Basels Comeback in der «Glamour League»
publiziert: Montag, 15. Sep 2008 / 17:50 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Sep 2008 / 18:48 Uhr

Gegen Schachtjor Donezk will der FC Basel am Dienstag (20.45 Uhr) sein Comeback in der Champions League mit einem Erfolg zelebrieren. Der Schweizer Titelhalter peilt auf höchster Klub-Ebene mehr als einen einzigen Exploit an.

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Mut und Cleverness wünschte sich Christian Gross vor dem ersten Programmpunkt der geplanten Basler Europacup-Festwochen gegen die Prominenz von Schachtjor, Sporting Lissabon und Barcelona. «Wir müssen bereit sein, jede Chance zu ergreifen», übermittelte Gross seiner Equipe eine klare Botschaft. Er hofft auf eine Fortsetzung der europäischen Saison - wo, liess er offen.

Weltbester Klub-Fussball

In Basel sind sie mit gutem Grund stolz auf ihre zweite Teilnahme an der Champions League. Der Eintrittspreis in die Liga der europäischen Schwergewichte ist für Schweizer Klubs in der Regel zu hoch. Erst drei Klubs (FCB, GC und Thun) haben sich seit der Änderung des Europacup-Formats vor 16 Jahren für die Elite-Klasse qualifiziert. «Es braucht unheimlich viel», hob Christian Gross beim Rendez-vous mit den Medien die Basler Performance in der Qualifikation gegen IFK Göteborg und Vitoria Guimaraes hervor.

Angenehme Erinnerungen

Mit dem prestigeträchtigsten und lukrativsten Klub-Wettbewerb verbinden die Bebbi angenehme Erinnerungen. Vor sechs Jahren überstanden sie auf Kosten von Liverpool sogar die Gruppenphase und wurden erst in der Zwischenrunde von Juventus gestoppt. Nach jahrelanger Absenz und schweren nationalen Rückschlägen ist der FCB auf die Bühne seiner grössten Erfolge zurückgekehrt - auf eine Stufe, wo er allein mit der Startgage 4,4 Millionen Euro verdient.

Im Konzert der europäischen Tenöre fühlt sich Gross wohl. Blendend gelaunt führte er am Tag vor dem Start gegen Schachtjor Donezk wie ein Conférencier durchs mediale Vorprogramm. Der Zürcher kennt den Glamour und die sportliche Potenz der Champions League wie kein anderer Schweizer Coach. Zum vierten Mal ist er Teil der perfekt vermarketen «Glamour League». Keinen Wettbewerb schätzt Gross höher ein: «In der Champions League wird der beste Klubfussball der Welt gespielt.»

Viel Geld im Spiel

Mit dem beschaulichen Schweizer Meisterschaftsalltag hat die so genannte Königs-Liga nur die Sportart gemeinsam. In der Super League gewinnt der FCB auch mit gedrosseltem Motor problemlos. Nun ist ohne Verzögerung eine Umstellung vom Spar- auf den Starkstrom-Modus gefordert. «Das Tempo ist höher, der Raum ist enger. Die Qualität ist natürlich anders als in unserer Liga», zählte Gross nur ein paar erhebliche Unterschiede auf.

Prima vista spielt Basel in der Gruppenphase nur eine untergeordnete Rolle. Die Kontrahenten aus der Ukraine, Portugal und Spanien wirtschaften mindestens mit dem zweieinhalbfachen (Donezk und Sporting) oder mit zwölfmal (Barcelona) so hohem Budget. Hinter dem Startgegner Donezk steht der steinreiche und auch politisch einflussreiche Präsident Rinat Achmetow, hinter Basel Gigi Oeri. Das US-Wirtschaftsmagazin schätzt das Vermögen des Oligarchen auf rund 7,3 Milliarden Dollar.

Finanziell sind dem FCB schon vor der ersten Ballberührung Grenzen der Vernunft gesetzt. Und trotzdem kalkuliert Gross mit Punktgewinnen: «Man ist nie chancenlos.» Spätestens seit dem letzten Mittwoch und Luxemburgs Blossstellung der Schweizer würde die Aussage des Basler Coachs wohl jeder Fussball-Konsument unterschreiben. So sehr Gross seiner Equipe ein Highlight zutraut, so sehr hält er in jeder Partie «einen Exploit» für zwingend nötig.

Der Startsieg ist das Ziel

Wegweisenden Charakter besitzt der Aufakt. Vor sechs Jahren stand der 2:0-Heimsieg gegen Spartak Moskau am Anfang des Höhenflugs. Ähnliches haben die Bebbi abermals im Sinn. Gross erklärte den Sieg zum Ziel - gegen ein Team, das zwar erstklassig besetzt ist, nach dem schlechtesten Saisonstart seit 13 Jahren aber unter Druck geraten ist. Im heimischen Championat ist das Star-Ensemble auf Platz 11 abgesackt. Der Rückstand auf den Leader und Stadtrivalen Metallurg beträgt bereits elf Punkte.

Auf die aktuellen Probleme mochte Gross aber nicht allzu lange eingehen. An seiner hohen Einschätzung des Gegners ändert dessen Formbaisse wenig bis nichts. Die multinationale Auswahl sei gut abgestimmt, fand Gross. «Die Mischung zwischen der routinierten Abwehr, dem Mittelfeld und der brasilianischen Fussballkunst im Angriff stimmt. Das Team ist mit Internationalen gespickt.» Der Basler Trainer erklärte Donezk zum «Fahnenträger» des ukrainischen Aufschwungs.

Wieviele der sechs Brasilianer der rumänische Chef-Trainer Mircea Lucescu nominieren wird, ist unklar. Die Südamerika-Connection wird aber zweifelsfrei ein tragendes Element sein. In der Qualifikation gegen Dinamo Zagreb trug sie zum Gesamtskore von 5:1 vier Treffer bei. Fünf ukrainische Nationalspieler, unter ihnen die Nummer 10 Jewgeni Selesniow, zählen zum Stamm, den Professionals aus Rumänien, Kroatien, Serbien und Tschechen erweitern.

Über Formation wird spekuliert

Es ist davon auszugehen, dass Gross dem ukrainischen Meister mit der gewohnten 4-1-4-1-Formation begegnen wird. Klar ist auch, dass Basel auf den verletzten Antreiber Ivan Ergic und den gesperrten Linksverteidiger Behrang Safari verzichten muss. Höchstens auf der Bank sitzen dürfte Marco Streller, der nach seiner Leistenoperation wochenlang pausierte. Eren Derdiyok hingegen wird wohl als einzige Spitze ins Team zurückkehren.

«Wir wissen um die Härte und Intensität in der Champions League», führte Gross im Zusammenhang mit den Spekulationen um die Besetzung des Mittelfelds aus. Unter diesem Aspekt betrachtet würden sich die zweikampfstarken Scott Chipperfield und Eduardo zur Besetzung der zentralen Positionen anbieten. Hinter dem Mittelfeld ist Beni Huggel der erste Organisator der Defensivabteilung. Seine Formstärke ist unter Umständen (erneut) massgebend.

Nur noch 1600 Packages im Verkauf

Auch für die zweite Champions-League-Kampagne des FC Basel interessieren sich die Anhänger massenhaft. Für die drei Heimspiele gegen Schachtjor Donezk, Barcelona und Sporting Lissabon waren am Tag vor der Startpartie nur noch 1600 Eintritts-Packages erhältlich.

Das Stadion wird demzufolge fast dreimal nahe der Kapazitätsgrenze von 37'500 Zuschauern ausgelastet sein. Der (EM-)Ausbau des St.-Jakob-Parks hat sich für den Schweizer Meister gelohnt. Mediensprecher Josef Zindel rechnet im Falle von drei ausverkauften Spielen mit einem Bruttoertrag von «sechs bis neun Millionen Franken».

FCB die Nummer 60

Vor ihrer zweiten Saison in der Champions League werden die Basler im UEFA-Ranking an 60. Stelle geführt. Startgegner Donezk, der im fünften Anlauf erstmals den Cut der Gruppenphase überstehen will, belegt Position 46. Sporting, vor drei Jahren Finalist im UEFA-Cup, ist an 49. Stelle klassiert. In einer anderen Sphäre bewegt sich der zweifache Meistercupsieger Barcelona: Hinter ManU und Real Madrid ist «Barça» die Nummer 3 Europas.

FC Basel - Schachtjor Donezk
St.-Jakob-Park. - 20.45 Uhr. - SR Hauge (No).

Mögliche Startformationen:

Basel: Costanzo; Zanni, Abraham, Marque, Hodel; Huggel; Carlitos, Eduardo, Chipperfield, Stocker; Derdiyok.

Schachtjor Donezk: Piatow; Srna, Tschygrynski, Kutscher, Schewtschuk; Lewandowski, Hübschman; Willian, Fernandinho, Brandao; Selesniow.

Bemerkungen: FCB ohne Ergic, Unal (beide verletzt), Safari (nach zwei gelben Karten in der Qualifikation gesperrt), Streller (fraglich).

(Sven Schoch /Si)

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