Bagdad: Sadr-City im Belagerungszustand
publiziert: Montag, 5. Apr 2004 / 14:03 Uhr / aktualisiert: Montag, 5. Apr 2004 / 16:32 Uhr

Bagdad - US-Soldaten riegeln in Bagdad ganze Stadtteile ab. Nach den bisher schlimmsten Strassenschlachten im Nachkriegs-Irak vom Sonntagabend wollen die US-Truppen offenbar verhindern, dass die Anhänger des radikalen Predigers Muktada el Sadr in Massen ins Stadtzentrum von Bagdad strömen.

Schiiten-Aufruhr in Sadr City.
Schiiten-Aufruhr in Sadr City.
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Zehn US-Kampfpanzer sperren Montagvormittag die Haupteinfallsstrasse in die Bagdader Schiiten-Vorstadt Sadr-City ab. Der Verkehr schlängelt sich nun durch müll- und pfützenübersäte Nebenstrassen.

Einen knappen Kilometer weiter machen sich jugendliche El-Sadr- Anhänger daran, Stacheldraht auszurollen und die Hauptstrasse mit Metallgegenständen zu versperren. Sie wollen das Büro der Bewegung des Predigers verteidigen. Vor diesem hat sich gerade eine Menge von mehreren Hundert Männern versammelt.

Der Aktivist Amer el Husseini spricht zu ihnen. "Das war ein Angriff auf das ganze irakische Volk", donnert er. Doch zugleich ruft er zur Ruhe auf. "Unternehmt nichts, so lange kein Befehl von eurem Führer kommt!"

Nur noch wenig Spuren

Von den Kämpfen des Vortages, bei denen 43 Iraker und 7 US-Soldaten ums Leben kamen, sind nur mehr noch wenig Spuren zu sehen. Auf der Strasse liegen zermalmte Betonteile, die von den Barrikaden der "Mahdi-Armee" zeugen, der Miliz El Sadrs.

Da und dort liegt noch ein von Panzern überrolltes Auto, in einem Haus klafft das Einschussloch einer Panzergranate. Wie ein Spuk verschwunden sind auch die Milizionäre in ihren schwarzen Hemden. Die Männer vor dem El-Sadr-Büro sind alle in Zivil und unbewaffnet.

Vorwürfe an die USA

Über das Vorgefallene erzählen sie eine ganz andere Geschichte. "Wir haben friedlich demonstriert", meint der 38-jährige Lehrer Chalil Hamid. "Die Amerikaner kamen und schossen in die Menge, ohne Vorwarnung."

Dem widerspricht, was man Sonntagabend im Polizeifunk mithören konnte. Da forderten Polizisten in drei Wachen von Sadr-City Verstärkung an, weil sie die "Mahdi-Armee" belagerte.

Dem wilden Gefecht fielen viele Zivilisten zum Opfer. Der Schock und die Wut sitzen tief. Die Version, die die Schuld den Amerikanern anlastet, findet durchgehend Anklang.

Wie im Krieg

"Es war wie im Krieg", erinnert sich der Kaufmann Siad Hussein. "Schüsse, Explosionen, das Rattern von Panzerketten." Er hat zwei Kinder im Alter von drei Jahren und von drei Monaten und eine Mutter, die psychisch krank ist, seitdem sie zwei Söhne in Saddams Kriegen verlor. "Ich habe den Fernseher ganz laut gedreht, damit sie das schreckliche Kampfgetöse nicht hören."

(Von Gregor Mayer/dpa)

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