Arafat - ein Mythos zerbröselt
publiziert: Montag, 21. Apr 2003 / 21:27 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 22. Apr 2003 / 00:33 Uhr

Der designierte Ministerpräsident der Palästinensergebiete, Mahmud Abbas, hat mit dem Präsidenten Arafat so seine liebe Mühe. Denn was ursprünglich Gewaltenteilung und somit eine Demokratisierung der Palästinensergebiete bringen sollte, wird von Arafat nach Kräften torpediert. Er stellt sich bei der Auswahl der Ministermannschaft quer. Dies nicht weil die vorgeschlagenen Leute unfähig wären, sondern weil sie – wie der als Innenminister vorgeschlagene Mohammed Dahlan - sich des ungeheuren Vergehens schuldig gemacht haben, Arafat schon einmal kritisiert zu haben oder nicht von ihm abhängig zu sein. Am liebsten hätte Arafat, dass Abbas einfach seine Minister übernimmt. Dass diese Leute ganz offenbar korrupt und unfähig sind, spielt keine Rolle. Denn das ist – in der Funktion eines Präsidenten – auch Yassir Arafat. Arafat weiss genau, dass sein grösstes Kapital ein unzufriedenes Volk, sein grösster Feind - neben Israel - eine funktionierende Zivilgesellschaft ist. Er fördert darum seit Jahren die Radikalisierung und Verarmung des palästinensischen Volkes, während Hilfsgelder aus der ganzen Welt in seiner Verwaltung versickern, ohne einen Effekt zu zeigen. Es handelt sich dabei um Milliardenbeträge, für die niemand Rechenschaft abzulegen vermag. Die Wahrscheinlichkeit, dass Arafat und seine Seilschaft sich aus dem Spendentopf grosszügig bedient haben, ist mehr als nur wahrscheinlich. Wird jetzt eine Regierung eingesetzt, die als Ziel, nicht mehr die persönliche Bereicherung sieht, sondern beabsichtigt, aus den Palästinensergebieten die Grundlage eines funktionierenden Staates zu erschaffen, werden die Verbrechen von Arafat gegenüber seinem Volk unweigerlich ans Licht kommen. Sein gewissenloses Abkassieren, seine Instrumentalisierung eines Landes in der Entstehung für Waffenschmuggel, Schutzgelderpressung und andere Bereicherungen würden seinen Mythos zerschlagen. Umso mehr, wenn die Anschuldigungen nicht mehr nur von seinen Gegnern, sondern aus seinem eigenen Land kommen. Sollte Palästina wirklich demokratisch werden, wäre dies das Ende von Arafat – ideologisch, finanziell und politisch. Dass er dagegen mit aller Macht kämpft, ist logisch. Dass er aus persönlichen Gründen das Schicksal 'seines' Volkes aufs Spiel setzt, ist unverzeihlich. Dass er einen möglichen Frieden verhindert und stattdessen einen Krieg, der nicht zu gewinnen ist, am Laufen hält, ist ungeheuerlich. Yassir Arafat hat mit seinem blutigen Kampf die Möglichkeit eines palästinensischen Staates in die Welt gebracht. Es wäre tragisch, wenn er diesen Embryo eines Staates mit sich ins Grab risse und wir Europäer wieder einmal nur zuschauten. Europa ist gefordert. Nach dem Irak-Desaster bietet sich hier die Möglichkeit, eine Stimme zu finden und mit wirtschaftlichem, politischem und diplomatischem Druck im Nahen Osten die Initiative zu ergreifen und einen Schritt hin zum Frieden zu erzwingen.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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