Barack Obama und die US-Gesundheitsreform
publiziert: Freitag, 15. Mai 2009 / 09:46 Uhr

Die Vereinigten Staaten von Amerika bekämpfen Feinde im Irak, in Afghanistan und extremistische Lager auf der ganzen Welt. Für Barack Obama gibt es gibt jedoch eine noch tödlichere Gefahr unmittelbar vor der eigenen Haustür.

Rund 18’000 Menschen pro Jahr sterben, weil ihnen die medizinische Versorgung fehlt.
Rund 18’000 Menschen pro Jahr sterben, weil ihnen die medizinische Versorgung fehlt.
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CNN International

edition.cnn.com/POLITICS

Es ist der einfache Umstand, dass fast 50 Millionen Amerikaner nicht genug Geld haben, um einen Arzt zu konsultieren, wenn sie krank sind.

Die US-Regierung schätzt, dass rund 18’000 Menschen pro Jahr unnötig sterben, weil ihnen die medizinische Versorgung fehlt – deutlich mehr Menschen als diejenigen, die im Visier von Soldaten und Terroristen sind.

«Unser Gesundheitssystem ist zerbrochen», sagte Obama diese Woche. Die meisten Industrienationen sind dieses Problem bereits vor Jahrzehnten angegangen, aber die USA scheint entschlossen, die einfache Lösung zu verdrängen, die da wäre: ein staatliches Gesundheitssystem, bzw. eine Krankenversicherung.

Keine staatliche Gesundheitsversorgung?

Die US-Regierung zahlt bereits eine Sozialversicherung an die Armen und an die Alten. Aber viele Amerikaner, vor allem die Republikaner, bestehen darauf, dass die staatlichen Zahlungen noch weiter auszudehnen dem Sozialismus nahe käme. Sie würden Washington nicht ihre Gesundheitsversorgung anvertrauen.

So zahlen die meisten Amerikaner ihre Krankenversicherung aus eigener Tasche, normalerweise durch einen Versicherer, mit dem ihr jeweiliger Arbeitgeber einen Rahmenvertrag hat. (Wer nicht zahlt, ist eben nicht versichert.) Das Resultat ist eine enorme und enorm profitable Gesundheitsindustrie, die sich erfolgreich gegen jede Reform gewehrt hat.

Obama wird nicht wirklich versuchen, das System zu ändern. Er sucht nach einem Weg, es auszuweiten, um für die Millionen Unversicherten auch eine Gesundheitsversicherung zu bekommen.

Der Präsident hat bereits einen Plan und hat sich mit dem demokratischen Kongress diese Woche darüber verständigt; er will ihn bis Ende des Jahres zum Gesetz erheben.

Viele Präsidenten sind gescheitert

Viele Präsidenten vor ihm haben dies auch schon versucht und sind gescheitert, aber die politische Lage scheint diesmal Erfolg versprechender zu sein. In der momentanen Finanzkrise müssen immer mehr Amerikaner befürchten, ihre Jobs zu verlieren und damit auch ihre Krankenversicherung.

Einige medizinische Organisationen und Industriezweige haben diese Woche ebenfalls angekündigt, diesmal zu kooperieren.

Ein grosses Problem bleibt jedoch bestehen. Washington müsste einen grossen Batzen Geld für diese Aktion bereitstellen, allen Einschätzungen nach über eine Trillion US-Dollar für die ersten 15 Jahre. Die Obama Regierung gibt bereits Rekordsummen aus und hat schon Rekordschulden.

Die Menschen auf der ganzen Welt erinnern sich an Obamas grosse Versprechungen – Rückzug aus dem Irak, Schliessung von Guantánamo Bay. Aber die Gesundheitsreform hätte einen unvergleichbar grösseren Effekt für die meisten Wähler in den USA, und sie erwarten von ihrem Präsidenten, dass er sie nicht im Stich lässt.

Jonathan Mann - POLITICAL MANN
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Er moderiert das wöchentliche Politmagazin «Political Mann» auf CNN International. Der Text steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

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