Belinda Bencic verzaubert die Tenniswelt
publiziert: Montag, 1. Sep 2014 / 23:42 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 2. Sep 2014 / 08:00 Uhr
Belinda Bencic: «Das ist ein Traum».
Belinda Bencic: «Das ist ein Traum».

Die 17-jährige Belinda Bencic erobert die Tenniswelt im Flug. Mit Jelena Jankovic bezwang die Ostschweizerin in der Nacht auf Montag die zweite Top-Ten-Spielerin und steht beim ersten US-Open-Start gleich in den Viertelfinals.

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Belinda Bencic, noch die Nummer 58 der Welt, war bei ihrem ersten Auftritt im grössten Tennisstadion der Welt mit über 22'000 Plätzen nur zu Beginn nervös. Sie verlor gleich ihr erstes Aufschlagspiel und lag später im ersten Satz auch 3:5 zurück. In der 3. Runde hatte sie mit der Weltnummer 7, Angelique Kerber, erstmals in ihrer noch jungen Profikarriere eine Top-Ten-Spielerin bezwungen und dabei im zweiten Durchgang fünf Satzbälle abgewehrt. Gegen Jelena Jankovic, die Nummer 10, doppelte sie nun nach. Die Ostschweizerin mit Wohnsitz in Wollerau wehrte sich auch diesmal erfolgreich gegen den Verlust des Satzes. Bei 5:3 und 6:5 verpasste die Serbin insgesamt drei Chancen, in Führung zu gehen. Stattdessen nützte die Schweizerin im Tiebreak ihren dritten Satzball zum 8:6.

Bencic ging jedes Tempo der Top-Ten-Spielerin erfolgreich mit, schlug insgesamt 30 Winner und zeigte sich auch läuferisch in blendender Verfassung. Das Publikum honorierte die Leistung der Aussenseiterin immer wieder mit Szenen-Applaus. Vor allem behielt Bencic in verblüffend cooler Art die Nerven. Im zweiten Satz verpasste sie zwei Spielbälle zum 2:0 und geriet 1:2 ins Hintertreffen. Danach aber lag sie nie mehr in Rückstand. Das vorentscheidende Break zum 3:2 verteidigte sie hartnäckig, bei 5:3 nützte sie ihren ersten Matchball mit einer unerreichbaren Rückhand nach zwei Stunden und zwei Minuten entschlossen zum Sieg.

«Das ist ein Traum», sagte sie im Platzinterview strahlend. «Im ersten Game war ich noch überwältigt von der Atmosphäre, daran muss man sich erst gewöhnen.» Als Kind habe sie die Spiele von diesem Court im Fernsehen angeschaut. «Ich danke euch allen für die grossartige Unterstützung.» Nun ist sie die jüngste Viertelfinalistin an einem Grand-Slam-Turnier seit der Tschechin Nicole Vaidisova 2006 in Paris. Am US Open war sogar seit Martina Hingis 1997 keine Viertelfinalistin mehr jünger. Hingis gewann in der Folge als 16-Jährige den dritten ihrer fünf Grand-Slam-Titel. Letzte Schweizerin in einem Grand-Slam-Viertelfinal war Patty Schnyder, die vor sechs Jahren in Flushing Meadows gegen Jelena Dementjewa verlor.

Die Vergleiche mit Hingis, die am US Open im Doppel mit Flavia Pennetta in der 3. Runde steht, kommen bei Bencic unweigerlich. Die Parallelen sind denn auch verblüffend. Beide sind im Kanton St. Gallen aufgewachsen, beide haben Wurzeln in der Slowakei - und vor allem wird Bencic seit frühester Kindheit von Hingis' Mutter Melanie Molitor trainiert. Der Jungstar geht mit den Vergleichen sehr locker um. Die 17-Jährige fühlt sich geehrt, betont aber, dass diese Fussstapfen fast unmenschlich gross sind. Aktuell macht sie jedoch selber riesige Fortschritte.

Das Jahr, ihr erstes auf der obersten Stufe der Profitour, hatte die letztjährige Junioren-Siegerin von Roland Garros und Wimbledon als Nummer 212 der Weltrangliste begonnen. Beim Australian Open, als sie sich erfolgreich für das Hauptfeld qualifiziert hatte, erstarrte sie gegen die spätere Siegerin Li Na noch fast vor Ehrfurcht. Danach erreichte sie aber bereits im April in Charleston erstmals auf der WTA Tour die Halbfinals. «Ich bin in den engen Situationen ruhiger geworden», stellt sie fest. «Das ist auch eine Frage der Erfahrung.» Und: «Die vielen Erfolge bei den Junioren in den vergangenen Jahren haben mir natürlich Selbstvertrauen gegeben.» Noch in der Woche vor dem US Open musste Bencic in New Haven die Qualifikation bestreiten, doch diese Zeiten sind vorbei. Am nächsten Montag wird sie im Ranking rund 25 Plätze gut machen.

In der Runde der letzten acht trifft sie morgen Dienstag (ca. 19 Uhr Schweizer Zeit) mit Peng Shuai (WTA 39) auf eine andere Überraschungsfrau. Die 28-jährige Chinesin schaltete in der Nacht auf Montag nach der Weltnummer 5 Agnieszka Radwanska auch die Wimbledon-Halbfinalistin Lucie Safarova aus. Nachdem zuvor schon Caroline Wozniacki, die Nummer 11 der Weltrangliste, French-Open-Siegerin Maria Scharapowa das Nachsehen gegeben hatte, sind in Bencics Tableauhälfte keine Top-Ten-Spielerinnen mehr übrig.

(fest/Si)

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