Autopsie soll Aufschluss über Pantanis Tod geben
publiziert: Sonntag, 15. Feb 2004 / 10:20 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 15. Feb 2004 / 13:09 Uhr

Marco Pantani ist am Samstagabend im Appartement eines Hotels in Rimini tot aufgefunden worden. Über die Todesursache des Radprofis, der seit Jahren an Depressionen litt, soll eine Autopsie Aufschluss geben, die am Montag vorgenommen wird.

Marco Pantani wurde nach den Dopingvorwürfen immer depressiver.
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Pantani hatte das Hotelappartement unweit seines Wohnortes Cesenatico am 9. Februar bezogen und seine Unterkunft nur noch für das Frühstück verlassen. Die anderen Mahlzeiten hatte sich der Italiener, der am 13. Januar seinen 34. Geburtstag gefeiert hatte, auf sein Zimmer bringen lassen. Nach der Entdeckung des leblosen Körpers des Italieners wurden in der Unterkunft auch Medikamente, aber keine Drogen gefunden.

Im letzten Sommer hatte sich Pantani zur Behandlung seiner Depressionen für zehn Tage in eine Klinik in Teolo bei Padua begeben. Danach zog sich "il pirata" immer mehr zurück. Zu Beginn des Winters wurde von 20 kg Übergewicht des einstigen Kletterers berichtet. Im Januar tauchten Gerüchte auf, Pantani bereite ein erneutes Comeback vor und habe sich bis auf 8 kg seinem Formgewicht angenähert. Der Italiener war nicht der einzige Radprofi, dem Depressionen zu schaffen machten. Letztes Jahr hatte José Maria Jimenez (Sp) nach langjährigen psychischen Problemen Selbstmord begangen.

Während eines Jahrzehntes war Marco Pantani einer der populärsten italienischen Sportler. Mit seinen Kletterkünsten am Berg entzückte er die Massen. Im Verlaufe seiner Profikarriere kam "elefantino" -- so einer seiner Übernamen wegen seinen abstehenden Ohren -- auf 36 Siege. Den ersten Profi-Erfolg errang Pantani 1994 im Giro d´Italia, als er sich in Meran am Schluss einer Dolomiten-Etappe durchsetzte. Der letzte Triumph datierte aus der Saison 2000, als Pantani in der Tour de France das Ziel in Courchevel als Erster erreichte. 1998 hatte Pantani als erster Italiener seit 1952 Fausto Coppi das schwierige Double Giro/Tour realisiert. 1995 kam Pantani auf dem äusserst schweren WM-Kurs von Duitama (Kol) hinter den Spaniern Abraham Olano und Miguel Indurain auf den 3. Platz.

Die Höhen- und Tiefpunkte seiner Karriere erlebte Marco Pantani während der Blüte des EPO-Missbrauchs. Nach dem Gewinn der WM-Bronze in Kolumbien wurde der Italiener im Oktober 1995 in der Endphase des Strassenrennens Mailand - Turin in einen Unfall verwickelt, bei dem er sich schwere Beinfrakturen zuzog. Danach machte im Spital den Medizinern weniger die Versorgung seiner Verletzungen als seine überaus hohen Blutwerte zu schaffen.

Pantanis Niedergang begann am 5. Juni 1999, als er im rosa Trikot des Gesamtersten 48 Stunden vor Abschluss des Giro d´Italia wegen eines zu hohen Hämatokritwertes aus der Rundfahrt ausgeschlossen wurde. Der Italiener fühlte sich zusehends ungerecht behandelt und kapselte sich ab. Zwar wurde ausschliesslich um ihn herum eine Rennsportgruppe gebaut, doch Pantani tauchte nur noch sporadisch an Rennen auf. Letztes Jahr beendete er den Giro auf Platz 14, was angesichts seiner Probleme eine respektable Leistung darstellte.

Weder der Respekt, den ihm seine Berufskollegen wie auch die Radsportfans entgegenbrachten, noch der Freispruch eines Gerichts im letzten Oktober, nachdem ihm Sportbetrug -- die italienische Auslegung von Dopingmissbrauch -- vorgeworfen worden waren, vermochten die dunklen Schatten von Marco Pantanis Seele zu nehmen.

(rr/Si)

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