Antoine Dénériaz - der Wahlschweizer aus Martigny
publiziert: Montag, 13. Feb 2006 / 15:39 Uhr

Michael Walchhofer, Bruno Kernen und Kjetil André Aamodt hatten sich schon zum Gruppenbild aufgestellt. Mit der Nummer 30, Antoine Dénériaz, hatten sie offensichtlich nicht mehr gerechnet. Doch dann fuhr der Franzose alle in Grund und Boden.

«Schon vom ersten Tag an hat es mir auf dieser Strecke gefallen.»
«Schon vom ersten Tag an hat es mir auf dieser Strecke gefallen.»
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Dénériaz gehört nicht in die Kategorie der «Nasenbohrer», wie 1984 der amerikanische Überraschungssieger Bill Johnson von Franz Klammer bezeichnet wurde. Immerhin hat der knapp 30-jährige Franzose schon drei Weltcuprennen gewonnen, das erste im Dezember 2002 in Val Gardena, das zweite im März 2003 in Kvitfjell und das dritte wieder in Val Gardena im Dezember 2003.

Als Überraschung darf man Dénériaz aber dennoch bezeichnen, wie vor ihm bereits seinen Landsmann Jean-Luc Crétier (1998 Abfahrtssieger in Nagano), den Amerikaner Tommy Moe (1994 in Lillehammer) und selbst die Österreicher Patrick Ortlieb (1992 in Albertville) und Leonhard Stock (1980 in Lake Placid). Die Olympia-Abfahrten sind auffallend oft nicht das Ding der Favoriten.

Dénériaz hatte zwar auch im Abschlusstraining mit Bestzeit aufgewartet, doch das war eher als «Betriebsunfall» zu werten, wie der Franzose bekannte: «Einen Platz zwischen 10 und 15 hatte ich mir gewünscht, aber ist bremste viel zu wenig. Doch dann habe ich mir gesagt: Ein gutes Resultat ist sicher auch mit der Nummer 30 möglich. Schon vom ersten Tag an hat es mir auf dieser Strecke gefallen. Und dann wurde es zu einem unglaublichen Rennen für mich. Ich war immer am Limit», erklärte er.

Rückschläge nach Kreuzbandriss

13 Monate zuvor hätte wohl kaum einer dem grossgewachsenen (1,89 m) 100-kg-Brocken den Coup von Sestriere zugetraut. Im Training zur Weltcup-Abfahrt von Chamonix zog sich Dénériaz am 7. Januar 2005 einen Kreuzbandriss im linken Knie zu.

Es war dies die erste schwere Verletzung des Franzosen, der damals aber erstaunlich gelassen reagierte: «Jetzt bin auch ich ein richtiger Abfahrer. Wer sich noch nie das Kreuzband gerissen hat, zählt nicht zur Gilde der Downhiller», liess er aus dem Spital ausrichten.

Er habe damals versucht, den Unfall nicht so dramatisch zu sehen. «Aber», so sagt er heute, «der erste Monat in der Rehabilitation war hart. Ich habe mich immer mit den Olympischen Spielen zu motivieren versucht.» In den Weltcup-Abfahrten dieses Winters lief es aber Dénériaz nicht wie einst.

Das erste gute Ergebnis gelang ihm -- wie könnte es anders sein -- in Val Gardena. Siebenter wurde er dort. Danach allerdings schaffte er es nur noch als Neunter in Kitzbühel in die Top 10. In der letzten Abfahrt vor Olympia, in Garmisch, reichte es gerade noch zu Rang 30. Das Jahr 1 nach der Kreuzbandverletzung drohte auch für Dénériaz zu einer Saison des Herantastens zu werden.

Fünf französische Abfahrtsieger

Mit seinem Traumlauf auf der Banchetta liess er aber mit einem Schlag die schwierige Zeit hinter sich. Als bereits fünfter Franzose nach Henri Oreiller (1948), Jean Vuarnet (1960), Jean-Claude Killy (1968) und Crétier (1998) eroberte sich Dénériaz Gold in der Abfahrt. Das ist doch eine ganz erstaunliche Bilanz. Selbst die Österreicher haben es in der Männer-Abfahrt «erst» auf sechs Olympia-Siege gebracht.

Die Schweiz steht noch immer bei zwei Erfolgen, jenen von Bernhard Russi und Pirmin Zurbriggen. Und bei Dénériaz kann sich die Schweiz ja auch noch ein ganz kleines Stück vom Kuchen abschneiden: Der Franzose stammt aus einem Ort rund eine halbe Autostunde von Chamonix entfernt, wohnt aber mittlerweile ennet der Grenze in Martigny im Wallis.

(von Werner Eisenring, Sestriere/Si)

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