Aus Scham gehen viele erst spät zum Sozialamt
publiziert: Montag, 1. Okt 2012 / 12:38 Uhr
Je länger die Leute warteten, desto mehr Probleme und Schulden könnten sich anhäufen. (Symbolbild)
Je länger die Leute warteten, desto mehr Probleme und Schulden könnten sich anhäufen. (Symbolbild)

Bern - Jeder zweite Sozialhilfe-Empfänger schämt sich stark oder sehr stark, aufs Sozialamt zu gehen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Berner Fachhochschule Soziale Arbeit (BFH). Die Menschen wollen zudem nicht nur Geld, sondern auch Beratung zur Bewältigung ihrer Probleme.

Plan ist ein unabhängiges Hilfswerk, das sich weltweit für benachteiligte Kinder und deren Familien stark macht.
4 Meldungen im Zusammenhang
Vielen Menschen in finanziellen Notlagen fällt es äusserst schwer, zum Sozialamt zu gehen. «Die Nichtbezugsquote, also der Anteil der Haushalte, die Anspruch auf Sozialhilfe hätten, sie aber nicht beziehen, liegt laut Studien bei 40 bis 80 Prozent», sagt Studienautorin Rosmarie Ruder von der BFH der Nachrichtenagentur sda.

Worin die Hürden liegen, Hilfe zu suchen, haben Ruder und Kollegen nun erstmals für die Schweiz untersucht. Sie haben 356 Personen telefonisch befragt, die in fünf Sozialdiensten in den Kantonen Bern, Zürich, Luzern und Graubünden einen Antrag auf Sozialhilfe gestellt hatten.

Drei Viertel der Befragten bekunden demnach Mühe, sich beim Sozialdienst zu melden. Nachdem sie sich der finanziellen Notlage bewusst geworden sind, vergehen im Schnitt fast 100 Tage bis zur Kontaktaufnahme, manchmal sogar ein Jahr. Die Betroffenen versuchen zu sparen, am häufigsten bei Lebensmitteln und Anschaffungen, aber auch bei den Gesundheitsausgaben.

«Dies muss bedenklich stimmen, belegen doch verschiedene Studien, dass gesundheitliche Probleme bei Sozialhilfebezügern weit verbreitet sind», schreibt die BFH. Je länger die Leute warteten, desto mehr Probleme und Schulden könnten sich anhäufen, und der Beratungs- und Betreuungsaufwand erhöhe sich.

«Unterste Schublade»

Wichtigster Grund für das lange Zögern ist Scham, wie die Befragung aufzeigt. Insgesamt 22 Prozent der Befragten schämten sich sehr stark und 29 Prozent stark, aufs Sozialamt zu gehen. Sie hatten den Aussagen «Es ist besser, wenn andere Leute nichts davon wissen», «Ich schäme mich, vom Geld vom Sozialamt abhängig zu sein» und «Es ist mir unangenehm, aufs Sozialamt zu gehen» stark bis sehr stark zugestimmt.

Ein Befragter gab im Interview an, zu befürchten, er werde wegen des Sozialhilfebezugs «in die unterste Schublade» gesteckt. Die Scham war in ländlichen Gebieten stärker als in den Grossstädten.

Melden sich die Betroffenen schliesslich beim Sozialdienst, erhoffen sie sich nicht nur Geld vom Sozialamt, sondern auch Beratung. «Sie wollen eine umfassende Lösung der Probleme, die zum Geldmangel geführt haben», sagte Ruder. Gerade diese Hilfe könnten Sozialämter indes unter Zeit- und Personalmangel oft nicht genügend leisten.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Zahl der Menschen, die die Sozialhilfe brauchen, um finanziell über die Runden zu kommen, ist im Jahr 2011 erneut ... mehr lesen 2
Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Sozialhilfebeziehenden um 2,2 Prozent an.
Neu ist die Zunahme von Sozialfällen bei Personen, die erst Mitte 40 sind und keine Jobs mehr finden.
Bern - Die Wirtschafts- und Währungskrise geht auch an der Schweiz nicht spurlos ... mehr lesen 3
Bern - Zwei von drei jungen Menschen, die Sozialhilfe beziehen, haben keine fertige Ausbildung. Um ihnen den Weg zum ... mehr lesen 1
Die jungen Sozialhilfebezüger sollen während der Lehrzeit begleitet werden.
Kein Geld: Mehr Sozialhilfeempfänger in vielen Städten.
Bern - 2010 haben mehr Städter Sozialhilfe bezogen als in den Vorjahren - allerdings viel weniger als vor der Krise befürchtet. ... mehr lesen 3
Da...
man als unbescholtener CH-Bürger in der Regel ohnehin keine Hilfe erhält, auch wenn man Opfer schwer krimineller Straften wurde und deshalb kein Einkommen mehr hat, erübrigt sich der Gang auf das Sozialamt ohnehin.
Gemeinnützige internationale Hilfsorganisation
Plan ist ein unabhängiges Hilfswerk, das sich weltweit für benachteiligte Kinder und deren Familien stark macht.
Vor wenigen Tagen wurden die letzten Christen aus Mossul vertrieben.
Vor wenigen Tagen wurden die letzten ...
Demonstration  Zürich - Aus Protest gegen die Vertreibung von Christen aus der nordirakischen Stadt Mossul durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) sind am Samstagnachmittag in Zürich etwa 500 Personen auf die Strasse gegangen. Organisiert hatte die Kundgebung auf dem Helvetiaplatz die Jugendgruppe der «European Syriac Union» (ESU Youth). 
Vertreibung von Christen im Irak scharf verurteilt Dschidda - Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) hat die Vertreibung der Christen ...
Die Rebellen verlangten unter anderem in Mossul, dass sämtliche Christen die Stadt verlassen. (Symbolbild)
In Mossul leben offenbar keine Christen mehr Mossul - Nach ihrer Flucht vor der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) leben ...
Christen fliehen nach Ultimatum der Dschihadisten aus Mossul Mossul - Nach einem Ultimatum der Dschihadisten sind die ...
Nach Aktion für Initiative «Bedingungsloses Grundeinkommen»  Bern - In einer viel beachteten Aktion kippte die Gruppierung «Generation Grundeinkommen» letzten ...  
«Die Fünfräppler sind wir bereits wieder am Einrollen», sagte Daniel Häni vom Initiativkomitee für ein bedingungsloses Grundeinkommen am Freitag gegenüber Radio SRF.
Andrej Kiska tut vieles für den guten Zweck.
Zum Wohle von Bedürftigen  Bratislava - Das neue slowakische Staatsoberhaupt, Andrej Kiska, hat seinen ersten Monatslohn wie angekündigt zu gleichen Teilen an zehn ...  
Titel Forum Teaser
  • EdmondDantes1 aus Zürich 6
    moderne Naturwissenschaften - die 2 Seiten der Medaille Die Naturwissenschaft der vergangenen Jahrhunderte hat zweifellos ... Sa, 26.07.14 06:44
  • EdmondDantes1 aus Zürich 6
    Danke für die Einladung... Nett dass Sie sich gemeldet haben Herr Kyriacou. Keinschaf’s Analogie ... Fr, 25.07.14 04:52
  • keinschaf aus Wladiwostok 2501
    Warum nur dort? Warum müssen denn diese "Fachleute" ihre "Evidenzen" und vor allem die ... Di, 22.07.14 23:32
  • akyri aus Zürich 11
    Ans Denkfest kommen, EdmondDantes1 Sie fragen nach Fakten zur Evolution? Kommen Sie ans Denkfest und ... Di, 22.07.14 22:43
  • EdmondDantes1 aus Zürich 6
    Antwort an Buffy Hallo Buffy Da scheine ich mit meinem Kommentar „Die ... Do, 17.07.14 02:12
  • Buffy aus Frankfurt 2
    Kommentar - Edit Mein Kommentar bezog sich natürlich auf den Beitrag von EdmontDantes1. ... Mo, 14.07.14 18:00
  • Buffy aus Frankfurt 2
    KREATIONISTEN-ALARM Ich hoffe, dieser fehlleitende Beitrag wird zügig gelöscht. Er ... Mo, 14.07.14 17:54
  • EdmondDantes1 aus Zürich 6
    Die Evolutions-Religion Sie schreiben in der Einleitung zum Artikel den Satz "Die Richtigkeit ... Mo, 07.07.14 19:30
Andrea Frangi ist Professor für Baustatik und Konstruktion (Holzbau) an der ETH Zürich.
ETH-Zukunftsblog Neue Wege im nachhaltigen Holzbau Am ETH-Standort Hönggerberg entsteht derzeit das House of ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 14°C 19°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Basel 12°C 18°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
St.Gallen 16°C 21°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Bern 15°C 23°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Luzern 15°C 24°C leicht bewölkt, Gewitter, starker Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Genf 15°C 22°C bewölkt, Gewitter, wenig Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen bedeckt, Regen
Lugano 17°C 24°C bewölkt, starker Regen bewölkt, starker Regen bewölkt, starker Regen bewölkt, starker Regen bewölkt, starker Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten