Apple entfernt umstrittene Babyschüttel-Software
publiziert: Donnerstag, 23. Apr 2009 / 18:55 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 23. Apr 2009 / 19:28 Uhr

New York/Cupertino/Achim - Der US-amerikanische Computer- und iPhone-Hersteller Apple hat nach massiven Protesten den Verkauf der Handyapplikation «Baby Shaker» gestoppt.

Apple ist zünftig ins Fettnäpfchen getreten.
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Wie US-Medien heute Donnerstag berichten, wurde die speziell für das iPhone konzipierte Spiele-Software erst am Montag für 80 Cent in den App Store gestellt.

Auf Druck der US-Non-Profit-Stiftung Sarah Jane Brain Foundation, die sich gegen Schütteltraumata bei Babys engagiert, hat der Branchenriese inzwischen eingelenkt und die Software aus dem Sortiment genommen. Bei dem Spiel müssen die Spieler ihr iPhone so lange schütteln, bis das Weinen eines virtuellen Säuglings vollständig beendet ist. Hört das Baby dann auf zu schreien, erscheinen zwei grosse rote Kreuze über seinen Augen.

Imageschaden abwenden

«Apple hat vorsorglich agiert, um einen Imageschaden abzuwenden. Hier scheint mir, dass man kein unnötiges Risiko eingehen wollte und sich nicht sicher war, wie sehr diese Sache womöglich für Aufsehen sorgt. Trotzdem sollten gerade Stiftungen, die alles gleich auf die Briefwaage legen und Entwicklern nicht ihre kreative Freiheit lassen, die Kirche im Dorf lassen», unterstreicht Unternehmensberater Bernd Höhne.

Laut dem Fachmann ist es vermessen anzunehmen, dass durch die Applikation jemand dazu animiert wird, ein Baby zu schütteln und ernsthaft zu verletzen. «Nehmen das Kritiker tatsächlich an, ist das nur Ausdruck ihrer Hilflosigkeit, dass sie mit der Kreativität und scherzhaften Doppeldeutigkeit nicht umgehen können», sagt Höhne weiter.

Baby Shaker: Warum überhaupt?

Obwohl es gegenwärtig Zehntausende von unabhängigen Software-Entwicklern gibt, welche ihre mehr oder weniger praktischen Anwendungen in Apples Online Store platzieren wollen, entscheidet der Konzern selbst, welche davon im Store landen. Wie die Washington Post heute in einem Leserkommentar berichtet, dürfte das unverzügliche Reagieren des Managements nicht uneigennützig vonstatten gegangen sein.

Schliesslich hält Apple nach wie vor an seinem Ziel fest, mit dem App Store die Zielmarke von einer Mrd. Downloads zu durchstossen. Auch dürfte man Angst davor gehabt haben, gerade mit dem umstrittenen Baby Shaker das Target zu erreichen. Zwar hat Apple die Software aus den virtuellen Regalen genommen und gelobt Besserung. Offen bleibt jedoch die Frage, warum das Spiel überhaupt hochgeladen wurde.

Öffentliche Entschuldigung verlangt

Die Stiftung verlangt von Apple neben dem Vertriebsstopp des Baby Shakers nun auch eine öffentliche Entschuldigung Apples bei den Eltern von Opfern sowie bei den Überlebenden solcher Traumata. Ein Schütteltrauma entsteht immer dann, wenn Säuglinge oder Kleinkinder heftig geschüttelt werden.

Dies hat Blutungen und Verletzungen des Gehirns zur Folge, die im schlimmsten Fall zu bleibenden Schäden und Behinderungen führen können. Im App Store werden derzeit 35.000 Anwendungen angeboten. Die Sarah Jane Brain Foundation legt Apple bei dieser Angebotsvielfalt nahe, eine Art Bewertungssystem für sein Angebot in Erwägung zu ziehen. Dadurch sei die effiziente Kontrolle über die vielfältigen Anwendungen möglich, heisst es in einem Bericht der New York Times.

iPhone als Zugpferd

Abgesehen von den aktuellen Proteste gegen die mittlerweile zurückgenommene Babyschüttel-Software stemmt sich Apple mit steigenden Gewinnen erfolgreich gegen die Rezession. Für das erste Quartal erhöhte der Konzern den Überschuss um 15 Prozent auf insgesamt 1,2 Mrd. Dollar. Je Aktie entspricht dies plus 1,33 Dollar.

Vor allem das Geschäft mit dem iPhone erweist sich einmal mehr als Zugpferd, wodurch der Umsatz um knapp neun Prozent auf 8,2 Mrd. Dollar zulegen konnte. Trotz dieses Erfolgs leidet der Verkauf mit Macintosh-Computern. Analysten machen dafür die vergleichsweise hohen Preise verantwortlich. Das iPhone ist mit einer Gewinnmarge von rund 40 Prozent inzwischen die viel profitablere Einnahmequelle für Apple. Im Vergleich mit Macs und iPods, die rund 35 bzw. 25 Prozent ausmachen, ist das Telefon ein klarer Umsatztreiber.

(ht/pte)

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