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publiziert: Mittwoch, 25. Jul 2012 / 21:02 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 26. Jul 2012 / 10:22 Uhr
Schuldiger an Finanzkrise als Grossbanken? Griechischer Olivenbauer.
Schuldiger an Finanzkrise als Grossbanken? Griechischer Olivenbauer.

Einst wanderten die Menschen Europas in die neue Welt aus, weil sie in ihren jeweiligen Herkunftsländern religiös und politisch verfolgt wurden, oder sich eine wirtschaftlich bessere Zukunft erhofften. Amerika - allein schon der Name verhiess die grenzenlose Freiheit in den endlosen Weiten des Westens, war Versprechen und Hoffnung zugleich. Nichts schien unmöglich in diesem Land, sofern man nur hart genug bereit war zu arbeiten.

4 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Glass-Steagall Act
Bezeichnung für zwei Bundesgesetze der Vereinigten Staaten. Namensgeber dieser ...
de.wikipedia.org

Finanztransaktionssteuer
Steuer auf börsliche und außerbörsliche Finanztransaktionen. Sie gehört zu den ...
de.wikipedia.org

Europa hingegen, gefangen in seiner jahrhundertealten Geschichte von Kriegen, Zwist und Unfreiheit, schien ein Auslaufmodell zu sein, unmodern und ewig gestrig.

Heute, im Jahr 2012, sind die scheinbar endlosen amerikanischen Weiten ein von Dürre bedrohtes Niemandsland, in dem die fundamentalistischen religiösen Rechten ihren Nährboden haben und der ganzen Welt ihre Heilsbotschaften bringen wollen.

Gott liebt die wirtschaftlich Erfolgreichen! Dieses ins monströse gesteigerte Quasiglaubensbekenntnis des Protestantismus ist die Grundlage für den Turbokapitalismus à l' America, der die Welt gerade an den Rand des Abgrundes zu bringen scheint.

Wie Schafe folgten die Rechten (leider auch etliche Linke) in Europa dem Hirten USA, geblendet von den Gewinnmöglichkeiten des entfesselten Finanzmarktes. Störende Elemente wie der Glass-Steagall Act aus den 30er Jahren, der die Trennung von Investmentbanken und Geschäftsbanken erzwungen hatte, wurden in den letzten 30 Jahren weggefegt.

Wie ein Unkraut aus einem anderen Land importierte Europa in den letzten Jahrzehnten das amerikanische Finanzsystem, das nun die Gesellschaften Europas zersetzt. So konnten die Amerikaner nach der Finanzkrise 2008 einen guten Teil Ihrer gewaltigen Probleme auf die Europäer abwälzen, die ängstlich mithalfen, das amerikanische Bankensystem (und auch das eigene) vor dem Kollaps zu bewahren. Die Gewinne vor 2008 wurden privatisiert, die Verluste nach 2008 hingegen global sozialisiert.

Doch so langsam regt sich der Widerstand in good old Europe.

Mehr und mehr erkennen die wie aus einem Dornröschenschlaf erwachenden Bürger, wem sie da ihr mühsam erarbeitetes Steuergeld in den Rachen werfen. Selbst den Liberalen, denen man ja traditionell nicht gerade Wirtschaftsfeindlichkeit vorwerfen kann, begreifen, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Die Occupy-Bewegung mag in den Augen vieler wie ein lächerlicher Haufen Idealisten aussehen, ist aber in Wahrheit nur die sichtbare Spitze des Unmuts-Eisberges, der in den Gesellschaften immer grösser wird. Und da die Bürger Europas ein durchaus vitales Demokratieempfinden haben, sehen sich die Politiker immer mehr zum Handeln gezwungen. Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer oder die Erhöhung der Eigenkapitalquote der Banken sind beispielsweise längst überfällige Massnahmen.

Den Strategen an der Wallstreet sind allerdings die eigenständigen europäischen Bemühungen um eine Veränderung des Bankensektors ein Dorn im Auge.

Denn je mehr sich Europa politisch und wirtschaftlich emanzipiert, desto nervöser reagiert die Noch-Supermacht USA darauf. Das einzige demokratische, soziale und menschengerechte Konkurrenzmodell namens Europa soll nun endgültig ausgemerzt werden. Statt Bomben schicken die Finanz-Warlords ihre Rating-Agenturen. Denn die Macht dieser Agenturen ist mittlerweile direkt bei der Wahlurne angelangt, wie der Sieg der bürgerlichen Parteien über das Linksbündnis in Griechenland zeigt. Da wird wirtschaftliche Angst geschürt, um die Wähler nicht zu den kapitalismuskritischen Linken zu treiben. Wird bewusst ein Keil ins Fleisch von Europa getrieben, um weiterhin ungestört Geschäfte machen zu können.

Der europäische Gedanke, von einer blossen Utopie zur politischen Realität geworden, ist aber viel zu gross und zu wichtig, um ihn auf dem Altar der amerikanischen Interessen zu opfern. Wir, die vermeintlich alte Welt, haben die Chance, etwas Neues zu schaffen, jenseits der Interessen der Wall Street und des Pentagons.

Aber solange wir immer noch glauben, der griechische Olivenbauer habe mehr schuld an der europäischen Misere als die Banken, solange wird es nichts werden mit einem vereinten Europa, das in der Zukunft eine wichtige Rolle in der Welt einnehmen kann.

(Regula Stämpfli/news.ch)

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... und vor allem die unfähige Politik
Warum, liebe Frau Stämpfli, erwähnen Sie die Politiker nicht, welche unfähig sind, das Problem zu lösen. Diese Kaste denkt vor allem an die nächsten Wahlen, die Politik im Interesse des Volks ist bloss ein Nebenprodukt. Auch in Griechenland waren es nicht die Olivenbauer, sondern die (vor allem linke) Politiker, welche den Staatsapparat aufgebauscht hatten, um gewählt zu werden. Wer hat denn gemauschelt, um in die EU und die EWU aufgenommen zu werden? Etwa die Olivenbauer?

Politiker sind in erster Linie Narzissten und auf eigene Vorteile bedacht. Wie schon gesagt, geschieht alles, was sie tun, im Hinblick auf ihre Wiederwahl. Neulich konnte man lesen, dass ein beachtlicher Teil des Parlaments keinen eigentlichen Beruf mehr hat und bei einer Abwahl vor dem Nichts steht bzw. vom Staat eine Abgangsentschädigung erhält (http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/abgewaehlt-1.13078519). Warum denn z.B. dauerte es über 4 Jahre, bis die Abzocker-Initiative die Hürde des Parlaments überwinden konnte? Zum Glück ist Thomas Minder standhaft geblieben, sonst wäre dieses jahrelange Trauerspiel ein waschechter Leerlauf geblieben.
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