«Anthropozän»
Anzeichen für ein neues Erdzeitalter
publiziert: Donnerstag, 7. Jan 2016 / 23:05 Uhr
Was erwartet die Erde?
Was erwartet die Erde?

Bern - Ein Expertenkomitee hat überprüft, ob die Einteilung eines neuen, vom Menschen geprägten Erdzeitalters Sinn macht. Nun bestätigen sie die wissenschaftliche Grundlage für das «Anthropozän».

2 Meldungen im Zusammenhang
Der Begriff geistert schon länger durch Forschung und Medien: Das «Anthropozän» als neues, vom Menschen geprägtes Erdzeitalter. Offiziell einteilen kann eine solche geologische Epoche jedoch nur die Internationale Stratigraphische Kommission (ICS).

Eine von der ICS eingesetzte Expertengruppe bestätigt nun im Fachjournal «Science», dass sich diese Einteilung auf wissenschaftliche Fakten stützen kann. Seit Einberufung der Arbeitsgruppe im Jahr 2009 prüften die Wissenschaftler hierfür zahlreiche Datensätze. Beteiligt war auch Jacques Grinevald, emeritierter Professor vom Institut de Hautes Études Internationales et du Développement in Genf.

Charakteristische Spuren

Demnach werden die geologischen Spuren der Menschheit noch in Jahrmillionen feststellbar sein. Sie sind zudem charakteristisch, das heisst sie unterscheiden sich vom Holozän - dem jüngsten offiziellen Erdzeitalter.

Ablagerungen mit vom Menschen geschaffenen Materialien hinterlassen als weit verbreitete und langlebige «Technofossilien» ihre Spuren, wie die Forscher schreiben. Als Beispiele nennen sie elementares Aluminium, Beton und Plastik.

Auch Kohlenstoff-Partikel aus der Verbrennung fossiler Energieträger, sowie Stickstoff und Phosphor aus Düngemitteln und künstliche Radionuklide aus Kernwaffentests haben charakteristische geologische Fingerabdrücke hinterlassen.

Deutliche Änderung des Klimasystems

Zudem führen die Forschenden den Klimawandel als Anzeichen für ein neues Erdzeitalter an. Die CO2- und Methan-Konzentration der Atmosphäre heben sich deutlich ab von derjenigen im Holozän, ja sogar vom gesamten Quartär, das vor 2,6 Millionen Jahren begann und das Holozän umfasst. Die Erderwärmung übersteige die während des Holozäns beobachteten Schwankungen der letzten 14'000 Jahre.

Das Aussterben von Tierarten und die globale Verbreitung invasiver Arten seien ebenfalls dauerhafte Spuren des menschlichen Einflusses, so die Forschenden.

Unklarer Beginn der neuen Epoche

Über den Beginn der neuen Epoche wird derzeit noch diskutiert. In ihrem Artikel schlägt die Expertengruppe vor, den Beginn der neuen Epoche auf Mitte des 20. Jahrhunderts festzulegen, als sich Industrialisierung und Zuwachs der Weltbevölkerung rasant beschleunigten.

Es gäbe jedoch auch Argumente für ein «Früh-Anthropozän» mit Beginn der Landwirtschaft und grossflächigen Abholzung von Wäldern. Oder mit der Entdeckung Amerikas und dem dadurch ausgelösten globalen Import und Export von Arten. Auch die industrielle Revolution könnte den Beginn der Epoche markieren.

Die ICS könnte das neue Erdzeitalter beim Internationalen Geologischen Kongress im kommenden August in Kapstadt bestätigen. Dies sagte der an der Expertengruppe beteiligte Michael Wagreich von der Universität Wien gegenüber der Nachrichtenagentur APA.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Sydney - Forscher an der australischen UNSW haben einen Weg gefunden, die ... mehr lesen
Synthetische Kristalle steigern den Ausstoss von Methan.
Das Eis am Nordpol geht immer weiter zurück.
London - Unser Planet gleicht einem ... mehr lesen 1
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
-
Publinews Papiliorama  Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Tiere und Pflanzen: erleben Sie das bunte Ballett der exotischen Schmetterlinge, welche frei um Sie herumfliegen, die bizzaren Kreaturen der Nacht, die Regenbogentukane und einheimischen Schmetterlinge, die Gliederfüsser mit ihren aussergewöhnlichen Formen und die Wollschweine, welche sich als Landschaftsgärtner betätigen. Das Papiliorama in Kerzers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise. mehr lesen  
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben ... mehr lesen  
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus zur Förderung der Knochenentwicklung zu den wichtigen Vorgängen. mehr lesen
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 2°C 5°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen bewölkt, starker Regen
Basel 0°C 7°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 1°C 1°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass starker Schneeregen
Bern 4°C 5°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen starker Schneeregen
Luzern 4°C 5°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass stark bewölkt, Regen
Genf 8°C 11°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen bewölkt, etwas Regen
Lugano 11°C 11°C unwetterartige Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten