Arbeitsplatzvernichter Mitt Romney
publiziert: Freitag, 25. Mai 2012 / 13:43 Uhr
Obama greift Romneys Wirtschaftserfahrung an.
Obama greift Romneys Wirtschaftserfahrung an.

Nachdem Amtsinhaber Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney gut fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl in Amerika in den Umfragen fast gleichauf liegen, lenkt der Präsident die Aufmerksamkeit der Wähler auf eine Schwachstelle des Republikaners: das umstrittene Unternehmen, bei dem Romney seine Millionen verdient hat.

4 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

CNN Election Center
America's Choise 2012
edition.cnn.com/ELECTION/2012/

«Mit Ablenkung hat das nichts zu tun», erklärte Obama. «Das ist nur Teil der Diskussion, die wir in diesem Wahlkampf führen.»

Romney war Mitgründer der Investment-Firma Bain Capital, die ihre Eigentümer und Manager reich machte, indem sie hunderte von Unternehmen aufkaufte, umstrukturierte und später wieder gewinnbringend verkaufte.

In den USA liegt die Arbeitslosenquote weiterhin bei etwas über 8 Prozent und viele Wähler machen sich grosse Sorge wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ihres Landes. Romney hat daher seine Expertise als Geschäftsmann als seine beste Qualifikation für das Amt des Präsidenten ins Spiel gebracht.

Er behauptet, Bain habe mehr als 100'000 Arbeitsplätze geschaffen − eine Schätzung, die unabhängige Experten und Journalisten nicht bestätigen konnten. Als Präsident, so verspricht er, könne er noch wesentlich mehr Stellen schaffen.

«Ich kann Ihnen sagen, dass wir durch die Politik, die wir anstreben, die Arbeitslosenquote innerhalb von vier Jahren auf sechs Prozent drücken werden − vielleicht sogar ein wenig niedriger», so Romney in einem Interview gegenüber dem «Time Magazine».

750 Leute hatten ihren Arbeitsplatz verloren

Doch das Wahlkampfteam von Barack Obama versucht, Romneys Vergangenheit als Unternehmer gegen ihn zu verwenden. Die Unterstützer des Präsidenten wollen die Wähler daran erinnern, dass Arbeitnehmer bisweilen auch ihre Stelle verloren haben, nachdem Bain die Firmen mehrheitlich übernommen hatte. Im Fernsehen läuft derzeit ein Werbespot über eine Stahlfabrik in Kansas City, die Konkurs ging, nachdem Bain Capital sie aufgekauft hatte. Erwähnt wird nicht, dass zwischen beiden Ereignissen etliche Jahre lagen oder dass Romney die Investmentfirma in der Zwischenzeit längst verlassen hatte. Dass mehr als 750 Leute ihren Arbeitsplatz verloren, wird den Zuschauern aber mitgeteilt.

Auf der Website «www.romneyeconomics.com», die Obamas Wahlkampfhelfer erstellt haben, finden sich zudem etliche Beispiele weiterer Firmen, die Bankrott machten, nachdem die Investment-Firma sie übernommen hatte.

«Bain hat in mehr als 350 Firmen investiert. Ein kleiner Teil davon war nicht erfolgreich», so der ehemalige Bain-Chef Edward Conrad. «Das ist eine verzerrte Darstellung unserer Unternehmensgeschichte.»

Ein kluger politischer Schachzug mag die Kampagne aber durchaus sein: Die Firma Bain mit Arbeitsplatzverlusten in Verbindung zu bringen, könnte Romney das Thema Arbeitslosigkeit verleiden. Zudem könnte das Thema die Wähler auch an Romneys riesiges Vermögen erinnern, das auf eine Summe zwischen 190 und 250 Millionen Dollar geschätzt wird. Die Präsidentschaftswahl ist zwar erst im November, doch Obama braucht anscheinend dringend ein Thema wie Bain.

Nach dem von CNN errechneten Durchschnitt aus drei wichtigen Umfragen befürworten 47 Prozent der Befragten die Wiederwahl von Barack Obama, 45 Prozent sprechen sich für seinen Herausforderer Mitt Romney aus. Der Vorsprung von zwei Prozentpunkten kann als Stichprobenfehler gelten; momentan liegen die Kandidaten also fast gleichauf.

Bain Capital wurde übrigens nach dem Mitgründer Bill Bain benannt. Schreibt man den Namen ein wenig anders («bane»), so bedeutet er auf Englisch Ruin oder Verderben. Obama hofft, dass «Bain» für Romney genau diese Bedeutung bekommt.

Jonathan Mann
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Seine Kolumne steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung. Mehr über das US-Wahljahr 2012 unter http://edition.cnn.com/ELECTION/2012.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Kurz vor der Präsidentschaftswahl sind in den USA viele neue Stellen geschaffen worden. Die Zahl der Beschäftigten ... mehr lesen
Die Arbeitslosenquote stieg auf 7,9 Prozent. (Symbolbild)
Austin - Mit der Vorwahl der Republikaner im US-Staat Texas könnte sich der Favorit Mitt Romney seine Präsidentschaftskandidatur ... mehr lesen
Mitt Romney (Bild) fordert Barack Obama heraus.
Würden ungleichbehandlung nicht begreifen: Obama-Töchter mit Vater beim Buch-Shopping.
Etschmayer Letzte Woche hat der US-Präsident Barack Obama zur allgemeinen Überraschung bekannt gegeben, dass er seinen ... mehr lesen 1
Senatorin Dianne Feinstein will Klarheit schaffen.
Senatorin Dianne Feinstein will Klarheit ...
US-Politiker empört  Was vielen Leuten weltweit bereits seit Monaten die Zornesröte ins Gesicht treibt, verärgert nun auch einflussreiche Politiker Washingtons: Womöglich wurden auch sie von Vater Staat ausgespäht. 
Ukraine Krise  Haben Präsident Barack Obama und die schwache US-Aussenpolitik Wladimir Putin den Weg geebnet und ...   1
Momentan konzentriert sich Obama darauf, welche Schritte unternommen werden können, um die Krim aus der russischen Herrschaft zu befreien.
Jan Brewer: «Religionsfreiheit ist ein Grundwert in Amerika und Arizona.»
Wandel in der Gesellschaft?  Denkt man an den US-Bundesstaat Arizona, hat man eigentlich Bilder von Cowboys, ...  
Erst der Papa, dann der Bruder  Und wie steht es mit dem Rest der Welt? «Ich möchte diese Entscheidung auf den richtigen Moment vertagen. ...  
John Ellis «Jeb» Bush.
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2514
    Einige... Fehlbewertungen dieses Krimkonfliktes kommen anscheinend daher, dass ... Mi, 12.03.14 22:16
  • lector aus Winterthur 62
    Pervers Während wichtige und nützliche, staats-erhaltende Beamte um Ihre ... Fr, 04.10.13 21:36
  • HeinrichFrei aus Zürich 343
    Schweizer sind gegenüber den USA sehr misstrauisch Der US-Kongress hat nach den Attacken von 9/11, vom 11. September 2001, ... Fr, 14.06.13 15:33
  • JasonBond aus Strengelbach 4114
    Palin reloaded Unfassbar wie dumm die Reps offenbar geworden sind. Hat man nichts ... Fr, 17.08.12 16:17
  • Menschenrechte aus Bern 112
    Romney why dont you go home and stay there. All you have is Money, but no ... Di, 24.07.12 17:15
  • Kassandra aus Frauenfeld 1022
    Ob er das wirklich selbst glaubt? Sehen wir uns mal die Lage an. Die Reichen haben noch nie in der ... Mo, 16.07.12 13:36
  • JasonBond aus Strengelbach 4114
    Mitt Romney for President Mitt Romney hätte schon vor vier Jahren Präsident werden sollen, dann ... Fr, 13.07.12 14:09
  • JasonBond aus Strengelbach 4114
    ...was gut aufzeigt was Republikaner für gequirlte Schei**e reden wenn der Tag lang ... Mo, 25.06.12 14:00
Bundeskanzlerin Merkel und US-Aussenminister Kerry tauschen sich über aktuelle aussenpolitische Themen aus.
Whitehouse Berlin und Washington rücken zusammen Berlin - Nach Verstimmung wegen der Spähaktionen ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 1°C 3°C bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 1°C 7°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 3°C 5°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 3°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 5°C 9°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 4°C 12°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 15°C 20°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten