Barbara Blatter scheiterte an der Hitze
publiziert: Freitag, 27. Aug 2004 / 13:58 Uhr

Nach rund 12,5 km war das Mountainbikerennen für Barbara Blatter schon vorbei. Die Olympia-Zweite von Sydney scheiterte an der Hitze von 36 Grad und gab entkräftet auf. Olympiasiegerin wurde nach einer eindrücklichen Solofahrt die Favoritin Gunn-Rita Dahle (No).

"Die Wärme ist überhaupt kein Problem", hatte Coach Urs Graf zu Beginn der Woche im Brustton der Überzeugung erklärt. Am Donnerstag wunderte sich der Rheintaler. Er befuhr im Training die Strecke am Parnitha-Berg hinter Barbara Blatter. Er vermochte der seiner Fahrerin kaum zu folgen, so stark fuhr sie. "Platz 1 ist vergeben. Aufgrund meiner Eindrücke halte ich sie für fähig, aufs Podium zu fahren", meinte Graf noch eine halbe Stunde vor dem Start.

Sturz befürchtet

"Ich hatte mich nach der Startrunde an der Spitze erwartet", erklärte nach ihrer Aufgabe auch Barbara Blatter. Doch schon nach einer bescheidenen Distanz merkte sie: "So geht es nicht weiter."

Nach der ersten Runde wurde die Zürcherin noch an sechster Stelle geführt, wenig später nur noch an achter. Noch vor Ablauf der zweiten Runde gab Barbara Blatter das Rennen auf: "Ich verfügte über keine Kraft mehr. So ergab es keinen Sinn, das Rennen fortzufahren. Ich befürchtete, bei einer Weiterfahrt vom Bike zu stürzen."

Unmittelbar vor dem Start habe sie das Gefühl gehabt, unter 40 Grad Fieber zu stehen, sagte die Zürcherin. Aber eine Begründung für ihr abruptes Ausscheiden fand sie nicht. Sie sei in Mexiko schon bei 35 Grad gefahren und habe dabei nicht die geringsten Probleme verspürt. Am Hausberg Athens wurde über die Mittagszeit, als das Rennen stattfand, eine Temperatur von 36 Grad gemessen.

Aus der kühleren Temperatur der Schweiz zu den Olympischen Spielen angereist war Barbara Blatter am letzten Sonntag. Eine frühere Anreise hätte ausser mit der Begründung einer besseren Akklimatisation keinen Sinn gemacht, weil die Strecke den Bikern erst ab Montag für Besichtigung und Training offenstand.

Offene Fragen

Barbara Blatter war sehr enttäuscht, weil sie unter dem Eindruck stand, den 6-km-Circuit gut im Griff gehabt zu haben. Möglicherweise sei es ein Fehler gewesen, dass sie die Kühlweste nicht ausprobiert habe, mit der sich die Athleten vor ihrem Einsatz vor der Hitze schützen können, so die Weltcup-Gesamtsiegerin von 2000 und 2001.

Welche weiteren Rennen sie bestreitet und wie es um die Fortsetzung ihrer Karriere bestellt ist, diese Frage vermochte Barbara Blatter im ersten Moment noch nicht zu beantworten. Gewiss ist, dass die ursprüngliche Kindergärtnerin mit dem Ablauf des olympischen Zyklus ihre Silbermedaille von Sydney weniger gut vermarkten kann.

Katrin Leumann war am Donnerstag kurzfristig als Ersatz für Petra Henzi eingeflogen worden, die sich bei einem Sturz das Wadenbein gebrochen hatte. Ein sturer Funktionär des Rad-Weltverbandes UCI verhinderte zuerst am Freitagmorgen, dass sich die Schweizer Meisterin richtig mit der Strecke vertraut machen konnte. Leumann musste das Rennen aus der letzten Position in Angriff nehmen, ihr Olympia-Debüt endete mit Platz 19.

Goldkleid vorbereitet

Wie siegessicher sich Gunn-Rita Dahle schon vor dem grössten Triumph ihrer Karriere fühlte, geht daraus hervor, dass sie schon vor der Abreise nach Athen ein Goldkleid herstellen liess. Dies benötigte sie am Freitagabend für die rauschende Party, bei der sie im Mittelpunkt stand. Die trinkfeste Norwegerin nimmt ihren Sport zwar sehr ernst. Sie versteht es aber auch, die Feste gebührend zu feiern.

Richtig lanciert worden war die Karriere der 31-jährigen Bikerin vor zwei Jahren in Zürich, als sie die Europameisterschaft gewann. Im gleichen Jahr wurde Dahle auch Weltmeisterin. Seither eilte sie von Erfolg zu Erfolg. In dieser Saison entschied sie beispielsweise alle Weltcuprennen für sich, an denen sie teilnahm. Auf der Olympia-Strecke degradierte sie die Gegnerinnen zu Statistinnen.

Dahles Vorsprung auf die aufstrebende Marie-Hélène Prémont (Ka) wurde zwar nur mit 59 Sekunden gestoppt. Die Olympiasiegerin konnte sich aber nach dem ersten Drittel der Distanz bereits auf die Kontrolle des Rennens beschränken. Zum Mountainbike ist Gunn-Rita Dahle gekommen, weil sie als Läuferin durch eine Knieverletzung zurückgeworfen wurde. Als Vorbilder nennt sie den ins Alter gekommenen italienischen Sprint-Star Mario Cipollini sowie den überragenden Biathleten Ole Einar Björndalen.

In einenm äusserst monotonen Rennen brachte der einzige bedeutende Posititionswechsel Sabine Spitz die Bronzemedaille. Die Weltmeisterin von Lugano hatte den Wettkampf sehr vorsichtig begonnen. Die Deutsche schaffte es mit dieser Taktik, nach rund 22 der 31 km auf den 3. Platz vorzustossen.

Resultate:

Mountainbike. Frauen (31,3 km): 1. Gunn-Rita Dahle (No) 1:56:51. 2. Marie-Hélène Prémont (Ka) 0:59. 3. Sabine Spitz (De) 2:30. 4. Alison Sydor (Ka) 2:56. 5. Elsbeth Van Rooy-Vink 4:50. 6. Maja Wloszczowska (Pol) 5:17. 7. Yvonne Kraft (De) 8:27. 8. Laurence Leboucher (Fr) 8:43. 9. Mary McConneloug (USA) 9:21. 10. Lisa Mathison (Au) 10:10. -- Ferner: 19. Katrin Leumann (Sz) 19:16. -- 30 gestartet, 24 klassiert. Aufgegeben u.a. Barbara Blatter (Sz), Paola Pezzo (It), Marga Fullana (Sp).

(Toni Nötzli, Athen/Si)

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