Arktis-Klima kurz vor Kippe
publiziert: Mittwoch, 1. Feb 2012 / 09:33 Uhr / aktualisiert: Samstag, 4. Feb 2012 / 14:07 Uhr
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Arktis im Sommer ab 2030 laut Experte völlig eisfrei.
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Studienleiter Carlos Duarte sagt «Eisfreie Sommer im arktischen Ozean schon in weniger als 20 Jahren» voraus.

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Nirgendwo auf dem Planeten tritt die Erderwärmung deutlicher in Erscheinung als in der Arktis. Die Anzeichen dafür häufen sich, dass in dieser Region bereits ein «gefährlicher Klimawandel» vor sich geht, wenn man die Definition des Weltklimarates IPCC heranzieht. Kritische Punkte seien hier bereits in Reichweite, bei denen kleine Veränderungen das gesamte System verändern können, schreiben spanische Polforscher vom Consejo Superior de Investigaciones Científicas in der Zeitschrift «Nature Climate Change».

Viele Domino-Effekte möglich

Oft verlieren sich Forscher und Medien in der Frage, ob das schmelzende Meereis der Arktis wieder ein neues Minimum erreicht hat, kritisiert Studienleiter Carlos Duarte im pressetext-Interview. «Die Meereseis-Fläche ist jedoch kein absoluter Indikator für den Zustand der Arktis, da sich die Widerstandskraft der Region höchstens aus der Dicke des Eises ergibt.» In weniger als 20 Jahren könnte der arktische Ozean im Sommer völlig eisfrei sein, so der Experte.

Absehbare Folgen: Das freigesetzte Süsswasser verändert die Ozeanzirkulation, von der wiederum das Regionalklima vielerorts und die Fähigkeit des Ozeans zur CO2-Speicherung abhängt.

Dabei gibt es in der Arktis jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Kippelemente. «Das Auftauen der Permafrost-Böden gehört etwa dazu, da es grosse Vorkommen des Klimagases Methan in die Atmosphäre freisetzen könnte, oder die Rückgänge der Taiga-Nadelwälder, einem wichtigen CO2-Speicher. Das Schwinden des Grönlandgletschers lässt die Meere steigen, das Trocknen der Torfböden erleichtert unkontrollierte Flächenbrände wie in Russland 2010 und die steigende Meerestemperatur lässt Methanhydrate freikommen», zählt Duarte auf.

Klima schneller als Anpassung der Ökosysteme

Grundsätzlich rechnet die Forschung damit, dass Kippelemente ab einer Erwärmung von zwei Grad über dem Temperaturniveau von 1990 in Bewegung kommen. In der Arktis dürfte dies wesentlich früher der Fall sein, erhitzt sie sich doch schneller - um ein Grad pro Jahrzehnt. Die natürliche Anpassung der Ökosysteme der Region ist deutlich langsamer als die Klimaerwärmung.

«Wichtig ist es deshalb, jene Alarmsignale zu identifizieren, die Anhaltspunkte über die genaue Situation dieser Kippelemente geben. Dadurch erst kann auch die Politik bessere Präventiv- und Anpassungsmassnahmen einleiten», so Duarte. Denn die Reaktion des Menschen auf den arktischen Klimawandel ist bisher kontraproduktiv: Man beschränkt sich weitgehend darauf, Vorteile der Eisschmelze für Transport, Schiffverkehr und Erdöl- sowie Gasgewinnung auszubeuten, weshalb Fachleute die Region bereits als neuen «Wilden Westen» bezeichnen.

(knob/pte)

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