Barbaren sind überall
publiziert: Montag, 2. Jul 2012 / 11:09 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Jul 2012 / 15:22 Uhr
Die Welt sah tatenlos zu: Nische der Buddha-Statue im afghanischen Bamiyan-Tal
Die Welt sah tatenlos zu: Nische der Buddha-Statue im afghanischen Bamiyan-Tal

Momentan wüten die Barbaren in Timbuktu: Islamische Fundamentalisten zerstören in der Welterbestadt in Mali historische Grabmäler von Sufi-Heiligen während die Welt tatenlos zuschaut.

4 Meldungen im Zusammenhang
Ebenso tatenlos hatte die Welt ja schon die Zerstörung der riesigen Buddha-Statuen im aghanischen Bamiyan-Tal zugeschaut, als im März 2001 dort die ca. 1500 Jahre alten Riesenstatuen von den Taliban endgültig vernichtet wurden.

Religiöse Eiferer haben sich über die Jahrhunderte immer wieder durch wilden Hass und Zerstörungswut ausgezeichnet und der Welt einen gigantischen Verlust von Wissen und Schönheit beschert.

In Europa sorgten einst sehr prominent die reformierten Bilderstürmer dafür, dass grosse Mengen mittelalterlicher Sakralkunstwerke (und ausser diesen gab es nicht viel an Kunst in jener Zeit) für immer verloren gingen.

Wer den bedeutendsten Verlust antiken Wissens zu verantworten hat, ist hingegen immer noch nicht restlos geklärt: Ob dieses verdienst an den katholisch-orthodoxen Kaiser Theodosius I oder den Kalifen Umar ibn al-Chattab, der 642 Alexandria erobert hatte, geht, ist noch unklar, wer dieser legendären Bibliothek nach Kriegsschäden durch Cäsar und Aurelian den Rest gegeben hatte. Dabei ist zu beachten, dass die Bibliothek bei den Angriffen Cäsars und Aurelian das war, was heute so wunderbar als Kollateralschaden bezeichnet wird.

Bei den letzteren potentiellen Zerstörern der Bibliothek hingegen handelt es sich um jene, die gezielt die Intitution und vor allem deren Inhalt vernichten wollten - und zwar aus theologischen Gründen.

Bisher war nur von materiell-kulturellen Opfern die Rede, welche die Barbaren forderten. Doch durch die Geschichte hindurch haben Barbaren auch gemordet - vielfach im Namen von Gott, neuerdings auch im Namen der Nation und der Revolution. Doch Gott bleibt der Dauerbrenner.

Bei uns redet man - auch in diesem Artikel wurden sie ja zuoberst angeführt - vor allem von den Islamisten, und wo immer diese am Drücker sind wird geprügelt, gesteinigt und unterdrückt, was das Zeug hält. Doch auch die fundamentalistischen Christen zeigen überall dort, wo sie wirklich Einfluss haben, ihre Lust an Unterdrückung und Hass. In Uganda, wo christliche Fundamentalisten dank US-Amerikanischer «Missionare» eine entscheidende politische Kraft geworden sind, soll ein Gesetz gegen das Fordern von Rechten für Homosexuelle erlassen werden um jene, die «Homsexualität finanzieren und sponsern» hart bestrafen zu können. Homosexualität selbst ist bereits verboten. Lokale Zeitungen enthüllen derweil die Identität von Homosexuellen zusammen mit der Aufforderung, diese zu lynchen.

Das Gesetz, dass schon zwei Jahre im Parlament hängig ist, wird nun wahrscheinlich durchkommen, weil die Todesstrafe daraus entfernt worden ist... na toll.

Barbarei kommt allerdings auch bei uns wieder vor - nur in einem anderen, rein gewaschenen Gewand, ja fast schon keimfrei. Dabei hilft vor Allem die Globalisierung mit: Kinderarbeit, Akkordschufterei bis zum Selbstmord machen viele Kultgeräte und Alltagsprodukte nicht nur erschwinglich sondern saubillig und erlauben den Herstellern zugleich tolle Gewinnmargen, während Rohstoffe, auf die wir angewiesen sind unter unsäglichen ökologischen und ökonomischen Bedingungen gewonnen werden. Dies alles so weit weg und perfekt hinter dem PR-Dickicht der Firmen verborgen, dass wir nicht mal wegschauen müssen.

Die Gier nach und die Ungleichverteilung von Ressourcen und den Gewinnen aus diesen und die ökologischen Probleme durch nicht nachhaltiges Wirtschaften hat vergleichbare Konsequenzen wie die Barbarei mit Kalaschnikow und Spitzhacke: Menschen sterben, werden vertrieben und Kulturen gehen mit ihrem Erbe zusammen unter. Barbarei kommt in vielen Formen und Schattierungen vor, ja manchmal erkennt man sie nicht einmal, vor allem wenn sie mit der Kredikarte in eienm klimatisierten Hochglanzshop ausgeübt werden kann, was für unserer Wahrnehmung natürlich entscheidend ist.

Die Relevanz für die Opfer, ob sie einem hassenden religiösen Irren oder einer Enteignung unter Waffenandrohung durch einen gleichgültigen Weltkonzern anheim fallen, darf hingegen bezweifelt werden.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Dschungelbuch «In Schwyz müssen mittelalterliche Wohnhäuser einem Bauprojekt Platz machen.» (SZ, 9.9.2014) Während jede Generation über ... mehr lesen 2
Neoliberalismus isst Geschichte auf: Abriss im Schwyzer Dorfbachquartier.
Die Rettungsaktion von kostbaren Manuskripten aus der historischen Bibliothek in Timbuktu hatte am 12. Oktober begonnen.
Amsterdam - In einer geheimen Operation haben Hunderte Bürger Malis gemeinsam ... mehr lesen
Bamako - Islamistische Rebellen haben am Montag nach Angaben von Augenzeugen den Eingang der Sidi-Yahya-Moschee in ... mehr lesen
Die Angreifer haben die «heilige Tür» des Gebäudes zerstört, die normalerweise nie geöffnet wird.
Paris - Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC), Fatou Bensouda, hat die mutwillige Zerstörung von Welterbestätten in Mali durch Islamisten als «Kriegsverbrechen» bezeichnet. mehr lesen 
Fundemantelisten
Made in Europa ist den meisten zu teuer und gleichzeitig jammern sie über Kinderarbeit. Doppelmoral!

Jeder muss alles haben und es wird auf nichts verzichtet.

In jeder Religion wird es den homosexuellen schwer gemacht.

Zur Bibliothek von Alexandria: Angeblicherweise hat der Vatikan noch einiges von dieser Bibliothek in seinen Geheimarchiven.

Ich bin froh lebe ich in Europa. In anderen Teilen der Welt währe ich als Atheist schon längstens hingerichtet worden.
UN-Menschenrechtsrat: Mit Saudi-Arabien als Vorsitzendem ginge der letzte Rest Glaubwürdigkeit verloren.
UN-Menschenrechtsrat: Mit Saudi-Arabien als ...
Vor 2 Jahren ist eine Reihe von Sitzen im UN-Menschenrechtsrat neu besetzt worden. Seither sind auch die folgenden Fackelträger für die Rechte des Menschen in diesem Gremium: Saudi-Arabien, China, Russland und Kuba. Nun steht die Neuwahl des Vorsitzes an. Favorit: Saudi Arabien. mehr lesen 1
Schweiz und Mexiko verstärken Zusammenarbeit Mexiko-Stadt - Die Schweiz und Mexiko haben eine stärkere Zusammenarbeit in der UNO, bei ...
Bundesrat Burkhalter war zu einem eintägigen Arbeitsbesuch nach Mexiko gereist. (Archivbild)
UNO reorganisiert Hochkommissariat für Menschenrechte Genf - Das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf will sich ...
Burkhalter: Terrorismus muss an der Wurzel bekämpft werden Genf - Bundesrat Didier Burkhalter hat bei der Eröffnung der ... 2
Die Causa Markwalder hat es an den Tag gebracht: Dass Lobbyingsystem in der Schweiz ist kaputt. Es ist intransparent und entzieht sich der Einsicht durch das Volk. Zeit, dass das SRF ran geht, und für Transparenz, ... mehr lesen
Wandelhalle Bundeshaus: Wer hier lobbyieren will, soll auch was dafür tun in SsdSL!
Lobbyistin Baumann entschuldigt sich bei Markwalder Zürich - Die Lobbyistin Marie-Louise Baumann entschuldigt sich bei Nationalrätin Christa Markwalder ...
Ihr Vertrauen in die Lobbyistin Baumann sei «aufs Übelste missbraucht» worden, so Markwalder.
Ein Gesamtkunstwerk.
Typisch Schweiz Der Jean Tinguely Es tätscht, es hämmert, es quietscht, es bewegt sich: Jean Tinguelys ...
Shopping Les Misérables (Fullmovie/DVD) Victor Hugo gilt als einer der grössten französischen Schriftsteller aller Zeiten. Seine Romane wie «Les Misérables» oder «Der Glöckner von Notre-Dame» sind Klassiker der ...
Frühling in Feldbach am Zürisee.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Wenn's nach der SNB geht bald einmal Vergangenheit: Bargeld.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
UN-Menschenrechtsrat: Mit Saudi-Arabien als Vorsitzendem ginge der letzte Rest Glaubwürdigkeit verloren.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Rohingya Flüchtlinge in einem Camp in Bangladesch: 200'000 Menschen unter extrem schlechten Bedingungen.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Menschen im Notfall brauchen als erstes Menschen, die ihnen beistehen. Theologen sind nicht gefragt.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 7°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
Basel 5°C 15°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
St.Gallen 9°C 16°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
Bern 10°C 20°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 10°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
Genf 9°C 21°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Lugano 13°C 21°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten