«Auf dem Weg zum Bayern-Modell»
publiziert: Montag, 7. Jul 2008 / 09:01 Uhr

Die Wahl verheisst nur Gutes: Ein Ehemaliger, der sich im Sport auskennt und auch das betriebswirtschaftliche Wissen hat. Interview mit dem neuen Swiss-Ski-Präsidenten Urs Lehmann

Urs Lehmann, neuer Präsident von Swissski: «Das Hauptziel des Verbandes ist immer das gleiche: Medaillen und Siege.»
Urs Lehmann, neuer Präsident von Swissski: «Das Hauptziel des Verbandes ist immer das gleiche: Medaillen und Siege.»
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Ihre Wahl ist ein Glücksfall: Ein Ehemaliger, der sich im Sport auskennt und auch über das betriebswirtschaftliche Knowhow verfügt -- das weckt hohe Erwartungen.

Urs Lehmann: «Die Erwartungshaltung ist hoch, das ist so, das spüre ich auch. Das war schon vor zwei Jahren bei meiner Wahl ins Präsidium nicht anders. Rückblickend bin ich der Meinung, diese Erwartungen in den letzten zwei Jahren erfüllt zu haben.»

«Wir konnten ´als Gesamtes´ recht viel bewirken, woran ich massgeblich mitbeteiligt war. Deshalb glaube ich, dass das in meiner vierjährigen Amtszeit so weitergehen wird. Den Erwartungsdruck betrachte ich auch als Ehre.»

Wo liegt zurzeit der grösste Handlungsbedarf?

«Im finanziellen Bereich. Das Hauptziel des Verbandes ist, verdichtet dargestellt, immer das gleiche: Medaillen und Siege. Voraussetzung dazu sind die finanziellen Mittel, sei es durch Kostenoptimierung oder zusätzliche Einnahmen, damit wir den acht Sparten die nötige Infrastruktur bieten können. Deshalb brauchen wir in den nächsten zwei Jahren anderthalb bis zwei Millionen Franken mehr. Sonst kommen wir sportlich nicht weiter.»

Wie wollen sie das Geld hereinholen, nachdem das Sponsoring-Potenzial angeblich ausgereizt ist?

«Ich teile diese Meinung nicht ganz. Da haben Direktor Hansruedi Laich und ich ein bisschen eine unterschiedliche Optik. Kürzlich besprachen wir dieses Thema im Präsidium. Im klassischen Sponsoring befinden wir uns auf einem guten, sogar sehr guten Niveau mit einem Etat von gut 28 Millionen Franken.»

«Aber wir wollen noch besser werden und müssen das auch, mit kreativem Denken und neuen Ansätzen. Deshalb haben wir mit Stefan Brütsch auch einen neuen Marketing-Mann geholt, der seine Sache sehr gut macht. ´skijumping.ch´, das jährlich 150´000 Franken bringt, oder die Grütter-Stiftung, die schon Hundertausende und gar Millionen von Franken gegeben hat, das sind Mäzenaten-Ansätze, die wir sauber ´büscheln´ müssen.»

Sie gelten als Macher. Solche Leute stellen zuweilen das persönliche Engagement über das Teamwork.

«Das ist schwierig zu definieren. Wenn ich überzeugt bin, dass das, was von meiner Seite kommt, das Richtige ist und andere Ansichten falsch sind, dann vertrete ich meine Meinung mit Vehemenz. Aber es ist nicht so, dass ich mich über das Team hinwegsetze.»

«Nehmen wir gerade das Beispiel mit den WM-Kandidaturen. Ich setzte mich nicht über das Team beziehungsweise über das Präsidium hinweg, auch wenn ich persönlich massiv enttäuscht und traurig bin, was da abgegangen ist (Lehmann hätte gerne eine Wahlempfehlung für St. Moritz abgegeben, die Red.).»

In der Vergangenheit war das Präsidium stark operativ tätig, obwohl es gemäss Organigramm für strategische Entscheide zuständig wäre. Wie ist die künftige Marschrichtung?

«Worum geht es am Ende des Tages beim Skiverband? Dass man schnellstmöglich vorwärts kommt! Ich sage ganz klar: Mich interessiert die Abgrenzung strategisch oder operativ überhaupt nicht. Im Zentrum steht, so schnell wie möglich so weit wie möglich zu kommen.»

«Und wenns halt so ist, dass Leute aus dem Präsidium über das spezifische Wissen verfügen, dann sollen die das vorantreiben. Wir wollen die besten Leute an Bord, und der, der am besten drauskommt, solls machen. Punkt.»

Von einem Präsidenten sind diplomatische Qualitäten verlangt. Sie sind vom Charakter her eher ein ´Mann des klaren Wortes´. Werden sie sich künftig zurücknehmen?

«Das werde ich müssen und das wird mir schwer fallen. Aber ich habs auch schon gemacht und damit bewiesen, dass ich zurückstecken kann. Ich hole mir aber oft Zweit- und Drittmeinungen bei kompetenten Leuten ein, um mein Urteil zu hinterfragen.»

Im Gegensatz zu ihren Vorgängern Edi Engelberger und Duri Bezzola verfügen sie (noch) nicht über ein politisches Netzwerk. Ein Handicap?

«Diese Verbindungen habe ich nicht, das ist so. Doch den, der über alle Komponenten verfügt, gibt es schlichtweg nicht. Nicht ich, sondern das Präsidium und die Delegiertenversammlung haben nun so entschieden, dass der Fokus weniger auf das Politische als auf das Sportliche und Betriebswirtschaftliche gerichtet wird.»

«Als Beispiel nenne ich Pirmin Zurbriggen, der nun ebenfalls ins Präsidium kommt. Ich habe mit Duri Bezzola und mit andern Vertretern aus dem Nationalrat schon diskutiert, wie das politische Netzwerk, auch zum BASPO oder zu Swiss Olympic, anders aufgegleist wird. Aber die Politik bleibt wichtig für uns.»

Vor zwei Jahren ist, ebenfalls im Zusammenhang mit Pirmin Zurbriggen, der Ausdruck «Bayern-Modell» gefallen, ein beispielhaftes Kompetenz-Zentrum mit hochkarätigen Ehemaligen wie Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness. Gehts nun in diese Richtung?

«Ja, absolut. Wir befinden uns auf einem guten Weg dorthin. Dieser Weg hat viele Facetten und birgt auch gewisse Risiken. Das Bayern-München-Modell ist für mich eine Erfolgsgeschichte, über Jahre und Jahrzehnte hinweg.»

Mit ihnen und Pirmin Zurbriggen besteht ein alpines Übergewicht. Wie setzen sie die Prioritäten?

«Mein Auftrag ist, mich um alle acht Sparten zu kümmern. Das ist auch ein Versprechen von mir. Diese acht Sparten werden aufgrund ihres Wertes und ihrer Priorisierung, die der Skiverband schon früher vorgenommen hat, so behandelt, damit die Athleten erfolgreich sein können.»

Sie übten Manager-Funktionen aus bei Athleten, waren Skikommentator bei Eurosport. Gehen diese Tätigkeiten weiter?

«Sicher nicht in der Art und Weise wie bisher. Man muss das differenziert sehen: Auf der einen Seite holte ich mir mit diesen Tätigkeiten Knowhow in allen Facetten. Auf der andern Seite ist dies nunmehr politisch brisant. Deshalb werde ich diese sauber abgrenzen und in den nächsten Monaten definieren, wo was machbar ist. Das ist auch eine Frage der zeitlichen Resourcen.»

Neue Präsidenten oder Direktoren proklamieren gerne ihre Vision, dass das Wintersportland Schweiz wieder die Nummer 1 wird.

«Solche Aussagen hat man von mir noch nie gehört und wird sie auch nicht hören. Was heisst überhaupt Nummer 1? Ist das im Biathlon oder nur bei den Alpinen? Wir haben acht Sparten, ich könnte das gar nicht spezifizieren. Ich habe e i n e klare Zielsetzung: Wir wollen besser werden.»

Wo steht Swiss-Ski nach ihrer ersten Amtszeit in vier Jahren?

«Das wäre wieder eine Pauschalaussage. In welcher Hinsicht?»

Sportlich, finanziell, vom Image her?

«Wir werden mehr Medaillen und Siege erringen als bisher. Nicht nur bei den Alpinen, auch bei den jungen Langläufern. Das sind Riesen-Talente mit Riesen-Potenzial. Auch im Biathlon ist einiges abgegangen, dagegen werden wir im Snowboard vielleicht etwas schwierigere Zeiten durchlaufen. Wir werden über mehr Finanzen verfügen als jetzt -- und die Bevölkerung wird noch mehr Freude an uns haben als sie jetzt schon hat.»

(Richard Hegglin, Saas Fee/Si)

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