Beat Portmann: «Durst» - Aufklärung mit Bier
publiziert: Montag, 15. Sep 2008 / 08:47 Uhr

Zürich - Emmenbrücke ist ein schwieriger Ort. Industrie, hohe Ausländerquoten und Schweizer Ängste vermengen sich zu einem brisanten Gemisch. Genau darin spielt der Kriminalroman «Durst», das Debüt von Beat Portmann.

Beat Portmanns Erstlingskrimi spielt im Milieu von Emmenbrücke.
Beat Portmanns Erstlingskrimi spielt im Milieu von Emmenbrücke.
Alles hat zwei Seiten. Hinter der oberflächlichen, viel geschmähten Hässlichkeit zeichnet sich Emmenbrücke durch eine vielsprachige Lebendigkeit aus. Diese ist auch Resultat einer Siedlungspolitik, die manchmal offen, manchmal unwillkürlich Zonen bildet, in denen sich die sozialen Probleme ansammeln.

In diesem Umfeld fühlt sich Beat Portmanns Erzähler sichtlich wohl. Hier findet er den Stoff für seine literarischen Ambitionen. Weil das nächste Buch ein Krimi werden soll, fasst er den Entschluss, sich als Privatdetektiv zu tarnen. So würde er auf einen heissen Plot stossen, glaubt er.

In den sozialen Niederungen

Und tatsächlich sieht er sich bald schon in eine ungemütliche Mordgeschichte verwickelt. Der serbische Reiseunternehmer Zoran Slavkovic wird enthauptet vorgefunden. Er lebt seit einigen Jahren in der Schweiz, als Opfer des Balkankrieges hierher geflohen.

In Emmenbrücke hat er ein Geschäft aufgebaut, dem allerdings Verwicklungen in dunkle, illegale Geschäfte nachgesagt werden. Daher ist schnell auch ein entsprechender Täter gefunden - ein Kosovare. Beat Portmann lässt seinen Helden an der offiziellen Version zweifeln.

In der balkanischen Gemeinde Emmenbrückes findet er ein paar schlecht beleumdete, doch sympathische Mitstreiter, die ihm helfen, dem Fall auf den Grund zu gehen. Dabei wird ein Chor von Stimmen laut, die den gängigen Vorurteilen widersprechen, auch wenn das Hohelied der Völkerverständigung zuweilen gar harmonisch klingt.

Ein trefflicher Abschluss

«Durst» ist ein politisch virulenter Krimi, der einige überraschende Wendungen bereit hält. Der Hobby-Privatdetektiv braucht zwar nebst vielen Bieren auch einiges Glück, damit seine Bluffs gelingen, aber darauf kommt es erst in zweiter Linie an. Der Roman zeichnet vor allem interessante «Jugo»-Figuren, die differenzierter erscheinen, als es sich Schweizer Demokraten vorstellen können.

Sprachlich überzeugt Beat Portmann in seinem literarischen Erstling nicht restlos. Zum Schluss aber löst er den Fall mit einer verblüffenden Volte, die manchen Makel glattweg vergessen macht.

Beat Portmann: Durst. Roman. Reihe Tatortschweiz. Limmat Verlag, Zürich 2008. 278 Seiten, 34.50 Franken.

(Vernissage: 24. September, 19.30 Uhr im UG des Luzerner Theaters)

(Beat Mazenauer, SFD/sda)

 
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