Aufgesetztes Lächeln macht unproduktiv
publiziert: Donnerstag, 24. Feb 2011 / 22:45 Uhr / aktualisiert: Samstag, 26. Feb 2011 / 15:50 Uhr
Ein falsches oder ein echtes Lächeln?
Ein falsches oder ein echtes Lächeln?

East Lansing/Hagen/Hamburg - Wer seinen Chef glücklich machen will, schenkt seinen Kunden ein Lächeln. Wer selbst glücklich und produktiv bleiben will, lächelt aber besser nur dann, wenn ihm danach ist. Das raten Forscher der Michigan State University im «Academy of Management Journal».

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Vorgetäuschtes Lächeln verschlechtert die eigene Stimmung, schafft Distanz zur Tätigkeit, mindert durch emotionale Erschöpfung die Arbeitsleistung und sorgt sogar für mehr Fehlzeiten, so das Ergebnis ihrer Untersuchung. «Nicht immer trifft es zu, dass ein ständiges Lächeln der Mitarbeiter dem Unternehmen automatisch nützt», betont Studienleiter Brent Scott.

Lächeln um des Lächelns Willen

Zwei Wochen lang beobachteten die Forscher Buslenker und ihren Gefühlsausdruck. Zwei Versionen des Lächelns wurden dabei genauer untersucht - dessen aufgesetzte Form, sowie den Versuch, sich selbst bei Stimmungstiefs zu positiven Gefühlen zu zwingen und erst in Folge zu lächeln. Diese zweite Methode – «Tiefenhandeln» genannt - erwies sich als besser. Denn die Busfahrer, die sich durch Zweckoptimismus und schöne Gedanken zu einem Lächeln durchrangen, hoben damit ihre eigene Stimmung und erkrankten im Schnitt weniger oft. Bei Frauen zeigten sich diese Zusammenhänge noch deutlicher als bei Männern.

Kampf zwischen Fassade und Innenleben

Lächeln und Höflichkeit auch wider Willen ist fixer Bestandteil vieler Berufe, vor allem im Dienstleistungsbereich. Diese «Emotionsarbeiter», wie sie der Hagener Personalführungsspezialist Jürgen Weibler nennt, haben besonders zu kämpfen, wenn Kunden hohe Ansprüche stellen oder aber völlig desinteressiert an der eigenen Person sind. «Schwer wird es etwa, wenn Kunden mit ihrem Auftreten die eigene Integrität verletzen – oder wenn der Chef nach einer Schelte ein Lächeln erwidert haben will, obwohl man innerlich kocht», so Weibler gegenüber pressetext. Die Spannung zwischen wahrem Selbst und vorgeschriebener Fassade kostet viel Energie.

Das Tiefenhandeln, also die Suche nach positiven Gedanken wie etwa schöne Urlaubserlebnisse, kann diese Spannung etwas abbauen und auch das Lächeln erleichtern. Für Weibler muss für dieses Vorgehen die Verfassung stimmen. Andernfalls scheitere es, da Menschen hochsensibel für die Authentizität von Gestik und Mimik sind. Langfristig sei diese Strategie jedoch auch für den Betreffenden fragwürdig. «Man kann sich durchaus in eine Sache hineinleben, sie mit Vehemenz vertreten und sich und andere davon überzeugen. Bereichert diese Erfahrung jedoch nicht, bleibt sie auf den Moment beschränkt, was auf Dauer Probleme nicht löst.» Auch die US-Forscher sprechen von der Gefahr der «Selbstentfremdung».

Nicht jedermanns Sache

Was soll man bei Lächelproblemen also tun? «Sich Auszeiten und Pausen gönnen, mit Kollegen austauschen und schwierige Kunden möglichst abgeben», rät Daniela Raststetter, Organisationsforscherin von der Uni Hamburg auf pressetext-Anfrage. Weibler betont, dass die Fähigkeit, sich stets offenherzig und freundlicher zu geben, auch von der Persönlichkeit abhängt. Schon vor der Berufswahl sollte man sich daher selbst ausreichend reflektieren. «Wer diese Hürde im Beruf nicht schafft, sollte einen Jobwechsel überlegen. Die Kundschaft und der interner Umgangston sind anderswo vielleicht viel angenehmer», so der Experte.

Eine Schlüsselrolle haben auch die Vorgesetzten. Diese sollten laut Weibler nur selbst Vorgelebtes einfordern, sind dabei aber darauf beschränkt, was dem Mitarbeiter entspricht. «Ideal ist ein Arbeitsklima, in dem man belastende Gefühle zur Sprache bringen kann, worauf der Vorgesetzte konstruktiv eingehen sollte. Teils gilt es den Problemauslöser zu beeinflussen, teils bieten die Rahmenbedingungen kleine Spielräume wie etwa Zeitpläne, Aufgabenverteilung oder Regenerations- und Rückzugsmöglichkeiten.» Nütze alles nichts, müsse man Mitarbeiter aus Gründen der Fürsorge aus der Schusslinie nehmen – denn ebenso wie die Berufsrolle habe auch der persönliche Wandel seine Grenzen.

 

(dyn/sda)

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