Aus blauen Kartoffeln werden «Blue Chips»
publiziert: Dienstag, 29. Jan 2008 / 08:54 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 29. Jan 2008 / 09:21 Uhr

Flawil SG - Aus Neugierde hat der Flawiler Agronom Christoph Gämperli in seinem Hausgarten blaue Kartoffeln gezüchtet. 12 Jahre später stehen die «Blauen St. Galler» als «Blue Chips» im Pommes-Chips-Regal eines Grossverteilers.

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Am Anfang war es pure Neugierde: Chistoph Gämperli wusste, dass bisher bekannte blaue Kartoffelsorten beim Frittieren unansehnlich braun werden. Dies wollte er ändern. Die blaue Farbe sollte der hohen Hitze in der Fritteuse Stand halten.

Gämperli, der als Berater für Ackerbau im Landwirtschaftlichen Zentrum in Flawil arbeitet und als Präsident der St. Galler Saatzuchtgenossenschaft amtet, startete Versuche in seinem Hausgarten. Er kreuzte «Blaue Schweden» mit den hellen «Prättigau» und wartete, bis die Kartoffelstauden Früchte trugen.

Test in der Friteuse

Diese tomatenähnlichen «Beeren» sind hochgiftig. «Weil die Europäer zuerst die Beeren statt die Knollen assen, haftete der Kartoffel ein so schlechter Ruf an, dass es 200 Jahre dauerte, bis die Kartoffeln endlich den Weg in Europas Küchen fanden», erzählt Gämperli.

Die Samen aus den Früchten pflanzte der Forscher in Töpfe. Im ersten Jahr wuchsen Mini-Kartoffelstauden mit winzigen Knöllchen. Jede Pflanze aus einem Kartoffelsamen stellt bereits eine eigene Sorte dar. Die Knöllchen pflanzte Gämperle im folgenden Jahr erneut. Es wuchsen Kartoffelstauden in normaler Grösse mit wenigen Knollen.

Nun hatte Gämperli erstmals «Material», das er zu Hause in der Fritteuse testete. Blieb die Kartoffel nicht blau, wanderte gleich die ganze Pflanze auf den Kompost. «Die rigorose Auswahl fiel mir nicht leicht», erzählt Gämperli. Nach vier Jahren fand er eine Sorte, die in Farbe und Form überzeugt, genügend Ertrag verspricht und resistent gegen Krankheiten ist.

Sortenschutz

Die Bemerkung eines Kollegen hatte Gämperli in der Idee bestärkt, die neue Sorte schützen zu lassen. Dazu muss der Züchter den Nachweis erbringen, dass die Sorte neu ist und homogen. «Homogen heisst, es muss aus jeder Knolle dieselbe Pflanze entstehen», erklärt der Fachmann.

Weil solche Untersuchungen in der Schweiz nicht gemacht werden, schickte Gämperli 400 Knollen zum Test nach Holland. Jahre später bekam er grünes Licht aus dem Labor und konnte die neue Kartoffelsorte unter dem Namen «Blaue St. Galler» beim Bundesamt für geistiges Eigentum eintragen lassen.

Eintrag in Sortenliste

Auf dem Weg zum Markt mussten die «Blauen St. Galler» eine weitere Hürde nehmen und Tests bestehen. Denn eine neue Sorte darf in der Schweiz erst verkauft werden, wenn sie anerkannt ist und auf der Sortenliste steht.

Gämperlis Neuzüchtung wurde in der eidgenössischen Forschungsanstalt auf Herz und Nieren geprüft. Schliesslich entschied das Bundesamt für Landwirtschaft, die «Blauen St. Galler» auf die Sortenliste zu nehmen.

«Blue Chips»

Bis aus der neuen blauen Kartoffelsorte eine marktfähige Kartoffel wurde, dauerte es aber weitere Jahre. Gämperli wusste, dass die Lebensmittelindustrie immer offen ist für Neues. Er suchte ein Nischenprodukt für die Saatzuchtgenossenschaft. Gämperli schickte Proben an die beiden Schweizer Grossproduzenten von Kartoffelchips. Die Bischofszeller Nahrungsmittel AG (Bina) biss an. Sie produziert eine neue Edel-Linie Pommes-Chips, welche die Migros unter dem Namen «Blue Chips» verkauft.

Angesichts der Zahlen ist die Produktion von «Blauen St. Gallern» tatsächlich nur eine Nische. Zwei Dutzend Bauern - die Hälfte in St. Gallen, der Rest in der ganzen Schweiz - produzieren die neuen Kartoffeln. Pro Jahr wachsen rund 200 Tonnen «Blaue St. Galler» in der Schweiz. Im selben Zeitraum werden im Inland 400 000 Tonnen Speisekartoffeln produziert.

Blaue Knödel für Bauern

Die «Blauen» aus der Schweiz haben auch international Interesse geweckt, nachdem Gämperli zweifarbige Pommes-Chips aus seinen Kartoffeln auf der «Europotato» ausgestellt hatte.

Jedes Land hat eigene Ideen. Während die Bayern blau-weisse Knödel machen wollen, konzentrieren sich die Dänen und Schweden auf den blauen Farbstoff Anthocyan. Dieser könnte dereinst als natürlicher Farbstoff für Lebensmittel genutzt werden, hofft Gämperli.

(von Silvia Minder/sda)

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