Aspirin verschlimmerte Pandemie von 1918
publiziert: Mittwoch, 7. Okt 2009 / 14:41 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 7. Okt 2009 / 15:11 Uhr

Burlingame - Die verheerende Grippewelle von 1918 und 1919, die weltweit mindestens 25 Mio. Menschen das Leben kostete, wurde durch den Missbrauch von Aspirin wahrscheinlich noch verschlimmert.

Missbrauch von Aspirin verschlimmerte wahrscheinlich die Pandemie 1918.
Missbrauch von Aspirin verschlimmerte wahrscheinlich die Pandemie 1918.
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Zu diesem Schluss kommen US-amerikanische Mediziner in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases. Die Folgen der damals unsachgemässen und unkritischen Verwendung des Wirkstoffes sollten auch für die aktuelle Grippebehandlung Anstoss zur kritischen Selbstreflexion bieten, so die Forderung der Internistin und Forschungsleiterin Karen Starko.

Mehrere Studien konnten bereits zeigen, dass die Einnahme von Überdosen Aspirin bei der Pandemie am Ende des ersten Weltkriegs in manchen Fällen zu einer toxischen Wirkung geführt habe und gefährliche Flüssigkeiten in der Lunge entstehen liess.

Sterblichkeit verschlimmert

Dadurch hätten sich die Grippesymptome in ihrer Häufigkeit und Deutlichkeit, bakterielle Infektionen sowie die Sterblichkeit der «spanischen Grippe» nur noch verschlimmert. Zusätzlich würden laut Starko heutige Erkenntnisse über die giftige Wirkung von Aspirin mit Autopsie-Berichten von 1918 übereinstimmen. Auch hier sei dieses als Todesursache feststellbar, als Nebenfaktor zu der ohnehin zu erwartenden Wirkung der Grippeviren.

Bedeutung der Dosis nicht aus dem Auge verlieren

Starkos Analyse zufolge empfahlen viele Ärzte in der Grippewelle von 1918 den Gebrauch von Aspirin, obwohl sie weder über die Dosis noch über die pharmakologische Wirkungsweise des Wirkstoffes genau im Klaren gewesen seien. Zentrales Motiv der Mediziner sei damals gewesen, «etwas tun zu wollen», auch angesichts des grossen Drucks seitens der Angehörigen der Erkrankten und der Gesundheitsinstitutionen, die in ihrer Verzweiflung grosse Hoffnung in dieses Medikament legten. Entgegengekommen sei dies der starken Bewerbung von Seiten der Pharmaindustrie.

«Es ist wichtig, diese natürlichen Belastungsfaktoren zu verstehen und zu berücksichtigen, wenn man Behandlungsoptionen der Zukunft überlegt», so die US-Medizinerin. Die Medizin könne die Gesundheit verbessern oder auch Leben retten. Notwendig sei es jedoch nach wie vor, die Bedeutung der Dosis eines Medikaments, das Verhältnis seiner Vorteile und Risiken sowie auch die Grenzen bisheriger Erforschung nicht aus dem Auge zu verlieren.

(zel/pte)

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