Bequem geht vor!
publiziert: Mittwoch, 30. Jun 2010 / 11:39 Uhr

Seit diesem Juni ist der neue Relax-Sessel «Marvin» auf dem Markt. Drei Jahre lang tüftelte der Schweizer Designer Christophe Marchand zusammen mit dem niederländischen Möbelhersteller Montis am Entwurf für ein bequemes und zugleich elegantes Sitzmöbel. Dass das Unternehmen damit den Vorstoss in die Entwicklung von technischen Funktionen wagt, war dabei anfangs nicht abzusehen...

« ‹Marvin› ist genau das Gegenteil von dem, was Montis ursprünglich als Sessel vorgesehen hatte», beginnt mir Christophe Marchand schmunzelnd zu erklären, als ich ihn in seinem Atelier – früher eine Produktionshalle für Textilmaschinen und jetzt eine Mischung aus Büro, Werkstätte und Showroom des Designers – in Küsnacht am Zürichsee besuche. Zu Beginn formulierte Montis die Aufgabe dahingehend, dass ein konstruktiv einfacher, wenngleich bequemer und eleganter Sessel entworfen werden sollte. Ganz ohne Technik. Diesbezüglich fehlte dem Unternehmen bislang schlichtweg jegliche Erfahrung, und entsprechende Experimente zu wagen, war nicht vorgesehen. Allerdings hatte der Möbelhersteller nicht mit dem Kampfgeist Marchands gerechnet, der von Anfang an mechanische Funktionen vor Augen hatte. «Wenn ich etwas entwerfe, verfolge ich meine Visionen radikal. Dadurch entsteht oft etwas Innovatives. Die Technik bei ‹Marvin› beispielsweise ist einmalig», erklärt der gebürtige Fribourger nicht ohne Stolz.

Die Technik

Den Anfang nahm die Zusammenarbeit zwischen dem Designer und dem Möbelhersteller mit Hauptsitz im niederländischen Dongen bereits vor drei Jahren. Montis war auf die Liege «MaRe» aufmerksam geworden, die der 45-Jährige für Wellis entworfen hatte. Funktion und formale Aussage überzeugten, und ein erster persönlicher Kontakt entstand.

Daraufhin wurde die genaue Entwurfsaufgabe formuliert, und der Designer präsentierte seine Vorschläge. Um das Unternehmen davon zu überzeugen, dass eine Mechanik zur Optimierung der Relaxfunktionen unumgänglich sei, baute Marchand zu Demonstrationszwecken einen Prototyp. Diesen stellte er zunächst ohne ästhetischen Anspruch aus bestehenden Technikteilen eines Stuhls zusammen. «Es war eine Art Sitzmaschine», kommentiert er. Und die erfüllte durchaus ihre Mission: In einem ersten Schritt stimmte Montis zu, die Rückenlehne so zu konzipieren, dass sie sich bis zu 26 Grad stufenlos nach hinten verstellen und arretieren lässt. Damit sollte zumindest schon mal ein Minimum an Komfort garantiert werden. Die unabhängige Verstellbarkeit der Kopfstütze war in diesem Zusammenhang fast schon obligatorisch.

Im Laufe der Entwicklung folgten dann noch weitere Zugeständnisse an die Technik: Verstellt man nun beim Serienmodell die Rückenlehne durch sein Eigengewicht – der stufenlose Mechanismus wird übrigens durch das Ziehen einer ledernen Lasche auf der linken Innenseite der Sitzfläche ausgelöst – senkt sich gleichzeitig die Sitzfläche automatisch nach hinten ab und öffnet somit den Winkel zwischen Sitz- und Rückenteil bis zu komfortablen 15 Prozent. Im Zuge dieser Bewegung neigt sich auch die Armlehne nach hinten. Das macht jedoch wiederum eine verstärkte Leichtgängigkeit des synchronen Zusammenspiels durch eine Gasdruckfeder erforderlich, da man sich, im Gegensatz zu feststehenden Armlehnen, daran nicht mehr so leicht abstossen kann. «Und wozu dient die rechte Lederschlaufe am Sitz?», frage ich, als ich das Möbel Probe liege. «Durch Ziehen wird automatisch eine zusätzliche Fussstütze ausgefahren», wird mir kurz und bündig erklärt. «Herrlich, genau die richtige Position für ein Nickerchen», geht es mir durch den Kopf. Aber das nur so nebenbei…

Dass der Hochlehner trotz dieser ganzen Annehmlichkeiten elegant und in keinerlei Weise technisch wirkt, liegt mitunter an der Unsichtbarkeit der Entspannungsfunktionen. Aber auch an der Silhouette, die sich aus der harmonischen Linienführung der Armlehnen und dem hohen Rückenteil ergibt. «Ein wichtiger Aspekt war in diesem Zusammenhang die Idee einer optisch voneinander getrennten Innen- und Aussenschale, also zwei Flächen, die das Volumen des Möbels definieren und deren Nahtlinie massgeblich über die grazile Erscheinung entscheidet», so Marchand.

Von der Skizze zum Serienmodell

Der Weg von der ersten Skizze zum seriellen Möbel war ein langes Prozedere. Drei Jahre lang, wie eingangs erwähnt. Kistenweise Zeichnungen und Dutzende Modelle – vom kleinen Arbeitsmodell aus Pappe oder Kunststoff (Rapid Prototyping) bis hin zum 1:1- Möbel – zeugen von diesem Entwicklungsprozess und füllen ganze Regale im Atelier. Als der erste Prototyp seitens des Herstellers entstand, ging es zuerst einmal um die optische Definition des Sessels. Das Grundgestell aus Stahlrohr, in das als Sitzfläche ein Rahmen mit Nossag-Federn eingelegt wurde, liess sich also noch nicht bewegen.

Das Gerüst wurde Schicht um Schicht mit Schaumstoff aufgebaut, um sich nach Augenmass an die Zeichnungen des Designers und dessen vorgegebenen Konturen heranzutasten. Um gleichzeitig die Bequemlichkeit zu überprüfen, wurde der Sessel unter anderem von zahlreichen Montis-Mitarbeitern unterschiedlicher Statur getestet. Fotos wurden gemacht, Rücksprache mit dem Designer gehalten: «Wir sind mit dem ersten Prototyp fertig. Ist der okay so?»
«Nein, das sieht noch nicht gut aus.»
«Du hast Recht, das sollten wir noch mal überarbeiten.»
«Kannst du morgen vorbeikommen?»
«Gut, ich komme!»

Ein schneller, konstruktiver Austausch begann – per Telefon, E-Mail, Fax. Linien und Konturen wurden immer wieder geprüft und korrigiert, bis alles genau definiert war. Anschliessend generierte man den Sessel als 3-D-File am Computer noch einmal neu, um für die Serienproduktion eine entsprechende Form herzustellen, in die das Stahlrohrgestell einfach eingelegt und mit Polyurethan ausgeschäumt werden konnte. (Im Gegensatz zur Möbelindustrie wurde dieses Verfahren übrigens in der Autoindustrie mittlerweile verboten, da sich die Einzelteile der Sitze dadurch nicht mehr voneinander trennen und recyceln lassen).

Zu guter Letzt galt es, passgenaue Bezugsschnitte anzufertigen, deren Nahtbild den grazilen Korpus des Möbels unterstützen sollten. Im Rückenteil beispielsweise ist deshalb eine Naht entstanden, die einer Taille nachempfunden wurde und mittig etwas zusammenläuft.

Seit Mai steht der Entspannung also nichts mehr im Wege – sofern man sich nicht nur für die abgespeckte Sessel-Variante ohne Funktionen entscheidet. «Aber das wäre wirklich zu schade», denke ich mir so im Stillen.

(Susanne Lieber/Wohnrevue)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Self Checkout Kassen Lidl Schweiz
Self Checkout Kassen Lidl Schweiz
Publinews Digitalisierung im Einzelhandel  Weinfelden - Ab dem 3. Oktober wird Einkaufen für Kunden von Lidl Schweiz noch flexibler und schneller. Im Hinblick auf eine schweizweite Einführung werden in der Filiale Weinfelden sogenannte Self Checkout Kassen getestet, wo die Kunden die Möglichkeit haben, ihren Einkauf selbständig zu scannen und im Anschluss zu bezahlen. mehr lesen  
Jeder von uns kennt dieses Gefühl, wenn man morgens nach einer erholsamen Nacht mit ausreichend Schlaf wach wird und am liebsten Bäume ... mehr lesen  
Kapok-Kissen «Java»: Durch den hohen Luftgehalt der natürlichen Hohlfaser Kapok ist dieses Kissen äusserst atmungsaktiv und hat eine gute Wärmehaltung.
Mit der richtigen Laufgarderobe zu mehr Erfolg.
Publinews Laufen ist in der Schweiz und ganz Europa ein Volkssport, der stetig neue Anhänger gewinnt. Von kleinen Events bis zum Marathon gibt es viele ... mehr lesen  
Publinews Immer häufiger kommt sie in Alltag, Urlaub oder bei der Arbeit zum Einsatz. Kein Wunder, denn sie bietet eine Vielzahl an Leistungen und Extras. Die Kreditkarte existiert ... mehr lesen  
Weltweite Einsetzbarkeit, hohe und bargeldlose Zahlungssicherheit - die Kreditkarte überzeugt seit jeher mit vielseitigen Vorteilen.
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich -1°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, aber kaum Regen
Basel 1°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen -2°C 5°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeregenschauer
Bern -1°C 4°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeregenschauer
Luzern 0°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 1°C 4°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 3°C 5°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten