Lage dürfte sich verschärfen
Balkanroute für Flüchtlinge weitgehend abgeriegelt
publiziert: Freitag, 26. Feb 2016 / 15:05 Uhr / aktualisiert: Freitag, 26. Feb 2016 / 18:28 Uhr
Die Lage der Flüchtlinge in Griechenland ist angespannt.
Die Lage der Flüchtlinge in Griechenland ist angespannt.

Athen/Wien/Belgrad - Die Balkanroute für Flüchtlinge schliesst sich. Täglich sollen nur noch etwa 580 Flüchtlinge durchreisen dürfen. Darauf verständigten sich die Polizeichefs von Österreich, Slowenien, Serbien, Kroatien und Mazedonien.

10 Meldungen im Zusammenhang
Dies teilten die slowenische Polizei und das Innenministerium in Ljubljana am Freitag mit. Der tägliche Transit durch die Westbalkan-Staaten solle auf eine Zahl begrenzt werden, die eine Kontrolle jedes Flüchtlings entsprechend den Schengen-Regeln ermögliche.

Mazedonien hat die Grenze zu Griechenland bereits weitgehend geschlossen; nur noch Syrer und Iraker dürfen vereinzelt passieren.

Damit droht sich die Lage der Flüchtlinge in Griechenland weiter zu verschärfen. Weil sie auf der Balkanroute nicht mehr weiterkommen, sitzen in dem krisengeschüttelten Land nach Schätzungen der Behörden inzwischen rund 20'000 Menschen fest - und täglich treffen neue Flüchtlinge aus der Türkei auf den Ägäisinseln ein.

Zudem harren mehr als 4000 Menschen an der Grenze zu Mazedonien bei Idomeni aus. Dort kam es in der Nacht zum Freitag zu Schlägereien und Messerstechereien unter Flüchtlingen, wie das Staatsradio berichtete.

EU-Migrationskommissar Avramopoulos warnte am Freitag vor einem Scheitern des EU-Gipfels mit der Türkei zur Flüchtlingskrise Anfang März. Ohne eine Einigung auf eine gemeinsame Vorgehensweise werde die EU auf ein "Desaster" zusteuern, sagte der Grieche. Die Mitgliedsländer müssten "einseitige oder bilaterale Aktionen" beenden.

Österreichs Innenministerin nicht willkommen

Griechenland wirft Österreich vor, die Blockade mit dem umstrittenen Balkan-Treffen am Mittwoch in Wien vorangetrieben zu haben. Einen Tag nach dem Rückzug der griechischen Botschafterin aus Wien lehnte die Regierung in Athen einen Besuch der österreichischen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner in Griechenland ab.

Nach Darstellung des Innenministeriums in Wien hatte Mikl-Leitner angeboten, "für ein offenes Gespräch nach Griechenland zu kommen". Es wäre darum gegangen, die bekannte österreichische Position auch direkt in Athen zu erläutern, teilte das Ministerium mit. Falls Athen einen solchen Kontakt zu einem späteren Zeitpunkt bevorzuge, sei das "völlig legitim."

In Griechenland versuchen die Behörden immer verzweifelter, den Rückstau an Flüchtlingen zu bewältigen. Dazu werden fünf neue Aufnahmelager an der Grenze gebaut; zugleich sollen viele Flüchtlinge zunächst auf den Inseln in der Ostägäis bleiben. Dort sollen sie auf drei grossen Fähren untergebracht werden, die in den Häfen der Inseln Lesbos, Chios und Samos angelegt haben.

UNO richtet Anlaufstellen ein

UNO-Organisationen richten auf der Balkanroute für Familien und unbegleitete Kinder insgesamt 20 Anlaufstellen mit Schlafplätzen ein. Inzwischen sind 60 Prozent der Flüchtlinge Frauen und Kinder.

Die weitgehende Blockade auf der Balkanroute hat dazu geführt, dass auch die Flüchtlingszahlen in Österreich und Deutschland stark zurückgegangen sind. In den vergangenen sieben Tagen seien insgesamt nur rund 3000 Flüchtlinge am Grenzübergang Spielfeld angekommen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag in Wien. Weniger als 100 Menschen hätten einen Asylantrag gestellt.

In Bayern hatte die Bundespolizei zuletzt weniger als 500 Menschen täglich registriert.

EU-Ratspräsident Donald Tusk versucht im Streit zwischen den Balkan-Staaten und der griechischen Regierung in der Flüchtlingskrise vor Ort zu vermitteln. Vom 1. bis 3. März will er in die Hauptstädte Österreichs, Sloweniens, Kroatiens, Mazedoniens und Griechenlands reisen, wie der EU-Rat am Freitag mitteilte.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Wien - Österreich hält auch nach dem EU-Sondergipfel an seiner restriktiven Flüchtlingspolitik fest. «Wir werden keinen Millimeter abweichen von unserer ... mehr lesen
Es müsse generell ein Ende des Durchwinkens geben, sagte Mikl-Leitner.
Donald Tusk appellierte an die Flüchtlinge.
Athen/Idomeni - EU-Ratspräsident Donald Tusk hat vor dem EU-Sondergipfel zur ... mehr lesen
Athen/Piräus - Zur Linderung der Flüchtlingskrise will die EU-Kommission Mitgliedsstaaten wie Griechenland mit insgesamt 700 ... mehr lesen 1
Der neue Nothilfe-Fonds soll nicht ausschliesslich auf die Flüchtlingskrise begrenzt sein. (Symbolbild)
Athen/Piräus - Kein Ende des Flüchtlingszustroms in Griechenland: ... mehr lesen 1
Wien - Vor dem EU-Sondergipfel zur Flüchtlingskrise am 7. März hat EU-Ratspräsident Donald Tusk am ... mehr lesen
Donald Tusk: «Zurück zu Schengen.»
Weitere Artikel im Zusammenhang
Alexis Tsipras fordert von der EU ein Hilfspaket in Höhe von 470 Millionen Euro. (Archivbild)
Athen - Die griechische Politik geht ... mehr lesen
Genf/Athen/Ljubljana - Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat scharfe Kritik am neuen Grenzmanagement Österreichs und der Balkanländer geübt. Die EU ... mehr lesen
Mehr als 470'000 Flüchtlinge machten Halt in Slowenien.
Ljubljana - Das slowenische Parlament hat für eine Entsendung von Soldaten an ... mehr lesen
Athen/Budapest - In den ersten 20 Februar-Tagen sind in Griechenland mehr als 30'000 Flüchtlinge angekommen. Genau ... mehr lesen 1
Nach wie vor kommen viele Flüchtlinge nach Griechenland.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Die Fluchtroute auf der Seestrecke zwischen Nordafrika ...
Erschreckende Zahlven von der UNO  Berlin - Bei Bootsunglücken im zentralen Mittelmeer sind in der zurückliegenden Woche nach UNO-Angaben wahrscheinlich mindestens 880 Flüchtlinge umgekommen - und damit weit mehr als ohnehin schon befürchtet. mehr lesen 
Mit 124 zu 64 Stimmen genehmigte die grosse Kammer den Bundesbeschluss über den Nachtrag I zum Voranschlag 2016.
353 Millionen Franken für den Asylbereich  Bern - Der Nationalrat hat am Dienstag die Staatsrechnung 2015 sowie die Nachtragskredite zum laufenden Budget deutlich ... mehr lesen   1
Bereits 100 Objekte erfasst  Wil SG - Digitale Stadtpläne sollen künftig Menschen mit einer Behinderung die Orientierung erleichtern. Die Stadt Wil wurde von Pro Infirmis ... mehr lesen
Bei der Erstellung des Zugänglichkeitsplans in Wil werden auch Betroffene miteinbezogen.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich -2°C 5°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel Nebel
Basel -2°C 7°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 4°C 9°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern -3°C 5°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel sonnig
Luzern -2°C 5°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel Nebel
Genf -2°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Nebel
Lugano 1°C 8°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten