Elektromobilität in Städten «extrem sinnvoll»
Autoabgase weit tödlicher als Verkehrsunfälle
publiziert: Mittwoch, 18. Apr 2012 / 14:35 Uhr
Autos stossen ihre Abgase dort aus, wo die Menschen leben. (Symbolbild)
Autos stossen ihre Abgase dort aus, wo die Menschen leben. (Symbolbild)

Cambridge/Basel - Mindestens doppelt so viele Menschen sterben jährlich aufgrund von Luftverschmutzung aus dem Verkehr wie durch Verkehrsunfälle.

7 Meldungen im Zusammenhang
Das berichten US-Forscher vom Massachusetts Institute of Technology in der Zeitschrift «Environmental Science and Technology». Laut ihren Schätzungen sterben pro Jahr mindestens 5000 Engländer rund zehn Jahre vor ihrer natürlichen Lebenserwartung in Folge von Abgasen aus Autos, 2000 durch Flugzeugabgase. Die Zahl von 1850 jährlichen Strassentoten im Inselreich liegt deutlich darunter.

Risiko steigt mit Partikeldichte

Bisherige Hochrechnungen aus der Schweiz, Österreich und Frankreich zeigen dieselben Ergebnisse, bestätigt der Sozial- und Präventivmediziner Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut gegenüber pressetext. Verkehrsabgase betreffen nicht nur die Lunge, sondern führen auch zu systemischen Wirkungen und Entzündungsreaktionen in Gefässen bis hin zur veränderten Blutzusammensetzung. Neueste Ergebnisse bringen ultrafeine Partikel sogar mit der Hirnentwicklung und Diabetes in Zusammenhang.

Ein weiteren Hinweis liefern Forscher der Harvard School of Medicine in der Zeitschrift «Plos One»: Wer langfristig Verkehrsabgasen ausgesetzt ist, hat in späteren Lebensjahren ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krankheiten: Für jede zehn Mikrogramm Verschmutzungspartikel pro Kubikmeter Luft steigt das Risiko einer späteren Spitalaufnahme wegen Diabetes um sechs Prozent, aufgrund von Lungenentzündung um vier Prozent, aufgrund von Herzleiden um drei Prozent, so die Studienautoren um Joel Schwartz.

Fortschritt durch Katalysator

Doch es gilt auch das Umgekehrte, wie Künzli gegenüber pressetext betont: In Ländern, die Katalysatoren und Feinstaubfilter verpflichtend eingeführt haben, stellten sich in der Folge auch gesundheitliche Fortschritte ein. So verlangsamt eine verbesserte Luftqualität etwa die Alterung der Lungenfunktion, wie auch in der irischen Hauptstadt Dublin ein Verbot für Kohleheizungen schlagartig die Mortalität sinken liess. Da die meisten Folgeerkrankungen jedoch nicht akut sind, zeigen sich Verbesserungen der Luftqualität in der Regel erst längerfristig in der Gesundheit.

Trotz einzelnen Verbesserungen bleibt der Verkehr eine der wichtigsten Quellen für Luftverschmutzungen, besonders da die Ausstösse dort freigesetzt werden, wo die Menschen leben. Allein schon aus gesundheitlicher Perspektive sind deshalb Autos ohne Verbrennungsmotor in dicht besiedelten Stadtgebieten «extrem sinnvoll», betont Künzli.

(bert/pte)

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