Hoffnungen auf Erfolg
Atom-Gespräche mit Iran - Aussenminister ringen um Durchbruch
publiziert: Freitag, 8. Nov 2013 / 07:28 Uhr / aktualisiert: Freitag, 8. Nov 2013 / 20:36 Uhr
US-Aussenminister John Kerry.(Archivbild)
US-Aussenminister John Kerry.(Archivbild)

Genf - Die Aussenminister aus sechs Ländern, darunter neben Iran auch aus den USA und Russland, bemühen sich in Genf um einen Durchbruch im Atomstreit. Die Präsenz der Minister weckt Hoffnungen auf einen Erfolg in dem seit Jahren blockierten Dossier.

10 Meldungen im Zusammenhang
US-Aussenminister John Kerry dämpfte nach seiner Ankunft am Freitag Erwartungen, eine Einigung könne unmittelbar bevorstehen. «Wir hoffen, diese unterschiedlichen Ansichten zusammenzubringen. Niemand hier sollte verkennen, dass es noch eine deutliche Kluft gibt, die geschlossen werden muss», sagte Kerry.

Er traf am Abend in Genf zusammen mit der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton den iranischen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. Sarif hatte am Donnerstag gesagt, er halte eine Übereinkunft bei den Atomgesprächen für möglich.

Der britische Aussenminister William Hague, sein französischer Kollege Laurent Fabius und der amtierende deutsche Aussenminister Guido Westerwelle trafen ebenfalls in Genf ein. Ein Sprecher von Fabius in Paris sagte: «Die Verhandlungen sind vorangekommen. Vielleicht gibt es für die Minister die Chance, weitere Fortschritte zu erleichtern.»

Lawrow kommt auch

Für Samstag kündigte sich kurzfristig auch der russische Aussenminister Sergej Lawrow an. Er wolle zu den offensichtlich verlängerten Verhandlungen nach Genf reisen. Russland hoffe auf ein Ergebnis, auf das die ganze Welt warte, sagte Vizeminister Sergej Rjabkow der Staatsagentur Ria Nowosti.

Auf dem Verhandlungstisch in Genf liegt eine Übergangslösung, wie es aus Delegationskreisen hiess. Demnach soll Teheran sein Atomprogramm zunächst aussetzen. Im Gegenzug sollen einige der gegen das Land verhängten Wirtschaftssanktionen aufgeweicht oder auf ausländischen Bankkonten blockierte Gelder aus Öleinnahmen freigegeben werden.

In einem zweiten Schritt soll dann über ein umfassenderes Abkommen verhandelt werden. Dieses soll sicherstellen, dass der Iran nicht unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms an Atomwaffen arbeitet.

Die neue Regierung in Teheran will diese Sorge ausräumen. Sie fordert aber im Gegenzug die Anerkennung des Rechts auf ein ziviles Atomprogramm, einschliesslich der Urananreicherung auf bis zu fünf Prozent, sowie die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, wird am Montag zu einer neuen Runde der Atomgespräche mit dem Iran nach Teheran reisen. Amano wolle sich mit ranghohen Vertretern treffen, um dort den «Dialog und die Kooperation» zu stärken, teilte die UNO-Behörde am Freitag in Wien mit. Thema sollen auch Inspektionen von Militäranlagen sein.

Israel warnt vor «monumentalem Fehler»

In Genf verhandelt seit Donnerstag die sogenannte 5+1-Gruppe mit dem Iran - bestehend aus den fünf UNO-Vetomächten China, Grossbritannien, Frankreich, Russland und den USA sowie Deutschland. Allein die Tatsache, dass die Aussenminister der beteiligten westlichen Länder zu den Verhandlungen anreisten, zeigt Diplomaten zufolge, dass eine Einigung wahrscheinlicher sein könnte als jemals zuvor.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu versuchte bei einem zweistündigen Treffen mit Kerry am Flughafen in Tel Aviv, eine Einigung noch zu verhindern. Der Iran bekomme den «Deal des Jahrhunderts», warnte Netanjahu.

Israel werde sich an keinerlei internationale Vereinbarungen gebunden fühlen und alles Nötige zu seinem eigenen Schutz unternehmen. Schon am Vortag hatte Netanjahu seinem Ärger über ein mögliches Zwischenabkommen mit dem Iran Luft gemacht. «Ich bin völlig fassungslos. Das ist ein monumentaler Fehler», sagte er.

Der Iran werde dafür bestenfalls einige Tage auf die Anreicherung verzichten müssen. «Die Sanktionen werden aufgehoben und der Iran hat nichts gegeben», kritisierte Netanjahu die in Genf verhandelten Vorschläge.

(ig/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Teheran - Der Iran hat Gespräche mit Vertretern der 5+1-Gruppe in Wien über die ... mehr lesen 1
Die iranischen Unterhändler reagierten damit offenbar auf die Erweiterung der US-Sanktionsliste.
Die US-Regierung will die Zahl ihrer Soldaten in der Golfregion vorerst nicht reduzieren.(Archivbild)
Manama - Nach der vorläufigen Einigung mit dem Iran über die Zukunft seines Atomprogramms will die US-Regierung die Zahl ihrer Soldaten in der Golfregion vorerst nicht reduzieren. mehr lesen
US-Aussenminister John Kerry ist ... mehr lesen
US-Aussenminister John Kerry (Archivbild)
Der russische Aussenminister Sergej Lawrow traf bereits am Freitag in Genf ein. (Archivbild)
Genf - In die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm schalten sich erneut die Aussenminister der UNO-Vetomächte und Deutschlands ein. Nach Angaben der iranischen Delegation ... mehr lesen
Genf - Eine Einigung im Atomstreit mit dem Iran ist trotz Differenzen weiterhin greifbar ... mehr lesen
Die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm werden am 20. November in Genf fortgesetzt.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Irans Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif mit Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius.
Genf - Die durch rege Diplomatie in Genf genährten Hoffnungen auf eine Einigung im Atomstreit mit dem Iran sind am Samstag Ernüchterung gewichen. Ein Durchbruch galt nach Auskunft ... mehr lesen
Genf - Die Gespräche über das ... mehr lesen
Irans Chefdiplomat Mohammad Javad Sarif.(Archivbild)
Das «Fenster für die Diplomatie ist weit offen»., sagte Kerry. (Archivbild)
London - Kurz vor der Wiederaufnahme internationaler Verhandlungen über das iranische Atomprogramm hat sich US-Aussenminister John Kerry optimistisch gezeigt. Das «Fenster für die ... mehr lesen
Irans Präsident Hassan Ruhani will eine «schnelle Einigung» erzielen.
New York - Im Atomstreit mit dem Iran ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Kein Psychopath, sondern ein der Realität verpflichteter Diktator: Kim Jong-un.
Kein Psychopath, sondern ein der Realität verpflichteter ...
Achtens Asien Kim Jong-un ist ein Meister der Propaganda und (Selbst)Inszenierung. Nach vier Jahren an der Macht liess er sich nun am VII. Kongress der Koreanischen Arbeiterpartei zum Vorsitzenden krönen. mehr lesen  
Beseitigung von «Hindernissen»  Teheran - Der Iran und die EU wollen ... mehr lesen  
Brief an UNO  New York - Mehrere westliche Staaten ... mehr lesen
Die USA, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien rufen den rat auf Massnahmen zu ergreifen.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 1°C 3°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Basel 1°C 4°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
St. Gallen 0°C 1°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Bern 0°C 3°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Luzern 1°C 3°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Genf 3°C 5°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Lugano 3°C 7°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten