Arbeitstätige sterben aus
publiziert: Montag, 13. Nov 2006 / 16:55 Uhr / aktualisiert: Montag, 13. Nov 2006 / 20:23 Uhr

Bern - Immer weniger Nachwuchs und immer mehr ältere Menschen - die prognostizierte demografische Entwicklung sieht schlecht aus für die Schweizer Wirtschaft.

Gehören in der Schweiz zur langsam aussterbenden Spezies: Arbeitstätige.
Gehören in der Schweiz zur langsam aussterbenden Spezies: Arbeitstätige.
An einer Tagung in Bern fordern Experten deshalb frühzeitige Massnahmen.

Zahl und Anteil der jährlich neu ins Erwerbsleben Tretenden werde weiterhin abnehmen, sagte Franz-Xaver Kaufmann, emeritierter Professor für Sozialpolitik und Soziologie an der Universität Bielefeld (D), laut Redetext.

«Das dürfte eine Bremse für die volkswirtschaftliche Produktivitätssteigerung werden.»

Ausreichender Nachwuchs sei deshalb von öffentlichem Interesse und deren Sicherung zunehmend Staatsaufgabe, sagte Kaufmann am Montag an der Tagung «Gerechtigkeit zwischen Generationen - Solidaritäten im Lebenslauf» der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Sozialpolitik (SAS).

Niedrige Nachwuchsrate

Grund für die niedrige Nachwuchsrate sei laut den neusten Szenarien des Bundesamtes für Statistik (bfs) eine tiefe Fertilität der Schweizerinnen, sagte er weiter. Diese liege bei 1,2 Kindern pro Schweizerin - zwischen 1980 und 2000 waren es noch 1,53 Kinder.

Es sei zwar kein unmittelbarer Bevölkerungsrückgang zu erwarten - dies dank einer höheren Zuwanderungsquote als Folge der Freizügigkeitsabkommen mit der EU und einer höheren Fertilität der Ausländerinnen. Sich aber auf diese Kompensation zu verlassen sei risikoreich und nicht nachhaltig.

Politik der Nachwuchssicherung

Ohne Politik der Nachwuchssicherung müsse mit demografischen und sozialen Verschiebungen gerechnet werden, die den Handlungsspielraum der Politik überfordern und krisenartige Entwicklungen fördern könnten, sagte Kaufmann weiter.

Eine solche Politik dürfe jedoch nicht nur auf Geburtenförderung zielen. Sie müsse auch vermehrte Investitionen beispielsweise in die Bildungspolitik, die Familien-, Kinder- und Jugendpolitik oder die Arbeitsmarktpolitik vorsehen.

(lg/sda)

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