Prozess in Palma de Mallorca
Aussage der spanischen Infantin
publiziert: Donnerstag, 3. Mrz 2016 / 22:49 Uhr / aktualisiert: Freitag, 4. Mrz 2016 / 00:53 Uhr

Palma de Mallorca - Im Korruptionsprozess gegen Ehemann Iñaki Urdangarín hat die spanische Infantin Cristina vor Gericht ausgesagt. Die als Komplizin angeklagte Schwester von König Felipe VI. nahm im Gericht in Palma de Mallorca Platz und sagte, sie werde nur ihrem Anwalt antworten.

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Der 50-jährigen Cristina wird Beihilfe zum Steuerbetrug in der Korruptionsaffäre ihres Mannes vorgeworfen. «Ich beantworte nur die Fragen meines Anwalts», sagte Cristina am Donnerstagabend. Anschliessend hörte sie sich schweigend und mit ernster Mine die Fragen der Anwältin der Nebenklage an. Diese zielten darauf, der Infantin Mitwisserschaft über die Geschäfte ihres Mannes nachzuweisen.

Urdangarín wird verdächtigt, von seinen Kontakten zur Königsfamilie profitiert zu haben. Dem früheren Profi-Handballspieler und seinem ehemaligen Geschäftspartner Diego Torres wird zur Last gelegt, über ihre gemeinnützige Nóos-Stiftung rund sechs Millionen Euro aus der Staatskasse veruntreut und das Geld anschliessend in der Firma Aizoon gewaschen zu haben.

Infantin Cristina war bis 2006 Mitglied im Direktorium der Stiftung, das ihr Ehemann bis 2006 leitete. Ausserdem gehörte dem Paar zu gleichen Teilen das Unternehmen Aizoon, das in Gerichtsdokumenten als «Tarnfirma» bezeichnet wird.

Nebenklägerin im Prozess ist die Anti-Korruptionsorganisation Manos Limpias. Insgesamt sind in dem Prozess 17 Menschen angeklagt mit Urdangarín als dem Hauptangeklagten.

Die Manos-Limpias-Anwältin Virginia López Negrete fragte Cristina: «Kennen Sie den Unterschied zwischen persönlichen und anderen Ausgaben?» Sie verwies auf die gute Ausbildung der Infantin in Rechts- und Steuerfragen. Cristina antwortete erst später an ihren Anwalt gerichtet.

Geschäft nie hinterfragt

Zur Gründung von Aizoon sagte sie, ihr Mann habe dies vorgeschlagen und sie habe es akzeptiert. «Mein Mann hat Aizoon gegründet, um seine beruflichen Einkünfte zu kanalisieren.» Auf die Frage ihres Anwalts, wie vielen Menschen sie vertraut habe, sagte sie: «Natürlich meinem Mann.» Cristina hatte von Anfang an argumentiert, dass sie ihrem Mann voll vertraut habe und seine Geschäfte daher nicht hinterfragt habe.

Urdangarín hatte zuvor ausgesagt, der Königspalast habe die umstrittenen Projekte der Nóos-Stiftung gekannt. Er habe den damaligen König Juan Carlos und den persönlichen Sekretär der Königstöchter Cristina und Elena, Carlos García Revenga, informiert.

Es ist das erste Mal, dass sich ein Mitglied der spanischen Königsfamilie vor Gericht verantworten muss. Cristina drohen bis zu acht Jahre Haft, ihrem Mann droht eine Gefängnisstrafe von mehr als 19 Jahren.

Die Affäre hat das Ansehen des spanischen Königshauses schwer erschüttert. Seit der Aufdeckung des Skandals spielen Cristina und ihr Mann keine öffentliche Rolle mehr. Der Krönung Felipes 2014 blieben beide fern.

(bert/sda)

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