Bauern gehen im Sommer nicht mehr auf die Alp
publiziert: Dienstag, 9. Aug 2011 / 11:19 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 9. Aug 2011 / 13:21 Uhr
Symbolbild: Vieh wird im September zu Tale getrieben.
Symbolbild: Vieh wird im September zu Tale getrieben.

Birmensdorf ZH - Über 40 Prozent der Schweizer Bauernbetriebe treiben ihr Vieh jeweils im Sommer auf die Alp. Doch laut einer Studie droht ein starker Rückgang: Jeder zweite Landwirt möchte seinen Hof vergrössern und dann auf die Sömmerung seiner Tiere verzichten.

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Mit einer grösseren Weidefläche wären die Bauern nicht mehr auf das Alpfutter angewiesen, wie die Eidg. Forschungsanstalt WSL am Dienstag in einem Communiqué schreibt. WSL-Forscher hatten im Rahmen des Projekts AlpFutur 686 Alpwirtschaftsbetriebe sowie 856 sömmernde und 314 nicht sömmernde Ganzjahresbetriebe befragt.

Demnach hat schon in den letzten Jahren die Anzahl Alpbetriebe zugenommen, die gerade noch genügend Tiere haben, um die vollen Sömmerungsbeiträge des Bundes zu erhalten. Laut den Forschern dürfte der Rückgang der gesömmerten Tiere nicht nur wirtschaftliche Einbussen für die Alpbetriebe verursachen, sondern auch die Alpen verändern.

Wald auf dem Vormarsch

Immer mehr Alpflächen sind nämlich ungenutzt. Die Folge: Die Weiden werden langsam zu Wald. Dass dieser Prozess bereits im Gang ist, zeigen Zahlen des Landesforstinventars. Seit 1983 hat demnach die Waldfläche in den Alpen um rund 15 Prozent zugenommen. Die grösste Zunahme fand in Lagen über 1800 Meter über Meer statt, wo viele Alpweiden liegen.

Ein wichtiger Faktor, weswegen sich Landwirte gegen eine Sömmerung entscheiden, sind die Kosten. Die Umfrage zeigt denn auch, dass Betriebe, die ihre Tiere nie auf die Alp gebracht haben, dies aus wirtschaftlichen Überlegungen auch in Zukunft nicht tun werden. Sie werden die Lücke also nicht schliessen, welche die wachsenden Betriebe hinterlassen.

Beiträge erhöhen

Für viele Bauern sind die Sömmerungsbeiträge essentiell. Durch eine Anhebung dieser Beiträge könnte der Bund dem Rückgang der Alpwirtschaft Gegensteuer geben, wie Wissenschaftler der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) anhand von Modellsimulationen aufzeigten.

Aus den Umfrageergebnissen leiten die Forscher Empfehlungen ab. So schlagen sie vor, die Sömmerungsbeiträge an die Entwicklung der Betriebsgrösse zu koppeln. Wächst die Durchschnittsgrösse der Bauernhöfe in der Schweiz, würde demnach der Beitrag erhöht, um auch Bauern mit genügend Heimfutter einen Anreiz zu geben.

 

(fkl/sda)

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