen, ihr Heimatland zu verlassen, weil dort ihre Rechte und ihr Leben gefährdet seien. "Diese häufig traumatisierten Menschen wären lieber in ihrer Heimat geblieben." Auch Flüchtlinge und Asylsuchende hätten "ein Anrecht auf Achtung und Würde" - eben als Mensch behandelt zu werden.

Es müsse etwas gegen die zunehmende Fremdenfeindlichkeit unternommen werden, fordert die Kommission. Sie lobt deshalb auch jenen Teil der Bevölkerung, der sich vermehrt "gegen die in den sozialen Netzwerken verbreiteten Hassreden mobilisiert".

EKR-Geschäftsführerin Brogini erinnerte Parteien und Politiker und Politikerinnen daran, dass diese eine "eine besondere Verantwortung tragen". Sie hätten "die Pflicht", gegen Worte und Handlungen vorzugehen, die zu Intoleranz führten.

Weniger Attacken gegen Juden

Juden standen letztes Jahr etwas weniger im Fokus als auch schon: In der Deutschschweiz wurden 16 antisemitische Vorfälle registriert, 50 weniger als im Vorjahr, wie die GRA und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund mitteilten. Grund war, dass 2015 Israel in keinen Krieg verwickelt war. Sonst wäre der Hass auf die Juden wohl wieder hochgekocht.

In Freiburg wurde am Montag eine Beratungsstelle für Opfer von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit eröffnet. Die von Caritas im Auftrag des Kantons betriebene Anlaufstelle hat noch weitere Aufgaben wie Integration und Rassismusprävention, wie Caritas mitteilt.

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zwischen 2001 und 2008 haben durch die rasante Verbreitung des Internets rassistisch begründete Einzelverbrechen ... mehr lesen
Die Kriminalität im Internet steigt weiterhin an.
Strassburg - Das Internet hat sich nach Einschätzung des Europarates zu einem Medium für Hassreden und Ausländerfeindlichkeit entwickelt. Diese Tendenz habe in Europa deutlich zugenommen, heisst es im Jahresbericht des Ausschusses gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI). mehr lesen 
Prinzipiell...
ist es richtig, dass etwas gegen Hasskommentare getan wird. Allerdings ist es nicht förderlich, dass die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) hier beteiligt ist. Das diskreditiert den grundsätzlich guten Ansatz und zeigt, was die ganze Aktion ist: ein Vehikel, um ein bestimmtes Weltbild auch im Netz durchzusetzen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Die Fluchtroute auf der Seestrecke zwischen Nordafrika ...
Erschreckende Zahlven von der UNO  Berlin - Bei Bootsunglücken im zentralen Mittelmeer sind in der zurückliegenden Woche nach UNO-Angaben wahrscheinlich mindestens 880 Flüchtlinge umgekommen - und damit weit mehr als ohnehin schon befürchtet. mehr lesen 
Amnesty International berichtet  Kabul - Die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich wegen des Kriegs in Afghanistan in nur drei Jahren mehr als verdoppelt - auf heute 1,2 Millionen Menschen. 2013 hatten die Vereinten Nationen noch 500'000 durch den Konflikt entwurzelte Menschen verzeichnet. mehr lesen  
353 Millionen Franken für den Asylbereich  Bern - Der Nationalrat hat am Dienstag die Staatsrechnung 2015 sowie die Nachtragskredite zum laufenden Budget deutlich ... mehr lesen 1
Mit 124 zu 64 Stimmen genehmigte die grosse Kammer den Bundesbeschluss über den Nachtrag I zum Voranschlag 2016.
Bei der Erstellung des Zugänglichkeitsplans in Wil werden auch Betroffene miteinbezogen.
Bereits 100 Objekte erfasst  Wil SG - Digitale Stadtpläne sollen künftig Menschen mit einer Behinderung die Orientierung erleichtern. Die Stadt Wil wurde von Pro Infirmis ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Basel 12°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 12°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Bern 10°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Luzern 12°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Genf 13°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 16°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten