Jamaicas Sprint-Erfolge bei den Olympischen Spielen in Peking lassen niemand kalt. Jubel auf Jamaica, die Sportministerin ist nach Peking gekommen. Aber auch: Dopingvorwürfe machen die Runde, Fakten dazu existieren nicht.

Nach Auffassung des Kommissions-Präsidenten gibt es zwar ein paar schwarze Schafe unter den Olympiateilnehmern. «Aber 99,9 Prozent der Athleten sind sauber», sagte Fredericks, der vier olympische Silbermedaillen und 1993 WM-Gold über 200 m gewonnen hat.
Der 40-Jährige verteidigte Bolt auch gegen die Kritik von IOC-Präsident Jacques Rogge, Bolts Jubel nach dessen zwei Olympiasiegen sei überzogen gewesen. «Es ist sein Moment», sagte Fredericks, «wir können jemandem, der 22 Jahre alt ist, nicht vorschreiben, wie er reagieren soll.»
Kaffee, Bob Marley, Reggae und Bolt
Der Jubel auf der 2,7 Millionen Einwohner zählenden Karibikinsel Jamaica ist gross. «Wir haben den besten Kaffee der Welt, wir haben Bob Marley und den Reggae, und wir haben Usain Bolt», freute sich Sportministerin Olivia Grange. Stephen Francis, Coach von Bolts Landsmann Asafa Powell, sagte: «Da ist Einstein, Isaac Newton, Beethoven und Usain Bolt.»
Doch Jamaicas Sprint-Dominanz ist nicht nur Bolt allein, die Erfolge haben System. Grange: «Wir haben ein Schulsystem, das von früher Kindheit an die körperliche Erziehung umfasst.» Und Nationalcoach Bertland Cameron, 400-m-Coach mit dem Wunsch, Bolt auf seiner Strecke zu sehen, fügte an: «Wir widmen den Kindern viel Aufmerksamkeit, wir glauben an sie. Wir versuchen, sie auf den höchsten Level zu bringen, und haben hoch qualifizierte Coaches dafür.»
Sprint als sozialer Faktor
Der soziale Faktor ist von besonderer Bedeutung, wenn es um die Begeisterung der jamaicanischen Jugend für den Sport geht. Mit ihren Erfolgen von Peking sollen die Medaillengewinner ihren jungen Landsleuten eine Perspektive geben. «Unsere Athleten werden für unsere Jugend eine Inspiration sein», erklärte Grange. «Wenn wir sie zu mehr Disziplin bringen und dazu, ihre Talente zu nutzen, dann werden wir ein besseres Jamaika haben.»
Die Verbrechensrate in Jamaika beschäftigt auch die Sportverantwortlichen des Karibik-Staates. Sie tun mit ihrer Arbeit das Möglichste, damit dieser dunkle Fleck in dem sonst fröhlichen Land heller wird. «Ich hoffe, wenn die Leute gesehen haben, was Bolt getan hat,», erläuterte Cameron, «dass sie zusammenkommen und realisieren, dass man da auch auf eine andere Art herauskommen kann.»
Hoffnung für Kinder
Der Sprint und der Sport als goldene Hoffnung für die Kinder Jamaikas, das setzt sich Ministerin Grange zum Ziel. Das bei den Spielen Erreichte will sie zum Anlass nehmen, um das schon bestehende Sportprogramm auszuweiten. «Wir haben viele Usain Bolts. Wir haben viele grossartige junge Leute», sagte die Politikerin. «Sie wollen eine Chance bekommen, und sie werden sie bekommen.»
Laut Grange hat Premier Bruce Golding zu entscheiden, ob als Gedenken an die in China errungenen Medaillen in Gold, Silber und Bronze sowie die Weltrekorde ein Feiertag in Jamaica ausgerufen wird. «Aber ich glaube, er wird es tun. Wir nützen die Gelegenheit, der Welt zu sagen, dass Jamaika ein zwar kleines, aber aussergewöhnliches Land ist.»
Jamaicanisches Sprinter-Gen
Offenbar sorgt das Protein «Actinen A» für die auffallende Schnelligkeit der Sprinter aus Jamaica. Das ist ein in den Muskelfasern angesiedeltes Protein, das für die schnelle Kontraktion von Muskelfasern verantwortlich ist. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurden in 70 Prozent der getesteten Jamaica-Athleten in den Muskeln Actinen A gefunden, bei einer australischen Gruppe waren es hingegen nur 30 Prozent.
Sollte tatsächlich die genetische Disposition für die Sprint-Erfolge der Jamaicaner mitverantwortlich sein, werden noch eine Menge Sprinter von der Karibikinsel nachrücken. Für Grange gibt aber nur das konsequente Training den Ausschlag: «Wir werden von Jahr zu Jahr besser, weil wir hart trainieren. Und je mehr wir erreichen, desto besser werden wir. Und je besser wir werden, desto mehr erreichen wir.»
(smw/Si)
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