Apple verbannt Google Maps - MacBook mit Retina Display
publiziert: Dienstag, 12. Jun 2012 / 08:19 Uhr
iCloud wird tief in MacOS X 10.8 und iOS 6 integriert.
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San Francisco - Apple hat gestern, Montagabend, im Moscone Center in San Francisco die hauseigene Entwicklermesse «Worldwide Developers Conference» (WWDC) eröffnet.

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Dabei hat das Unternehmen die neue iOS-Version 6 inklusive eigenem Kartendienst, MacOS X 10.8 «Mountain Lion» und die Upgrades für die bestehende MacBook-Reihe präsentiert. Am prestigeträchtigsten erwies sich allerdings die neue MacBook-Generation, die nicht nur mit überarbeitetem Design, sondern auch mit dem weltweit höchstauflösenden Notebook-Display auftrumpft.

Eröffnung mit Seitenhieben

Zum Einklang der Präsentation liess Apple die digitale Sprachassistentin Siri eine Standup-Performance darbieten. «Ich bin wirklich gespannt auf das neue Samsung», so ein Seitenhieb auf den Konkurrenten. «Nicht das Telefon, den Kühlschrank.» Auch Google bekam sein Fett weg. «Hey, ihr alle, die ihr mit Ice Cream Sandwich oder Jelly Bean arbeitet? Wer erfindet eigentlich diese Namen? Ben and Jerry?»

Anschliessend gab Konzernchef Tim Cook einige Daten zum Stand der Dinge bei Apple bekannt. So gibt es im App Store mittlerweile über 400 Mio. Nutzerkonten und über 650'000 Apps, wovon 225'000 speziell für iPads konzipiert sind. Insgesamt verzeichnet man bereits mehr als 30 Mrd. App-Downloads, an die Entwickler wurden über fünf Mrd. Dollar ausgeschüttet.

Erwartungen erfüllt

Für die Präsentation der neuen MacBook-Geräte zeichnete Marketing-Chef Phil Schiller verantwortlich. Die Air-Reihe verfügt nun über Intel-Core-i7-Prozessoren der «Ivy Bridge»-Generation und kann mit bis zu acht Gigabyte Arbeitsspeicher umgehen. Für die Bildwiedergabe sorgt nach wie vor ein integrierter Chip, der jedoch 60 Prozent schneller als sein Vorgänger sein soll. Bis zu 512 Gigabyte an Flash-Speicher sind verbaut, komplettiert wird das Paket von zwei USB-3.0-Ports und einer 720p-Webcam für FaceTime und andere Anwendungen mit Video-Support.

Das Update der bestehenden Pro-Serie liegt im Rahmen der Erwartungen. Hier war ein Grossteil der neuen Spezifikationen - hier arbeitet man nunmehr mit Ivy-Bridge-Quadcores bis 2,7 Gigahertz und ebenfalls acht Gigabyte RAM - bereits vorab bekannt. Bestätigt hat sich unter anderem die Vermutung, dass Apple in Sachen Grafik von ATI auf Nvidia umsattelt. In den Geräten werkt das Modell GT650M mit Kepler-Architektur und bis zu einem Gigabyte an Arbeitsspeicher.

Neues MacBook mit Retina-Display

Die Latte höher legt man jedoch mit der neuen MacBook-Pro-Generation. Diese weist mit einer Dicke von rund 1,8 Zentimetern bei zwei Kilogramm Gewicht ein enorm schlankes Profil auf. Auch hier kommt Nvidias GT650M zum Einsatz, jedoch sind bis zu 16 Gigabyte an RAM in das System verbaubar und die SSD-Festplatte bis zu 768 Gigabyte gross. Portseitig gesellen sich zwei USB-3.0-Anschlüsse, ein SD-Kartenleser, MagSafe 2, Thunderbolt und ein HDMI-Ausgang hinzu. Firewire und Ethernet lassen sich nur per Thunderbolt-Adapter realisieren.

Das grosse Highlight stellt jedoch das Display dar. Apple zeichnet dieses mit dem selbsterfundenen, unverbindlichen «Retina»-Gütesiegel aus. Das 15,4-Zoll-Display löst mit 2880 x 1800 Pixeln auf. Bei einer Dichte von 220 ppi handelt es sich laut Schiller um einen Weltrekord. «Internetsurfen erreicht damit Magazinqualität», so Schiller.

Die neue Auflösung bedingt jedoch auch softwareseitige Anpassungen. Bereits aufgerüstet ist die neue Version des Videoeditors FinalCut-Pro, dessen Vorschaufenster nun Full-HD-Grösse liefert. Andere Apps werden derzeit noch gestreckt, um sinnvoll genutzt werden zu können. Dem Vernehmen nach sind Updates für AutoCAD, Paint Shop Pro und das Spiel Diablo III in Arbeit. Alle neuen Modelle sind ab sofort verfügbar, die brandneue Retina-Variante kostet in der Mindestausführung 2449 Franken.

Cloud hält Einzug auf MacOS X

Ebenfalls enthüllt wurde Mac OS X 10.8 «Mountain Lion». Die wesentlichen neuen Features basieren auf der deutlich vertieften iCloud-Integration. So erhalten Apps nun plattformübergreifend Updates, die über Apples-Wolke synchronisiert werden. Auch die drei neuen Software-Standardbestandteile «Messages», «Reminders» und «Notes» haben auf den Dienst Zugriff. Dokumente werden nun über alle Geräte direkt bei der Bearbeitung abgeglichen. Auch der Browser Safari wurde erweitert und bietet mit dem Abgleich von Tabs, History und Bookmarks eine ähnliche Erfahrung wie Googles Chrome Synch. TabView erleichtert das Hin- und Herschalten zwischen Tabs über Touchgesten.

Das neue Betriebssystem verfügt nun zusätzlich über eine Diktierfunktion. Twitter ist in die Notifications integriert. AirPlay Mirroring ermöglicht das kabellose Pushen von Inhalten auf andere Geräte, inklusive dem Streamen von Videos. Einzug gehalten hat auch das von iOS bereits bekannte GameCenter. Apple zielt auch vermehrt auf den noch weitgehend unerschlossenen Markt in China, das System unterstützt nun das dort vorherrschende Social Network Baidu und andere Dienste sowie die Videoplattformen Youku und Tudou. Die finale Version vom Mac OS X 10.8 soll im Juli erscheinen. 20 Dollar soll das Upgrade kosten und ab der Version 10.6 «Snow Leopard» möglich sein. Keine Extrakosten fallen für Käufer eines neuen MacBooks an.

Siri wird Beifahrerin

Auch bei iOS hat sich einiges getan. Wie erwartet wurde die Version 6 vorgestellt. Laut dem Hauptverantwortlichen für das mobile Betriebssystem, Scott Forstall, sind 200 neue Features an Bord. Siri wurde in einigen Bereichen erweitert und um Sportinformationen, Kinoprogramme und die Fähigkeit zum Ausführen von Apps erweitert. Dazu beherrscht die Assistentin bald einige neue Sprachen, darunter Deutsch. Die lokale Suche ist zukünftig weltweit möglich und nicht nur auf die USA und Kanada beschränkt.

Die sprechende Hilfe werkt künftig auch auf dem iPad, das Privileg bleibt jedoch Besitzern der neuesten Tablet-Generation vorbehalten. Mit «Eyes Free» hält sie bald auch Einzug in Autos. Ein zusätzlicher Knopf am Lenkrad soll bei angeschlossenem iOS-Gerät den Direktzugriff auf Siri ermöglichen und somit Ablenkung durch die Bedienung des Telefons verhindern. Nach Aussage von Forstall hat man bereits einige grosse Hersteller - darunter BMW, Mercedes, Audi oder Toyota - mit im Boot, die das Feature innerhalb der nächsten zwölf Monate implementieren wollen.

Facebook ist nun umfassend in das System integriert, das Posten ist nun aus diversen Apps als auch aus dem App Store und iTunes möglich. Für Anrufe gibt es eine neue Slidefunktion, die komfortabel das Auflegen in Kombination mit einem Hinweis per SMS erlaubt. Das Feature ist vielseitig konfigurierbar und location-aware. Ebenfalls mit dabei: Teilbare Photostreams, VIP-Kontakte und ein «Do Not Disturb»-Modus. FaceTime-Videochats sind mit iOS 6 auch über mobile Breitbandverbindungen möglich.

Apple Maps: 3D-Darstellung überzeugt

Mit Spannung erwartet war die Enthüllung von Apple Maps. Nach vielen Jahren entledigt sich der Konzern damit des bisher genutzten Google-Produkts und versucht sich sofort an weltweiter Abdeckung. Für Begeisterung im Publikum sorgte die hochauflösende 3D-Kartenansicht, für deren Realisierung Apple im vergangenen Oktober das Unternehmen «C3 Technologies» erworben hatte. Echtzeit-Verkehrsinformationen würden über anonymisierte Standortdaten von iOS-Nutzern generiert. Der Dienst verfügt über Siri-Integration und Turn-by-Turn-Navigation. Eine Funktion a la Google StreetView fehlt derzeit noch.

iOS 6 soll im kommenden Monat erscheinen, die Betaversion für Entwickler ist ab sofort abrufbar. Das Update unterstützt das iPhone ab dem Modell 3GS, das iPad ab der zweiten und den iPod Touch ab der vierten Generation.

(bert/pte)

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