Babyboom neun Monate nach der Fussball-WM
publiziert: Sonntag, 11. Feb 2007 / 17:19 Uhr / aktualisiert: Montag, 12. Feb 2007 / 20:25 Uhr

Kassel - Eigentlich wollten Jennifer Koch und ihr Freund Tobias Amend gar nicht Fussball sehen. Aber der Musicalbesuch in Hamburg während der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 forderte seinen Tribut.

Die Euphorie wirkte ansteckend.
Die Euphorie wirkte ansteckend.
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Die beiden Nordhessen blieben vor einer Grossleinwand hängen und bekamen so hautnah den Sieg der deutschen Mannschaft gegen Schweden mit. «Wir waren so euphorisiert, das musste sich irgendwie fortsetzen», sagt Jennifer.

Die Nacht wird beiden in Erinnerung bleiben - es war die Nacht, in der ihr erstes Kind gezeugt wurde. Kein Einzelfall: Neun Monate nach der Fussball-Weltmeisterschaft kündigt sich in Deutschland ein Babyboom an.

«Mehr Geburten neun Monate nach solch einem Ereignis sind nur auf dem ersten Blick überraschend», sagt Rolf Kliche von der Kasseler Geburtsklinik Dr. Koch. «Die Einstellung des eigenen Körpers und die Rolle der Hormone werden oft unterschätzt. Wer eine positive Grundstimmung hat, wird auch einfacher schwanger.»

Kurse ausgebucht

Genaue Zahlen über einen WM-Babyboom gebe es erst in ein paar Monaten. «Aber unsere Geburtsvorbereitungskurse sind übervoll.» Ein Trend, den Kliniken in WM-Städten bestätigen.

«Unsere Kurse für werdende Mütter sind praktisch ausgebucht. Wir werden im März/April wohl zusätzliche anbieten müssen», heisst es etwa im Hamburger Universitätsspital Eppendorf.

«Es ist kein Mega-Babyboom, aber die nächsten beiden Monate ist es schon mehr», sagt auch Doris Zeiselmeier, Hebamme an der Frauenklinik der Münchner Universität. Und im Geburtshaus Friedrichshain in Berlin erwartet man viel Arbeit: «Es geht los. Die nächsten Wochen haben wir alle Hände voll zu tun.»

Euphorisch ins Hotel

In Berlin waren im Sommer auch Anja Ackermann und Frank Schäffer. «Eigentlich wollten wir ja ins Museum. Aber von der Stimmung wurden selbst wir Fussballmuffel mitgerissen», bekennt der junge Mann aus dem nordhessischen Lohfelden.

Letztlich waren beide jeden Abend auf der Fanmeile. «Und die Euphorie haben wir dann irgendwie mit ins Hotel genommen», erklärt die junge Frau. Eine Junge wird es, zur Welt kommen soll er am 8. April - fast auf den Tag genau neun Monate nach dem Endspiel am 9. Juli 2006 in Berlin.

«Wir haben zwar keine Statistik, aber ganz subjektiv ist dieses Jahr mehr los», sagt auch Barbara Freischütz. Die Hebamme koordiniert die Schwangerschaftskurse in Köln. «Wir sind sehr gut gebucht. Und immer wieder erzählen auch Frauen, sie hätten ein Souvenir von der WM», sagt Freischütz lachend.

Ein Babyboom neun Monate nach der grossen Sause? «Hier in Köln ist das Phänomen bekannt. Das haben wir jedes Jahr - nach dem Karneval.»

Ein Mädchen vom Eröffnungsspiel

Auch Heike und Markus Brede befiel nicht nur das Fussball-Fieber. «Freunde hatten einen Beamer in der Garage aufgebaut, dazu der Grill - und die WM-Stimmung war da», sagt der Mann aus dem hessischen Vellmar.

Am 11. März soll noch etwas anderes da sein: Ein kleines Mädchen, deren Ursprünge in etwa auf das Eröffnungsspiel am 9. Juni zurückgehen. Jennifer Koch und ihr Freund Tobias sind mittlerweile Fussballfans. «Nicht die ganz Verrückten, aber ab und zu bleiben wir dann doch hängen.»

Immerhin verbinde beide mit dem Ball eine wertvolle Erinnerung: «Die bestgenutzte Halbzeitpause unseres Lebens.»

(von Chris Melzer/dpa)

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