Ausstellung über Verdingkinder in Bern
publiziert: Mittwoch, 25. Mrz 2009 / 23:13 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 25. Mrz 2009 / 23:30 Uhr

Bern - Im Berner Käfigturm ist ab Donnerstag die Ausstellung «Enfances volées - Verdingkinder reden» zu sehen. Sie geht ab Sommer auf eine Schweizer Tournee und will ein trauriges Kapitel der Schweizer Geschichte vor dem Vergessen bewahren.

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Ab morgen im Käfigturm: «Enfances volées - Verdingkinder reden».
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Verdingkinder sind Kinder, die fremdplatziert wurden und in ihrer neuen Familie für Kost und Logis arbeiten mussten. Fremdplatziert wurden sie, weil sie Halb- oder Vollweisen waren, die Eltern unverheiratet oder arm waren, wie Michael Fritsche vom Politforum des Bundes bei der Ausstellungspräsentation sagte.

«Es gab auch Verdingkinder, die es gut hatten», erklärte vor den Medien in Bern Jacqueline Häusler vom Verein Geraubte Kindheit, der die zweisprachige Ausstellung organisiert hat. Die allermeisten Kinder hatten es aber schwer oder sehr schwer.

300 Interviews

Das zeigen Ausschnitte aus 300 Interviews, die zwischen 2003 und 2007 im Rahmen von Forschungsprojekten in der Deutschschweiz und der Romandie mit fremdplatzierten Kinder geführt wurden. Sie stehen im Zentrum der Ausstellung im Berner Käfigturm.

So berichtet etwa ein Franz, wie er in Huttwil fast wie auf einem Sklavenmarkt den Bauern angeboten wurde und - schmächtig, wie er war - ihn zuerst niemand wollte. Beim Bauern, der ihn dann doch aufnahm, kam er schliesslich in einer Besenkammer unter und erhielt sein Essen immer nur auf der Kellertreppe.

Vormundschaftsrecht auf neusten Stand

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf sagte bei der Eröffnungsfeier in der Berner Heiliggeistkirche, Pflegekinder seien auch heute noch eine Herausforderung für den Gesetzgeber. Zentral müsse sein, dass immer das Kindeswohl im Vordergrund stehe. Es gelte, jeweils den Einzelfall anzuschauen.

Das Vormundschaftsrecht sei heute auf dem neusten Stand, die Pflegekinderverordnung hingegen weise etliche Mängel auf. Der Bundesrat werde noch in diesem Jahr Vorschläge für eine Totalrevision vorlegen.

(tri/sda)

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