Stichproben sind in China zwecklos
Apple wegen Arbeitsbedingungen unter Druck
publiziert: Mittwoch, 22. Feb 2012 / 15:43 Uhr
Angestellte von Foxconn arbeiten viel und verdienen wenig.
Angestellte von Foxconn arbeiten viel und verdienen wenig.

Wer wäre bereit, mehr für sein iPhone oder iPad zu bezahlen, damit es Arbeitern in China besser geht? Wären die Aktien von Apple noch so ein Renner, wenn die Gewinne kleiner ausfielen? Der Druck auf den kalifornischen Computerkonzern wächst mit jeder neuen Enthüllung über harsche Arbeitsbedingungen in den Fabriken in China, in denen die weltweit so beliebten Apple-Produkte hergestellt werden.

9 Meldungen im Zusammenhang
Im Kreuzfeuer der Kritik steht der taiwanesische Hersteller Foxconn, der 1,2 Millionen Arbeiter in China beschäftigt und der neben Apple auch andere High-Tech-Firmen wie Dell, Hewlett-Packard, IBM oder Sony zu seinen Kunden zählt.

15-Stunden-Schichten an sieben Tagen pro Woche möglich

Die Vorwürfe sind heftig: Übermässige Überstunden und Schichten mit 12 bis 15 Stunden, sechs oder sieben Arbeitstage pro Woche, monotone Arbeit am Fliessband, militärischer Führungsstil und Kasernierung in überfüllten Wohnheimen auf dem Fabrikgelände. Der weltgrösste Elektronikhersteller macht schon seit zwei Jahren mit einer Serie von Selbstmorden unglücklicher Mitarbeiter von sich reden.

In einem investigativen Artikel der «New York Times» Ende Januar warfen frühere Manager dem Apple-Konzern vor, nur an der Verringerung der Produktionskosten interessiert gewesen zu sein und bei Missständen ein Auge zugedrückt zu haben. Den Vorwurf der Ausbeutung will der neue Apple-Chef Tim Cook aber nicht auf sich sitzen lassen: «So sind wir nicht.» Er trat der Organisation Fair Labor Association (FLA) bei, die sich weltweit für bessere Arbeitsbedingungen einsetzt, und verschaffte FLA-Inspektoren erstmals Zugang zu den sonst sorgsam von der Aussenwelt abgeschnittenen Foxconn-Fabriken. «Wir sind der Überzeugung, dass die Beschäftigten überall auf der Welt ein Recht auf ein sicheres und faires Arbeitsumfeld haben», sagte Cook.

Stichprobenartige Kontrollgänge sind zwecklos

Chinesische Arbeitsrechtsexperten sind aber skeptisch, was bei der Untersuchung herauskommen kann. «Die Ergebnisse sind nicht glaubwürdig, wenn die Untersuchung nur durch eine Tour mit Führer über ein paar Wochen erfolgt», sagte der Arbeitsrechtler Huang Leping der Nachrichtenagentur dpa in Peking. «Es müsste eine langfristige Aufsicht geben und Ermittlungen ohne Einschränkungen.»

Eine am Wochenende verkündete Lohnerhöhung von 16 bis 25 Prozent ist für den Anwalt und andere Experten auch nur der Versuch der Schadensbegrenzung in der PR-Krise von Foxconn. «Die öffentliche Diskussion hat die Gehaltsanhebung beeinflusst», glaubt He Xiaoxia von der Umweltschutzgruppe Green Beagle, die den Umgang mit gefährlichen Stoffen in den Fabriken angeprangert hatte. Ähnlich äussert sich der Arbeitsrechtler Shen Binti. «Es hat direkt mit den Ermittlungen zu tun.» Es müsse auch abgewartet werden, wie sich die Anhebung des Grundlohns am Ende auf die gesamten Bezüge auswirke.

Arbeiter brauchen bezahlte Überstunden, um genug zu verdienen

Ein Arbeiter am Fliessband bei Foxconn in der Metropole Shenzhen in Südchina liegt aber auch nach der Erhöhung mit einem Anfangsgehalt von 1800 Yuan (215 Euro) im Monat nur um 300 Yuan über dem gesetzlichen Mindestlohn. «Das ist kaum ein bedeutender Unterschied und mit Sicherheit nicht genug, um ein menschenwürdiges Leben in einer der teuersten Städte Chinas zu führen», findet Geoffrey Crothall von der unabhängigen Organisation China Labour Bulletin in Hopngkong, die sich um Arbeitsbedingungen in China kümmert.

Nach Angaben von Foxconn liegen aber rund 75 Prozent der Mitarbeiter in Shenzhen in der höheren Gehaltsstufe von mehr als 2200 Yuan, umgerechnet aber auch nur 263 Euro. Nur mit Überstunden lässt sich mehr verdienen, was die exzessiv langen Schichten erklärt, die Arbeiter fahren - »freiwillig«, wie Foxconn betont. Um der Kritik zu begegnen, werden mit der Lohnerhöhung gleichzeitig die Überstunden abgebaut: «Unser Ziel ist es, die Überstunden zu begrenzen, während wir auch die Bezahlung erhöhen, damit unsere Arbeiter nicht geringere Löhne haben, wenn wir die Möglichkeiten für Überstunden verringern.»

Die Probleme bei Foxconn sind kein Einzelfall in China, wo keine unabhängigen Gewerkschaften erlaubt sind. Wettbewerbsvorteile ergeben sich häufig durch niedrige Löhne, ausbeuterische Arbeitszeiten, mangelnden Umweltschutz und schlechte Arbeitsbedingungen. Im Vergleich zu kleineren und mittleren Unternehmen könnte Foxconn nicht mal so schlecht abschneiden. Problematisch erscheint Experten hier aber der strenge Umgang, die Rechtlosigkeit, Erschöpfung und Isolation junger Wanderarbeiter in den Fabriken. «Nach den Aussagen von Mitarbeitern, die bei uns Rechtshilfe suchten, ist Foxconn definitiv kein Modellunternehmen», stellt Anwalt Huang Leping fest.

(Alexander Kuch/teltarif.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Taipeh - In einer chinesischen Fabrik des Apple-Zulieferers Foxconn Technology ist nach einer Massenschlägerei die Produktion ... mehr lesen
Ein Streit zwischen mehreren Arbeitern hat sich zu einer Prügelei mit 2000 Beteiligten ausgeweitet. (Symbolbild)
Fröhliche Kinder bei der Arbeit? Samsung will genauer hinsehen.
Seoul - Nach Berichten über Missstände in chinesischen Zulieferbetrieben ... mehr lesen
Peking - Unter dem Druck massiver Kritik an den Arbeitsbedingungen in China will der Apple-Zulieferer Foxconn die Gehälter ... mehr lesen
Foxconn will neue Fabriken bauen.
Die glänzende Erfolgsgeschichte des zum wertvollsten Technologie-Konzern der Welt aufgestiegenen Computerbauers ... mehr lesen
Der Börsenwert von Apple durchbrach die magische Marke von 500 Milliarden Dollar.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Taipeh - Apple-Zulieferer Foxconn hat die Gehälter seiner Angestellten in China um bis zu 25 Prozent angehoben. Die Ankündigung des taiwanischen Unternehmens am Samstag fiel mit der Inspektion der amerikanischen Fair Labor Association (FLA) in Foxconn-Werken in China zusammen. mehr lesen 
Tim Cook, Konzernchef von Apple
Cupertino - Das hat es zu Zeiten von ... mehr lesen
Ungenannte Apple-Manager und -Mitarbeiter äussern sich gegenüber der New York Times über die sagenhafte Flexibilität der ... mehr lesen
Steve Jobs bei der Präsentation des ersten iPhones.
Shanghai - Der durch eine Serie von Selbstmorden in die Kritik geratene Elektronik-Hersteller Foxconn beutet einer Umfrage zufolge seine Arbeiter systematisch aus. mehr lesen 
Apple setzte im vergangenen Quartal rund 51,2 Millionen iPhones ab, das war ein Rückgang von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.
Apple setzte im vergangenen Quartal rund 51,2 ...
Schwache Konjunktur  Cupertino - Seit 2003 hatte Apple den Umsatz Quartal für Quartal gesteigert. Doch mit dem ersten Rückgang beim iPhone-Absatz brach diese Serie nun ab. Apple verweist auf die schwache Konjunktur in vielen Teilen der Welt. 
James Comey verdient 183'000 Dollar pro Jahr.
iPhone-Hack kostet über 1,3 Mio. Dollar Washington - Die US-Bundespolizei FBI hat nach einer Berechnung der Zeitung «Financial Times» mehr als 1,3 Millionen Dollar an ...
Apple feiert 40. Geburtstag Cupertino - Der Computer-Pionier Apple stand 1997 kurz vor der Pleite. Mitgründer Steve Jobs ...
Apple setzt Preis für neues «Einsteiger-iPhone» niedriger an Cupertino - Ein kleineres iPhone und ein hochgerüstetes iPad ...
I-Phone Entschlüsselung  New York - Im Streit mit Apple um die Entschlüsselung von iPhones lässt das US-Justizministerium ...  
Zur Strafmass-Bestimmung  wollen die Bundesanwälte die Daten des iPhones auswerten. (Symbolbild)
FBI-Auftrag: Hacker haben iPhone 5c geknackt Cupertino/Washington - Unbekannte Sicherheitsexperten beziehungsweise Hacker - und eben nicht die ...
eGadgets «The Carv» macht Hobby-Skiläufer zu Pistenprofis Die britische Hightech-Firma MotionMetrics ...
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


 
Wettbewerb
   
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zum Release des siebten Teils der Star Wars-Serie («Das Erwachen der Macht») verlosen wir zwei DVDs.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 6°C 14°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 8°C 15°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen recht sonnig
St. Gallen 5°C 11°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 5°C 14°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen freundlich
Luzern 6°C 13°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 7°C 15°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Lugano 10°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten