Nicht tatsächliche Verhältnisse
Ausmass der Ebola-Epidemie «deutlich unterschätzt»
publiziert: Freitag, 15. Aug 2014 / 07:19 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Aug 2014 / 17:31 Uhr
Man rechnet damit, dass sich die Epidemie in den kommenden Wochen weiter ausbreitet. (Symbolbild)
Man rechnet damit, dass sich die Epidemie in den kommenden Wochen weiter ausbreitet. (Symbolbild)

Genf - Die Ebola-Epidemie in Westafrika könnte weit schlimmer sein als bisher angenommen. Mitarbeiter hätten in den betroffenen Gebieten Hinweise dafür gefunden, dass das wahre Ausmass deutlich über den bekannten Zahlen liege, erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

7 Meldungen im Zusammenhang
Offiziell wurden bislang mehr als 1000 Tote und fast 2000 Infizierte gemeldet. Stirbt ein Afrikaner in einem abgelegenen Dorf oder versteckt von seiner Familie an Ebola, taucht er in der offiziellen Statistik nicht als Opfer auf. Die Zahl solcher Fälle dürfte hoch sein, vermutet die WHO.

Von dem Ausbruch sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone vielfach sehr abgelegene Gebiete betroffen, in denen es kein effizientes Meldesystem gibt. Zudem stehen viele Menschen den Ärzten skeptisch gegenüber und vertrauen lieber traditionellen Heilern.

Oft werden erkrankte Angehörige in den Häusern versteckt, um sie vor einem Transport zu Quarantänestationen zu bewahren - auch sie tauchen nicht in den offiziellen Listen auf.

Krankenschwester gestorben

In Nigeria starb eine weitere Ebola-Patientin an den Folgen der Krankheit. Damit sind in dem bevölkerungsreichsten afrikanischen Land mittlerweile vier Menschen dem Ausbruch zum Opfer gefallen. Bei der Toten handle es sich um eine Krankenschwester, zitierte die Zeitung "Vanguard" am Freitag das Gesundheitsministerium.

Es wird erwogen, das experimentelle Ebola-Mittel "NanoSilver" einzusetzen, das von einem nigerianischen Wissenschaftler entwickelt wurde. Die WHO hatte die Seuche vor einer Woche zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt und einem Einsatz bislang unerprobter Medikamente in den am schlimmsten betroffenen Staaten zugestimmt. Derzeit stünden in Nigeria 169 Menschen wegen Ebola-Verdachts unter Beobachtung, 163 in Lagos und 6 in Enugu, hiess es weiter.

Die Lage verschlimmert sich weiter

In Liberia bezeichnete die Notfall-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen, Lindis Hurum, die Situation in der Hauptstadt Monrovia als "katastrophal". Es gebe Berichte, dass sich in den vergangenen Wochen mindestens 40 Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen mit Ebola ansteckten. Die meisten Spitäler der Stadt seien geschlossen, und es werde gemeldet, dass auf den Strassen und in Häusern Leichen liegen.

Dem Land droht zudem eine Lebensmittelknappheit. Das Nachbarland Elfenbeinküste hat den Schiffsverkehr aus betroffenen Ländern durch seine Gewässer verboten.

Auch der Luftverkehr nimmt immer weiter ab. Um eine Ausbreitung von Ebola in den überfüllten Gefängnissen zu verhindern, ordnete das Justizministerium Liberias an, mehr als 100 Gefangene aus der Untersuchungshaft zu entlassen, denen kleinere Vergehen vorgeworfen wurden.

Preise von Grundnahrungsmitteln gestiegen

Auch in Sierra Leone verschlimmert sich die Lage weiter. Da Menschen unter Ebola-Verdacht ihre Häuser 21 Tage nicht verlassen dürften, könnten sie weder ihre Felder bestellen noch einkaufen, teilte die Welthungerhilfe mit.

"Im Land sind die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis bereits um bis zu 40 Prozent gestiegen." Die USA forderten Angehörige von Mitarbeitern der US-Botschaft im Land auf, wegen der Ebola-Epidemie das Land zu verlassen. Es mangle an medizinischer Versorgung, teilte das US-Aussenministerium mit.

Sportler gesperrt

Das Internationale Olympische Komitee sperrte drei Sportler aus Westafrika für bestimmte Wettkämpfe bei den Olympischen Jugendspielen, die am Samstag in der chinesischen Stadt Nanjing beginnen.

Betroffen seien Kampfsportarten und Veranstaltungen in Schwimmbecken, erklärte das IOC. Die westafrikanischen Athleten anderer Sportarten können am Anlass teilnehmen.

(awe/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Berlin - Westafrikanische Länder ... mehr lesen
Der Verdacht bei der Berliner Patientin, die in die Charité eingeliefert wurde, konnte nicht bestätigt werden.
Monrovia - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Ebola-Epidemie eine gemeinsame Taskforce mit der weltweiten Luftfahrt- und Tourismusindustrie gebildet. Ziel ... mehr lesen
Abuja/Genf - In Nigeria flüchten ... mehr lesen
«Am schlimmsten ist es auf der Quarantänestation, viele sind einfach weggelaufen, nachdem der Tod der Krankenschwester bekanntgeworden ist.» (Symbolbild)
Drei junge Athleten aus Westafrika dürfen nicht an die Olympischen Jugendspiele nach China. (Symbolbild)
Genf - Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat für drei junge Athleten aus dieser Region eine Sperre für die Olympischen Jugendspiele in China zur Folge. Dies beschloss das ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Kano - In Nigeria hat es nach ... mehr lesen
Conakry - Der erste durch die in ... mehr lesen
Bislang gibt es weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gegen die Krankheit.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Bürostuhl mit oder ohne Rollen?
Bürostuhl mit oder ohne Rollen?
Publinews Um richtig arbeiten, lernen und sich auf Prüfungen vorbereiten zu können, ist der passende Arbeitsplatz notwendig. mehr lesen  
Publinews Coronavirus in der Luft nachweisen  Dübendorf, St. Gallen und Thun - Einem Team von Forschern der Empa, der ETH Zürich und des Universitätsspitals ... mehr lesen  
Ein neuer optischer Sensor könnte verwendet werden, um Konzentrationen des Virus an stark frequentierten Orten zu messen.
Nicht nur im medizinischen Bereich finden CBD Produkte Akzeptanz.
Publinews Nahrungsergänzungsmittel erfreuen sich seit Jahren hoher Beliebtheit bei den Deutschen. Der Trend, Nahrungsmittelergänzungsmittel zu verwenden, stammt aus den ... mehr lesen  
Publinews    Wenn man von optimaler Begleitung von Schulkindern spricht, denken wohl die wenigsten Menschen an einen Schulthek. Der ... mehr lesen  
Einschulung.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 7°C 9°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Basel 8°C 10°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 6°C 7°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Bern 6°C 9°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Luzern 8°C 9°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
Genf 7°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
Lugano 11°C 18°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten