Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie
Auch Affen-Freundschaften beruhen auf Vertrauen
publiziert: Donnerstag, 14. Jan 2016 / 19:24 Uhr
Schimpansen haben manche ihrer Artgenossen lieber als andere.
Schimpansen haben manche ihrer Artgenossen lieber als andere.

Leipzig/Nairobi - Sie verbringen viel Zeit miteinander oder fressen gemeinsam: Auch Schimpansen haben manche ihrer Artgenossen lieber als andere. Wie beim Menschen ist Vertrauen bei diesen Freundschaften grundlegend, berichten Forschende.

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Die Wissenschafter vom Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig liessen je zwei Schimpansen aus einer 15-köpfigen Gruppe mehrfach ein Spiel spielen. Dabei konnte Vertrauen in den Partner belohnt oder enttäuscht werden.

Einer der beiden Schimpansen konnte wählen: Er konnte entweder an einem von zwei Seilen ziehen, bei dem er unmittelbar ein paar Stückchen Banane erhielt. «Das war die sichere, aber nicht unbedingt aufregende Option», erläuterte Jan Engelmann, der die Studie mit seiner Kollegin Esther Herrmann im Journal «Current Biology» präsentiert.

Kein Vertrauen ohne Freundschaft

Die zweite, riskante Option setzt Vertrauen voraus: Zog das Tier an dem anderen Seil, bekam sein Gegenüber eine grössere Menge Äpfel und Bananen. Dieser konnte seinem Partner einen Teil davon abgeben, musste das aber nicht. Die potenziell ertragreichere Variante wählten befreundete Affen «sehr viel häufiger» als nicht befreundete Tiere, so die Forschenden.

Wer mit wem besonders gut auskam, hatten die Forscher vorher monatelang beobachtet. Die Bedingungen am Ort der Versuche, einem Refugium für verwaiste Schimpansen, seien mit der freien Wildbahn vergleichbar, sagte Engelmann.

Soziale Ader?

Mit der Studie sei gezeigt, dass Schimpansen gezielt bestimmten Artgenossen vertrauten, so die Forscher. Sie schliessen aber auch nicht völlig aus, dass eine sozialere Ader gegenüber Freunden die Entscheidungen mit beeinflusst.

Merkmale, die heute menschlichen Freundschaften zugeschrieben würden, besässen eine lange evolutionäre Geschichte. Sie seien damit nicht dem Menschen allein vorbehalten. Ob sich Affen-Freunde auch eher gegenseitig helfen, wollen Engelmann und Herrmann künftig untersuchen.

Schimpansen zählen zu den engsten lebenden Verwandten des Menschen. Frühere Studien haben bereits weitere Parallelen zum Menschen gezeigt: Schimpansen haben oft Artengenossen als Freunde, die ihnen in Verhalten und Persönlichkeit ähneln.

Kritik am Institut

Die Kritik an den Tierversuchen in dem Tübinger Institut hatten Anfang des Jahres 2015 zu einer Durchsuchung durch Ermittlungsbehörden geführt. In einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft hiess es damals, es gäbe einen Anfangsverdacht zu Verstössen gegen das Tierschutzgesetz. Ergebnisse der Ermittlungen sind bislang nicht bekannt.

Zuvor hatte ein heimlich gedrehtes Video, das in der RTL-Sendung Stern-TV, veröffentlich wurde, für Aufsehen gesorgt. Darin zu sehen waren teils blutverschmierte Tiere, die mit Implantaten im Kopf in ihren Käfigen sassen. Die Max-Planck-Gesellschaft hatte die Aufnahmen als "inszeniert" bezeichnet und die Kritik zurückgewiesen.



Das Institut für biologische Kybernetik der Max-Planck-Gesellschaft will keine Versuche mehr an Affen machen. Stattdessen soll nur noch mit Nagetieren gearbeitet werden. Gründe nannte der Leiter des Instituts nicht.

(cam/sda)

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