Beat Feuz: «Ich weiss, dass ich es kann!»
publiziert: Montag, 23. Mrz 2009 / 14:14 Uhr / aktualisiert: Montag, 23. Mrz 2009 / 15:17 Uhr

Beat Feuz, Nachwuchssportler 2005 und 2007, konnte zwei Saisons hintereinander keine Rennen bestreiten. Im Interview erzählt der dreifache Junioren-Weltmeister über den Frust nach Verletzungen, seine Perspektiven und was es mit dem «Kobold» auf sich hat.

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Beat Feuz, Ende November hast du dich im Abschlusstraining von Lake Louise am Meniskus verletzt. Wie verläuft der Heilungsprozess?

Beat Feuz: Die Operation ist gut verlaufen und bis jetzt läuft auch bei der Rehabilitation alles wie geplant. Ich bin mit dem Heilungsprozess also zufrieden.

In Lake Louise wolltest du dein Comeback geben, nachdem du bereits die ganze Saison 07/08 wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hattest. Wie frustrierend war der erneute verletzungsbedingte Ausfall?

Feuz: Dass die neue Verletzung so kurz vor meinem geplanten Comeback passierte, hat mich sehr beschäftigt und richtig genervt. Ich fragte mich ständig: Warum schon wieder ich? Zwei Sommer lang hatte ich hart trainiert, ohne schliesslich ein einziges Rennen bestreiten zu können. Nach rund zwei Wochen schaffte ich es dann, wieder nach vorne zu schauen. Ich wusste ja aus den Sommertrainings, dass ich es kann.

Ist Mentaltraining ein Thema bei dir?

Feuz: Ich selbst betreibe zurzeit kein Mentaltraining. Bis anhin gehört es zu meinen Stärken, die beste Leistung abrufen zu können, wenn es darauf an kommt. Beispielsweise an der Junioren-WM 2007, wo ich dreimal Gold gewann. Ich kann mir jedoch vorstellen, später einmal im mentalen Bereich zu arbeiten.

Was macht ein Skifahrer, wenn er nicht auf die Piste darf?

Feuz: Bei mir stehen täglich Physiotherapie und weitere Rehabilitationsmassnahmen auf dem Programm. Langweilig wird es da also nicht. Ungewohnt ist, dass ich viel öfter zu Hause bin und mehr Zeit für meine Hobbys habe. An der Spielkonsole bin ich unterdessen ein richtiger Profi.

Hast du Angst, ein «ewiges Talent» zu bleiben?

Feuz: Vor allem direkt nach einem Unfall macht man sich natürlich schon seine Gedanken. Mit meiner Karriere ist es bis im letzten Jahr stetig nach oben gegangen. Dann folgten mit den beiden Verletzungen zwei Rückschritte. Aber das gehört im Sport dazu. Ich weiss, was ich kann und glaube auch nach wie vor daran, den Sprung an die Weltspitze schaffen zu können.

Wie gehst du mit den Risiken im Skirennsport um?

Feuz: Ein gesunder Respekt vor der Piste gehört dazu. Diesen brauche ich, um die nötige Konzentration aufzubauen. Unter dem Strich wissen wir alle, worauf wir uns auf der Piste einlassen, und dass immer auch ein Risiko besteht. Direkt nach einer Verletzung ist man sehr vorsichtig. Man will alles schonen und macht sich viele Gedanken über seinen Körper. Mit jedem Tag traut man sich dann ein wenig mehr zu und schraubt so seine Belastungsgrenze weiter nach oben. Wenn man dann realisiert: ‹hey, es geht ja›, ist die Sorge um den Körper irgendwann vergessen.

Was macht für dich die Faszination Skirennsport aus?

Feuz: Für mich ist es die Kombination aus Tempo, Technik, Adrenalin und Wettkampf. Die Freude am Ski fahren gehört für mich als Grundlage dazu.

Wie bist du eigentlich zum Skisport gekommen?

Feuz: Ich wohne nur etwa 50 Meter von einem kleinen Skilift entfernt. Im Winter war es naheliegend, die Freizeit auf der Piste zu verbringen. An meine ersten Skiversuche erinnere ich mich allerdings nicht mehr. Ich war knapp zwei Jahre alt und noch sehr klein.

Du bist gelernter Maurer. Warum gerade dieser Beruf?

Feuz: Ich bin sehr gerne draussen und liebe das «Handwerkeln». Zudem konnte und wollte ich nicht den ganzen Tag still sitzen. Da kam eine Maurer-Lehre wie gerufen und ich bin stolz, diesen Abschluss zu haben. Mein damaliger Chef bot mir einen Deal an: Solange meine Schulnoten genügend waren, durfte ich während der Skisaison so oft fehlen wie nötig. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, sonst hätte ich Ausbildung und Skikarriere kaum unter einen Hut gebracht.

Du bist 2005 und 2007 zum Nachwuchssportler des Jahres gewählt worden. Was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Feuz: Das ist für mich eine riesige Sache. Das Wahlgremium besteht aus Sportjournalisten. Wenn diese dich wählen, bedeutet dass erstens, dass du ihnen aufgefallen bist und zweitens, dass du etwas geleistet hast, was nicht jeder schafft. Die Verleihung auf Schloss Lenzburg ist jeweils perfekt organisiert und der Kontakt mit den anwesenden Sportgrössen ist toll.

Dein Spitzname ist «Kobold», gibt es eine Geschichte dazu?

Feuz: Ich muss immer etwas in den Händen halten und «umespiele». Und da meistens jemand darunter leiden muss, weil ich mit seinem Gegenstand herumhantiere, hat mir einmal jemand «Kobold» gesagt. Vor allem in meinem Dorf schaut niemand komisch, wenn ich so gerufen werde. Im Skizirkus kursiert dieser Spitzname (noch) nicht.

Welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesetzt? Sind die Olympischen Spiele in Vancouver 2010 ein Thema?

Feuz: Eher weniger. Im Vordergrund steht ein gezielter Aufbau, damit ich bald an meine Trainingsleistungen vom letzten Sommer anknüpfen kann. Aber ich werde mein Bestes geben, man weiss ja nie... Ganz sicher ist Olympia in Sotschi 2014 mein grosses Ziel. Dann werde ich 27 Jahre alt sein, also im besten Skifahrer-Alter.

(mg/Sporthilfe)

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