Personalmangel
Auf dünnem Eis
publiziert: Freitag, 12. Dez 2014 / 08:00 Uhr
Nach Sotschi ist Swiss Sliding im Bob von einer Flut von Rücktritten erfasst worden. Davon betroffen waren alle Ebenen.
Nach Sotschi ist Swiss Sliding im Bob von einer Flut von Rücktritten erfasst worden. Davon betroffen waren alle Ebenen.

Vor zehn Monaten feierte Beat Hefti mit dem Gewinn von Olympia-Silber seinen wichtigsten Erfolg als Bob-Pilot. Heute Freitag startet er in Lake Placid (USA) in seine nächste Saison. Aus Personalmangel fährt er nur noch Zweier-Rennen.

Jubel und Erleichterung waren gross bei Swiss Sliding, als Beat Hefti und Anschieber Alex Baumann an den Winterspielen in Sotschi ihre Medaillen errungen hatten. Nach dem Olympia-Debakel von Vancouver war dieser Coup des «Appenzeller Express» von existenzieller Bedeutung. Wer nun denkt, dass dieses Silber die Probleme des Schweizer Bobsports gelöst hat, liegt aber falsch. Es sind noch längst nicht alle Baustellen verschwunden - obwohl der angeschlagene Verband kürzlich vermelden konnte, dass er nach fast fünfjähriger Suche wieder ein Hauptsponsor (Sika) gefunden hat.

Nach Sotschi ist Swiss Sliding im Bob von einer Flut von Rücktritten erfasst worden. Davon betroffen waren alle Ebenen. Leistungssport-Chef Szepessy trat ab. Nationaltrainer Alard kündigte nach Differenzen mit Geschäftsführer Götschi. Aus dem elfköpfigen Olympia-Kader der Athleten haben sich gleich sechs Leute fürs Aufhören entschieden. Auch Gregor Baumann, die nominelle Nummer 3 unter den Piloten, wollte nicht mehr. Und die Top-Mechaniker Hansueli und Fabio Schiess folgten dem Lockruf aus Südkorea, wo 2018 die nächsten Winterspiele stattfinden. Ivo Rüegg, Sportchef im Teilpensum, ging unfreiwillig. Für ihn war nach einer Budget-Debatte kein Platz mehr.

Keine Energieverschwendung

Die Rücktritte wurden nur bedingt aufgefangen. Bei den Athleten konnten etliche Lücken nicht geschlossen werden. Swiss Sliding büsst für Versäumnisse in der Nachwuchs-Förderung. Und die Frage, wer Sportler akquirieren soll, ist unzureichend geregelt. Die Anreize für Neueinsteiger sind gering. Die Equipe von Aushängeschild Beat Hefti ist im Zuge dessen auf zwei Mitglieder geschrumpft. Alex Baumann hat seinem Team-Chef die Treue gehalten. Weil der personelle Nachschub ausgeblieben ist, beschränkt sich Hefti zumindest vorläufig auf Einsätze in seiner Parade-Disziplin Zweier.

Der 36-Jährige sagt: «Bevor wir unnötig Energie und Geld im Vierer verpuffen und doch nicht auf Top-Resultate kommen, mobilisieren wir gescheiter alle Kräfte für den kleinen Schlitten.» Mit dem Zweier hat Hefti, der offenbar seine Achillessehnen-Probleme fürs Erste überwunden hat, Grosses vor. Die nächsten zwei Weltmeisterschaften in Winterberg (De) und Igls (Ö) werden auf Bahnen ausgetragen, die ihm liegen. Als Steuermann fehlt ihm WM-Gold im Palmarès.

Rico Peter mit einziger Schweizer Vierer-Mannschaft

Eine Schweizer Vierer-Mannschaft von Weltcup-Format stellt derzeit bloss Rico Peter. Um eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen zu können, musste der Aargauer aber einen Ausländer verpflichten. Für sämtliche internationalen Titelkämpfe ausser Olympische Spiele steht ihm fortan der Holländer Bror van der Zijde zur Verfügung. Peter hat sich zum Ziel gesetzt, regelmässig in die Top 6 vorzustossen. Als Bestergebnis im Weltcup kann er einen 5. Rang vorweisen.

Im Vierer dürften nach einer Reglements-Änderung neu auch Frauen aufgestellt werden. Für die Schweiz ist dies jedoch kein Thema; nach den Rücktritten von Europameisterin Fabienne Meyer und Caroline Spahni sucht man zum Weltcup-Auftakt vergeblich nach einer Pilotin. Immerhin zeichnet sich ab, dass Edith Burkard in der zweiten Saison-Hälfte die Frauen-Rennen in St. Moritz und La Plagne (Fr) bestreiten kann.

Als Nationaltrainer versucht sich als nächster Wolfgang Stampfer. Der 42-jährige Tiroler soll sein früheres Know-how an den Lenkseilen und seine Material-Fachkenntnisse weitervermitteln. Erfahrungen als Coach hat er im italienischen Verband gesammelt. Eine seiner Hauptaufgaben wird sein, den Draht zu finden zum eigenwilligen Beat Hefti. Stampfer sagt: «Ich kenne Beat schon lange. Ich denke, man muss ihm die Freiheiten lassen, die er benötigt. Es braucht solche Athleten, die kompromisslos den Erfolg anstreben und den Killer-Instinkt haben.»

Subkow weg, Deutsche heiss

Die Schweizer Erfolgs-Aussichten werden sicher auch davon abhängig sein, ob man von Verletzungen verschont bleibt. Zu dünn ist das Eis, auf dem man sich bewegt. Aus der Gegnerschaft nicht mehr zu fürchten haben die Schweizer den Russen Alexander Subkow. Der Doppel-Olympiasieger von Sotschi hat die Karriere beendet.

Verstärkter Widerstand droht aus Deutschland. Die Bob-Abteilung des BSD möchte sich mit der Unterstützung eines neuen Hauptsponsors für die Olympia-Schlappe von Sotschi (erste medaillenlose Winterspiele seit 1964) rehabilitieren. An den Ende Februar beginnenden Heim-Weltmeisterschaften wollen die Deutschen abräumen.

(flok/Si)

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    Beat Hefti und Alexander Baumann ... ... halte ich die Daumen und wünsche Ihnen Beiden viel Glück im Kampf ... So, 16.02.14 22:54
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