Kurzgeschichte
Authentische Erlebnisse in Vietnam
publiziert: Montag, 12. Mai 2008 / 16:31 Uhr

Die geführte Gruppenreise entspricht nicht Johns Erwartungen: Anstatt des versprochenen «authentischen Vietnam-Erlebnis abseits der Touristenpfade» wird man in schrottreifen Bussen von Pagode zu Pagode, von Kriegsdenkmal zu Kriegsdenkmal und vor allem von Souvenirshop zu Souvenirshop gekarrt.

Diesmal: John auf der Suche nach authentischen Erlebnissen in Vietnam
Diesmal: John auf der Suche nach authentischen Erlebnissen in Vietnam
Überall trifft Johns Reisegruppe auf vorgefertigte Pseudo-Erlebnisse, jeder Witz des Reiseleiters ist ebenso vorgeplant wie der Halt in «traditionellen» Restaurants (Speisekarte auf Englisch, Französisch und Deutsch) und die Kontakte mit Einheimischen beschränken sich auf das Abwehren von aufdringlichen Ramsch-Verkäufern.

Das einzig Authentische sind Johns Reisegenossen: Fünf Rentner aus Neuenbaum bei Düsseldorf mit Rheumadecken auf den Knien und Drang zum Dauer-Meckern. (Sie stehen in einem nicht unerheblichen Kontrast zu Johns Idealvorstellung von fünf aufgeschlossenen Schwedinnen mit Massage-Ausbildung).

Nach drei Tagen hat John genug. Er beschliesst, das Land auf eigene Faust zu entdecken. Seine erste Etappe führt in nach Nanh Tien. Im Bus dorthin ist er der einzige Ausländer und wird verstohlen gemustert. Bald kommt er mit einem netten Mädchen ins Gespräch. Sie heisst Anh und spricht erstaunlich gut Englisch. Auch sie muss in Nanh Tien aussteigen und lädt ihn spontan zu sich nach Hause ein.

Dort ist Anhs ganze Familie versammelt: Ihre vier Geschwister, die Eltern und auch die Grossmutter wohnen alle unter einem Dach. Man unterhält sich auf Englisch und Französisch, so dass Johns vor der Reise angeeignete Vietnamesischkenntnisse gar nicht notwendig sind.

John wird mit Rind, Gemüse, Nudeln, köstlichen Mangos aus dem familieneigenen Garten, Kokosnussflan und einer grossen Menge Reiswein bewirtet. Es wird ein lustiger Abend auf der Terrasse des Hauses, schnell findet man Gemeinsamkeiten und lacht über kulturelle Unterschiede. Als man zu vorgerückter Stunde schlafen geht, räumt Anh wie selbstverständlich ihr Bett für John und legt sich selbst auf eine dünne Matte am Boden.

John bleibt noch ein paar Minuten wach, schaut dem träge rotierenden Ventilator zu und freut sich über sein erstes authentisches Erlebnis in Vietnam.

Am nächsten Morgen, kurz bevor John aufbricht, nimmt Anh ihn beiseite und schildert ihm - ihr ist es sichtlich unangenehm - die finanziellen Probleme ihrer Familie; die Hauptgründe seien die schlechte Reiseernte wegen Überschwemmungen, die steigenden Benzinpreise und die teuren Schul- und Studiengebühren in Vietnam.

John ist kein Unmensch und steckt ihr diskret 50 Dollar zu. Kurz danach schultert er seinen Rucksack und verabschiedet sich herzlich. Anh winkt ihm zu und sagt zu ihrer Mutter (so viel Vietnamesisch versteht John): «Endlich wieder einmal ein Schweizer. Die lassen mehr springen als die Australier, Deutschen und Kanadier.»

John hat nicht viel Zeit seine emotionalen Wunden zu lecken, denn nach wenigen Minuten Fussmarsch signalisiert ihm sein Darm (war der Kokosnussflan wirklich frisch?) ein extrem dringendes Bedürfnis. Und so kauert John für die nächsten zwei Stunden hinter einem spärlich belaubten Busch und kommt doch noch zu seinem ersten wirklich authentischen Erlebnis in Vietnam.

(von André Bähler/studisurf.ch)

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