Assange: Web ist «grösstes Spionagegerät der Welt»
publiziert: Donnerstag, 17. Mrz 2011 / 08:23 Uhr
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Julien Assange: «Das Internet ist keine Technologie, die die Meinungsfreiheit begünstigt»
Julien Assange: «Das Internet ist keine Technologie, die die Meinungsfreiheit begünstigt»

Cambridge - Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, hat offenbar seinen Glauben in das demokratische Potenzial des Internets verloren. In einer Rede an der Cambridge Universität zeigte er sich ungewohnt skeptisch, was die Möglichkeiten dieser Technologie betrifft, zur Verbesserung der allgemeinen Meinungsfreiheit beizutragen. Darin bezeichnete er das Web als das «grösste Spionagegerät, das die Welt jemals gesehen hat».

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Auch beklagte er sich darüber, dass die Regierungen damit völlig ungeahnte Überwachungsmöglichkeiten hätten, um Dissidenten aufzuspüren und mundtot zu machen.

«Das Internet ist keine Technologie, die die Meinungsfreiheit begünstigt», erklärte Assange laut Guardian vor hunderten versammelten Studenten bei einem seiner in letzter Zeit immer rarer gewordenen öffentlichen Auftritte. Gleiches gelte für Menschenrechte oder die Zivilgesellschaft. «Vielmehr ist es eine Technologie, die dazu benutzt werden kann, ein totalitäres Spionageregime aufzubauen, wie wir es noch nie gesehen haben», so der WikiLeaks-Chef weiter.

Naher Osten: Al Jazeera wichtiger als Facebook und Twitter

Prinzipiell könne das Netz zwar eine grössere Transparenz von Regierungen und eine bessere Koordination von Aktivisten ermöglichen. Die jüngsten politischen Ereignisse im Nahen Osten sind laut Assange jedoch nur bedingt durch das Internet und seine sozialen Erschienungsformen angefeuert worden: «Ja, Facebook und Twitter haben eine Rolle gespielt. Diese war aber bei weitem nicht so gross wie die von Al Jazeera.»

In Ägypten hätten etwa die Revolutionsanhänger sogar in ihren Handbüchern ausdrücklich dazu aufgerufen, Facebook und Twitter nicht für politische Zwecke einzusetzen. Die Gründe hierfür seien klar: «Vor drei oder vier Jahren gab es in Kairo eine kleine Facebook-Revolte. Als alles vorbei war wurde die Seite dazu benutzt, die wichtigsten Drahtzieher und Teilnehmer auszukundschaften. Sie wurden dann verprügelt, verhört und eingekerkert», schildert Assange.

Bedeutende Wikileaks-Veröffentlichungen

Der gebürtige Australier, der zuletzt vor allem durch Antisemitismus-Vorwürfe wieder für Aufsehen gesorgt hatte, kommt aber nicht umhin, die Bedeutung seiner eigenen Plattform zu unterstreichen. Diese habe mit der Veröffentlichung geheimer US-Depeschen einen wesentlichen Beitrag zu den politischen Umstürzen in Ägypten und Tunesien geleistet. «Die Wikileaks-Veröffentlichungen haben die USA zudem dazu gezwungen, ihre taktische Unterstützung für Mubarak aufzugeben», ist Assange überzeugt.

(dyn/pte)

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