«Sie haben geschrien, geweint, sie hatten Angst»
Attentate hinterlassen in Brüssel ein Bild des Grauens
publiziert: Dienstag, 22. Mrz 2016 / 15:28 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 22. Mrz 2016 / 16:53 Uhr

Brüssel - Brüssel ist schockiert nach den Bombenanschlägen. Augenzeugen berichten von den schrecklichen Bildern an den beiden Tatorten.

15 Meldungen im Zusammenhang
Die beiden Explosionen kamen scheinbar aus dem Nichts. «Wir dachten zuerst, es handelt sich um irgendetwas von der Baustelle, hier wird zurzeit so viel gebaut», berichtet Anne, die am Brüsseler Flughafen Zaventem in der Gepäckabfertigung arbeitet. Doch dann seien Menschen in Panik auf sie zugerannt. «Sie haben geschrien, geweint, sie hatten Angst.»

Und dann wird klar: Attentäter haben den Flughafen der belgischen Hauptstadt angegriffen. Als sich die ersten Rauchschwaden verzogen haben, bietet sich ein Bild des Grauens. Tote liegen in Blutlachen auf dem Boden, die Gliedmassen teilweise abgerissen.

«Ein Mann rief ein paar Wörter auf Arabisch, danach habe ich eine laute Explosion gehört», berichtet Alphonse Lyoura von der Gepäckabfertigung. Zwei Minuten später habe dann die nächste Explosion den Airport erschüttert.

«Ich habe mindestens sechs oder sieben Verletzten geholfen. Wir haben auch leblose Körper fortgeschafft, es war überall die totale Panik», sagt Lyoura, der von seinem Einsatz noch blutverschmiert ist.

Vermutlich ein Selbstmordattentäter

Die Explosionen haben Betonplatten aus der Decke gerissen, die nahe der Eincheck-Schalter zu Boden stürzten. Bis zum Mittag geben die Rettungsdienste die Zahl der Toten mit elf an, von Dutzenden Verletzten ist die Rede.

Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw gibt am Vormittag eine erste Stellungnahme ab: «Es gab zwei Explosionen im Abflugbereich», sagt Van Leeuw. «Eine wurde wahrscheinlich durch einen Selbstmordattentäter verursacht.»

Dann, kurz nach 9.00 Uhr, erschüttert eine dritte Explosion die belgische Hauptstadt, getroffen diesmal die U-Bahnstation Maelbeek, nur wenige hundert Meter von den Hauptgebäuden der EU-Kommission und des EU-Rats entfernt.

Die Menschen stürzen dort aus dem Schacht ins Freie, halten sich Taschentücher auf blutende Kopfwunden, sacken auf dem Bürgersteig zusammen. Geschockte Passanten knien sich hin zu ihnen, leisten erste Hilfe. Die viel befahrene Strasse vor der Station wird gesperrt.

«Raus, so schnell wir können»

Die 33-jährige Greet berichtet, wie sie der Explosion nur knapp entging. «Ich wäre beinahe am Ort gewesen», berichtet Greet. Mit dem Zug war sie aus Aalst nach Brüssel gekommen und wollte dann zu Fuss von der Station Schuman nach Maelbeek weitergehen.

«Als wir bei Schuman ausstiegen, hat ein Bahnmitarbeiter geschrien, wir sollen raus laufen, so schnell wir könnten», berichtet Greet - und schaut fassungslos auf die Station Maelbeek.

Dort sind Kranken-, Feuerwehr- und Polizeiautos im Dauereinsatz. Nur sie dürfen noch an den Anschlagsort. TV-Kamerateams filmen über Polizisten hinweg, nehmen auf, wie Sanitäter Verletzte in Krankenwagen schieben.

Immer wieder heulen Sirenen von Einsatzfahrzeugen auf. Maskierte Polizisten stehen in kleinen Gruppen zusammen, die Gewehre im Anschlag.

«Wir haben Angst»

In den Strassen von Brüssel beugen sich die Passanten über ihre Smartphones. Vielen steht der Schock ins Gesicht geschrieben. «Fragen Sie bitte jemanden anderen», sagt ein junger Mann mit Tränen in den Augen. «Wir haben Angst», sagt ein Bauarbeiter, der am Dienstag eigentlich an der Station Schuman arbeiten sollte.

Am Morgen des 22. März ist das passiert, wovor Brüssel nach den Anschlägen von Paris am 13. November monatelang gezittert hatte. Die Attentäter von Paris hatten engste Verbindungen in die belgische Hauptstadt, im Brennpunktviertel Molenbeek waren einige der Drahtzieher zu Hause.

Seit den Pariser Anschlägen war die Terrorwarnstufe in Belgien entweder auf Maximalstärke oder auf einem Niveau darunter.

Erst am Freitag war es den belgischen Sicherheitskräften gelungen, Salam Abdeslam zu fassen, der mutmasslich eine entscheidende Rolle bei den Anschlägen von Paris spielte. Belgien und die internationale Gemeinschaft feierten dies als Erfolg. Bis zum Dienstagvormittag.

(cam/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Rund einen Monat nach den Brüsseler Anschlägen ist die U-Bahn der Stadt wieder im Normalbetrieb. Auch die Station ... mehr lesen
In der Metrostation wurde eine Gedenktafel installiert, auf der Reisende ihre Gedanken hinterlassen können. (Archivbild)
Die Taskforce «Tetra»  ermittelt ob eine Verbindung zwischen der Schweiz und den Anschlägen in Brüssel besteht.
Bern - Laut fedpol-Chefin Nicoletta della Valle ist bisher keine Verbindung zwischen den Terroranschlägen in Belgien und der ... mehr lesen 1
Brüssel - Eine für kommenden Samstag geplante anti-islamistische Demonstration im Brüsseler Problemviertel Molenbeek ist ... mehr lesen
Schepmans warnt vor Auseinandersetzungen.
Trotz Ausfällen der Flüge nach Brüssel, bietet Swiss Shuttlebusse von Frankfurt aus an.
Bern - Nach dem Anschlag am Airport Brüssel-Zaventem streicht die Fluggesellschaft Swiss bis und mit Ostermontag sämtliche Flüge ... mehr lesen
Bern - Die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen stufen die Anschläge in Brüssel als nicht unerwartet ein. Sie warnen ... mehr lesen 1
Die belgischen Behörden ernten Kritik.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Brüssel - Die belgische Polizei hat die Bevölkerung erneut um Hinweise zu den mutmasslichen Brüsseler ... mehr lesen
Brüssel - Die belgische Polizei hat eine für Durchsuchungen eingerichtete Sicherheitszone in der Brüsseler Gemeinde ... mehr lesen
Am Flughafen Zürich lief der Betrieb nach den Anschlägen vorerst normal.
Zürich/Frankfurt - Nach den Explosionen auf dem Flughafen Zaventem in Brüssel haben andere Flughäfen in europäischen Städten ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. ... mehr lesen
Brüssel - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich laut einer ihr nahestehenden Nachrichtenagentur zu den ... mehr lesen 1
Bundesrat Johann Schneider-Ammann. (Archivbild)
Bern - Bundespräsident Johann Schneider-Ammann hat nach den Anschlägen in Brüssel im Namen des Bundesrates und der ... mehr lesen
Brüssel - Terror im Herzen Europas: In Brüssel sind bei Explosionen am Flughafen und in der U-Bahn Dutzende Menschen getötet ... mehr lesen
Zürich/Frankfurt - Nach den Explosionen auf dem Flughafen Zaventem in Brüssel haben andere Flughäfen in europäischen Städten ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. ... mehr lesen
Etschmayer Faktenpolitik hat ausgedient. Wenn jetzt Unwohlfühlkandidaten wie Donald Trump und Unwohlfühlparteien wie die AfD ... mehr lesen
Flughafen Brüssel: Terror ist der Goldstandard der Angst für Terroristen und Mächtige.
Brüssel - Belgiens Hauptstadt Brüssel ist am Dienstag von Anschlägen erschüttert worden. Durch Explosionen am Flughafen ... mehr lesen 1
Brüssel - In Belgiens Hauptstadt Brüssel scheint es am Dienstagmorgen zu einer Anschlagsserie gekommen zu sein. Zwei ... mehr lesen 5
Vor weiteren Gesprächen seien Fortschritte bei der Waffenruhe und Hilfslieferungen nötig, sagte de Mistura.
Vor weiteren Gesprächen seien ...
Zusammenkunft momentan nicht möglich  Genf - Die Friedensgespräche für Syrien in Genf werden nach UNO-Angaben frühestens in einigen Wochen wieder aufgenommen werden können. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen werde keine neue Gesprächsrunde beginnen, sagte der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura. 
Syrer sollen neuen Präsidenten wählen Moskau - Im Bürgerkriegsland Syrien sollen in spätestens anderthalb Jahren unter UNO-Aufsicht ein neuer Präsident ...
Der syrische Staatschef Baschar al-Assad (links) hat Ende Februar überraschend Parlamentswahlen für den 13. April angesetzt. (Archivbild)
UNO ruft zur Sonderrunde wegen Syrien auf Genf - Die bevorstehende Runde der Syrien-Friedensgespräche soll sich laut ...
G7-Gipfel in Japan  Ise-Shima - Die G7-Staaten haben die Flüchtlingskrise als «globale Herausforderung» anerkannt und weltweites Wirtschaftswachstum als «dringende ...  
G7 wollen Konjunktur ankurbeln Ise-Shima - Kompromiss in Wirtschaftsfragen, Enttäuschung in der Flüchtlingskrise und Streit mit China. Der erste Tag des G7-Gipfels in Japan ...
G7-Staaten beraten über unsichere Lage der Weltwirtschaft Ise-Shima - Mit Beratungen über Gefahren für die Weltwirtschaft haben die Staats- und ...
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    Unglaublich... was diese angeblichen "Flüchtlinge" da abziehen. Das sind keine ... heute 12:13
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    "Flüchtlingskrise" Lösen kann man das Problem nur in den Ländern aus denen die Leute ... heute 09:33
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    Deutschland... ist eines der wenigen Länder, das sich enorm mit der Integration der ... Mi, 25.05.16 13:42
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... Di, 24.05.16 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    "Flüchtlingslager-Räumung" Gut für die Einwohner von Idomeni, die nun bald ihr Leben, ihre ... Di, 24.05.16 10:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Im letzten Moment die Kurve gekriegt! Den Oesterreichern herzlichen Glückwunsch! Unter den Rechten gehts ... Mo, 23.05.16 18:01
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    R. Erdogans... Berater Burhan Kuzu sandte bereits am 10. 5. 2016 eine Drohung gen EU, ... Mo, 23.05.16 17:21
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    In... Syrien gibt es einen Krieg im Krieg. Es herrscht in Syrien schon lange ... Mo, 23.05.16 15:16
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 14°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
St. Gallen 13°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Bern 12°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Genf 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 13°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten