Auftakt zum Prozess gegen Kammerdiener des Papstes
publiziert: Samstag, 29. Sep 2012 / 11:56 Uhr / aktualisiert: Samstag, 29. Sep 2012 / 16:04 Uhr
Ein persönlicher Diener von Papst Benedikt XVI. soll vertrauliche Dokumente aus der päpstlichen Wohnung gestohlen haben.
Ein persönlicher Diener von Papst Benedikt XVI. soll vertrauliche Dokumente aus der päpstlichen Wohnung gestohlen haben.

Rom - In der sogenannten Vatileaks-Affäre hat am Samstag der Prozess gegen Paolo Gabriele begonnen, den früheren Kammerdiener von Papst Benedikt XVI. Der 46-jährige Gabriele muss sich wegen schweren Diebstahls aus den innersten Gemächern des katholischen Kirchenoberhaupts verantworten.

Sie suchen Beratung, Sie brauchen Unterstützung. Sie setzen auf Erfolg und verlangen rasch messbare Resultate.
MENZI & PARTNER
Blaufahnenstrasse 14
8001 Zürich
7 Meldungen im Zusammenhang
Er steht im Mittelpunkt der sogenannten Vatileaks-Affäre um die Weitergabe hunderter interner Dokumente aus dem Vatikan an italienische Medien.

Zum Prozess, der in einem vatikanischen Gerichtssaal aus dem 19. Jahrhundert in unmittelbarer Nähe der Peterskirche stattfindet, liess der Vatikan in einem für den Kirchenstaat bisher beispiellosen Schritt acht Journalisten als Beobachter zu - Filmaufnahmen von dem Verfahren wurden allerdings verboten. Die Gegend, in der sich der Gerichtssaal befindet, ist für Besucher des Vatikans strikt abgeriegelt.

Im Verlauf des ersten Prozesstags wurde entschieden, den päpstlichen Privatsekretär Georg Gänswein, als Zeugen zu vernehmen. Der Deutsche Gänswein war der direkte Vorgesetzte Gabrieles. Ein Antrag von Gabrieles Verteidigung, das Gericht für unzuständig zu erklären, wurde abgelehnt. Am Dienstag soll Gabriele, der in einem hellgrauen Anzug vor Gericht erschien und blass wirkte, selbst angehört werden.

Dem verheirateten Vater dreier Kinder wird vorgeworfen, über Monate hinweg vertrauliche Dokumente kopiert und unter dem Decknamen «Maria» dem Journalisten Gianluigi Nuzzi zugespielt zu haben. Gabriele wurde im Mai festgenommen, sass mehrere Wochen im Gefängnis und steht nun unter Hausarrest. Ihm drohen bis zu vier Jahre Haft, sollte er nicht von Benedikt XVI. begnadigt werden.

«Mittler» des Heiligen Geistes

Den Ermittlern in der Affäre sagte Gabriele, der seit dem Jahr 2006 unmittelbar für den Papst gearbeitet hatte und stets als ergebener Diener Benedikts XVI. galt, er habe die gestohlenen Papiere weitergegeben, um gegen «das Böse und Korruption» vorzugehen. Er bezeichnete sich dabei selbst als «Mittler» des Heiligen Geistes. Gabriele ist einer der 594 Staatsangehörigen des Vatikans.

Im kürzlich auch auf Deutsch erschienenen und von Nuzzi verfassten Buch «Seine Heiligkeit» geht es vor allem um Macht und Geld. Unter anderem nimmt das Werk die wegen Vorwürfen der Geldwäscherei immer wieder in der Kritik stehende Vatikanbank ins Visier. Deren früherer Chef Ettore Gotti Tedeschi wurde im Mai entlassen.

In einem anonym geführten Interview mit Nuzzi hatte Gabriele im Februar gesagt, es gebe «etwa 20» Gleichgesinnte im Vatikan. Den Vatikan bezeichnete er darin als «Königreich der Heuchelei». Zudem sagte Gabriele, er sei sich der möglichen Konsequenzen seiner Taten bewusst, sei das damit verbundene Risiko aber um der Sache willen eingegangen. Nach der Festnahme von Gabriele im Mai tauchten weitere interne Dokumente des Vatikans in der Öffentlichkeit auf.

Weiteres Verfahren

Angeklagt ist in der Affäre auch der Informatiker Claudio Sciarpelletti, bei dem Dokumente Gabrieles gefunden wurden. Am Samstag erschien Sciarpelletti nicht persönlich im Gerichtssaal, sondern wurde von einem Anwalt vertreten. Das Gericht trennte seinen Prozess dann von dem Verfahren Gabrieles. Ein neuer Termin für Sciarpelletti wurde zunächst nicht bekannt.

(asu/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rom - Kurz vor Weihnachten hat Papst Benedikt XVI. seinen ehemaligen Kammerdiener Paolo Gabriele begnadigt. Das Oberhaupt ... mehr lesen
Italienische Medien hatten in den vergangenen Wochen wiederholt über die Absicht des Papstes berichtet. (Archivbild)
In Gabrieles Fall liess Papst Benedikt XVI. bereits eine Begnadigung in Aussicht stellen.
Vatikanstadt - In der sogenannten Vatileaks-Affäre um die Weitergabe ... mehr lesen
Vatikanstadt - Einen Monat nach der Verurteilung des päpstlichen Kammerdieners wegen des Diebstahls von Dokumenten hat im ... mehr lesen
Geheime Dokumente vom Schreibtisch des Papstes waren über den Kammerdiener in die Öffentlichkeit gelangt. (Symbolbild)
Rom - Im Prozess um die Enthüllungsaffäre «Vatileaks» drohen dem früheren Kammerdiener des Papstes bis zu vier Jahre Haft. Paolo Gabriele werde schwerer Diebstahl vorgeworfen, sagte Giovanni Giacobbe, Jurist am vatikanischen Berufungsgericht, am Donnerstag in Rom. Vier Jahre seien nach vatikanischem Recht dafür die Höchststrafe. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Vatikanstadt - Im Enthüllungsskandal des Vatikans hat sich Papst Benedikt XVI. am Mittwoch erstmals selbst geäussert. ... mehr lesen
Papst weist Medienberichte über Enthüllungsskandal zurück.
Vatikanstadt - Papst Benedikt XVI. hat nach Angaben aus seinem Umfeld «betrübt und geschockt» auf die neuesten Enthüllungen in der Affäre um die Weitergabe vertraulicher Vatikan-Dokumente an die Medien reagiert. mehr lesen 
Alles was Recht ist! Gesellschaftsgründungen, Rechtsberatung, Prozessführung etc.
Sie suchen Beratung, Sie brauchen Unterstützung. Sie setzen auf Erfolg und verlangen rasch messbare Resultate.
MENZI & PARTNER
Blaufahnenstrasse 14
8001 Zürich
Russland wird immer wieder wegen brutaler Übergriffe im zweiten Tschetschenienkrieg verurteilt.
Russland wird immer wieder wegen brutaler ...
Menschenrechte  Strassburg - Russland muss den Angehörigen verschwundener Tschetschenen insgesamt mehr als eine Million Euro Entschädigung zahlen. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in zwei Urteilen entschieden. 
Frankreich startet neue Anti-Terror-Operation in Afrika Paris - Eineinhalb Jahre nach dem Beginn des Militäreinsatzes gegen islamistische Rebellen in ...
Rund 1000 der 3000 Soldaten der «Operation Barkhane» sollen deshalb vorerst in Mali stationiert bleiben.
Die Initiative von Gregor Rutz fand im Parlament keine Zustimmung.
Völkerrecht und Verfassung  Bern - Der Nationalrat will nichts wissen von den Vorschlägen der SVP, das Verhältnis ...  
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Titel Forum Teaser
Thomas Peter ist Professor für Atmosphärische Chemie an der ETH Zürich.
ETH-Zukunftsblog Zum Zustand der Ozonschicht Alle vier Jahre untersuchen hunderte Wissenschaftler unter der ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 14°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 12°C 21°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
St.Gallen 15°C 22°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 15°C 24°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 15°C 24°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 16°C 24°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 17°C 20°C bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten