Bereit zum Sprung in die Halbfinals
publiziert: Donnerstag, 6. Apr 2006 / 00:30 Uhr

Basel steht vor dem letzten Schritt zu einem beachtlichen Coup: Verteidigt der FCB am Donnerstag (21.00 Uhr) im Rückspiel der UEFA-Cup-Viertelfinals in Middlesbrough das komfortable 2:0 aus dem Hinspiel, steht er als erster Schweizer Klub seit 1978 in einem Europacup-Halbfinal.

Während sich in der Schweiz der Winter am Mittwoch mit einem eindrücklichen Comeback zurückmeldete, sind die Frühlingsgefühle im FC Basel längst erwacht. Das Ensemble von Trainer Christian Gross hat nicht nur den dritten Meistertitel in Folge im Visier, sondern setzt -- erstmals seit dem Champions-League-Herbst 2002 -- auch zum Sprung an, die europäische Bühne zu erobern. Auf dem Weg in die UEFA-Cup-Halbfinals, dem erstmaligen Vorstoss in der Klubgeschichte unter die letzten vier in einer europäischen Konkurrenz, ist die aufgestellte Hürde vor dem Rückspiel im Riverside-Stadium weniger hoch als nach der Auslosung vermutet worden war.

Auswärts immer getroffen

Der Zwei-Tore-Vorsprung und das «zu Null» vor sechs Tagen lassen Christian Gross aber nicht zur geringsten Nachlässigkeit verleiten. «Wir werden mit der Idee ins Spiel gehen, es stehe noch 0:0. Und natürlich wollen wir ein Tor erzielen. Das ist extrem wichtig.» Seit der 0:2-Niederlage im Februar 2005 in Lille hat der FCB im UEFA-Cup in fünf Auswärtsspielen in Serie jeweils mindestens einen Treffer geschossen.

Und sollte den Baslern auch gegen den 13. der Premier League ein Auswärtstor gelingen, steht die Tür zur Qualifikation noch weiter offen. Gross hofft dabei auf die Räume, die Middlesbrough dem FCB zwangsläufig zugestehen wird. «Die Regel mit den Auswärtstoren setzt Middlesbrough unter Druck. Sie müssen die Offensive suchen.» Gross stellt sein Team auf eine Partie ein, die den Bebbi physisch alles abverlangen wird, und in der die zuletzt so solide FCB-Defensive um den magistralen Abwehrchef Daniel Majstorovic gefordert sein wird.

«Ich erwarte Middlesbrough extrem angriffig, mit zwei Stürmern und zwei offensiven Mittelfeldspielern auf den Seiten.» Äusserst wichtig werde aber nicht nur die defensive Stabilität, sondern auch die Fähigkeit sein, auf einen möglichen Tiefschlag reagieren zu können. «Sollten wir ein schnelles Gegentor kassieren, muss das Team sein Spiel weitermachen. Dann dürfen wir nicht plötzlich die Konzentration und den Glauben an uns verlieren. Die Mannschaft ist so weit, dass ich von ihr verlangen und erwarten kann, dass sie nicht umfällt, wenn sie in Rücklage gerät.»

Schlechtes Vorbild Xamax

In Rücklage geraten sind Schweizer Mannschaften im Europacup in der Vergangenheit selten, wenn sie auswärts ein 2:0 verteidigen durften. Über 90 Prozent der Schweizer Mannschaften haben im Europacup eine solche Führung nicht mehr Preis geben müssen; die letzte Equipe, die eine ähnlich komfortable Vorgabe verspielte, war Neuchâtel Xamax, das 1988 unter Gilbert Gress im Meistercup gegen Galatasaray Istanbul das 3:0 aus dem Hinspiel nicht zum Vorstoss in die nächste Runde nützte. Die Neuenburger verloren damals unter skandalösen Um- und Missständen am Bosporus 0:5.

Von einer Wende dieser Art spricht in diesen Tagen in Middlesbrough jeder, doch den Glauben daran können nicht mehr viele aufbringen. «Die Erwartungen sind nicht sehr gross. Doch ich und die Mannschaft, wir sind überzeugt, dass dieses Duell noch längst nicht entschieden ist», sagte Middlesbroughs Coach Steve McClaren.

ManU, Chelsea und ... Basel?

Im Rock Liff Park in Hurworth, dem idyllischen Trainingszentrum von «Boro» rund 30 km vor den Toren der Industriestadt gelegen, ist McClaren in den letzten Tagen nicht müde geworden, sich, dem Team und der Presse einzuschärfen, dass ein hoher Sieg möglich ist. «Wir sind fähig, drei Tore zu erzielen. Wir haben vorne viel Qualität.» Es gibt grössere Vereine als der FCB, die das in dieser Saison erleben mussten. Manchester United verliess das Riverside mit einer 1:4-Packung und Meister Chelsea verlor in Middlesbrough 0:3.

Welchem Personal McClaren die Aufgabe erteilen wird, das Unmögliche möglich zu machen, scheint ziemlich offen. Vom Team, das in Basel vor einer Woche so enttäuschte, fehlten am vergangenen Sonntag beim 1:0 gegen Manchester City sieben Spieler. Die junge Garde begeisterte dabei derart, dass McClaren hinterher vom besten Spiel der Saison sprach. Es ist immerhin anzunehmen, dass der im Hinspiel verletzte Captain Gareth Southgate (35) und der holländische Stürmer Jimmy Floyd Hasselbaink (33) wieder zur Startformation gehören werden.

Ein Mix aus Routiniers (Southgate, Hasselbaink, Boateng) und Youngsters (Cattermole, der allerdings am Mittwoch das Training wegen einer Knöchelverletzung abbrechen musste, Downing und Morrison) soll Middlesbrough in die Halbfinals bringen und die «schönste Woche der Klubgeschichte» einleiten. Innerhalb von sieben Tagen hoffen sie in Middlesbrough auf drei grosse Siege im Riverside: Nach dem FCB soll in der Meisterschaft Nachbar Newcastle United niedergerungen werden, danach wird im FA-Cup gegen Charlton Athletic der Vorstoss in die Halbfinals angestrebt. Sieben Tage, drei grosse Siege -- und dann ist auch in Middlesbrough Frühling. Im Gegensatz zur Schweiz hat sich im Nordosten Englands die Sonne jedenfalls schon am Mittwoch gezeigt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Basel: Zuberbühler; Zanni, Majstorovic, Smiljanic, Berner; Ba/Ergic; David Degen, Delgado, Petric, Chipperfield/Sterjovski; Eduardo. -- Abwesend: Murat Yakin, Mesbah und Carignano (alle verletzt).

Middlesbrough: Schwarzer: Parnaby, Southgate, Rigott, Queudrue/Taylor; Morrison, Boateng, Cattermole/Parlour, Downing; Hasselbaink, Yakubu. -- Abwesend: Mendieta und Pogatetz (beide verletzt). -- Fraglich: Queudrue und Cattermole.

(Stefan Wyss, Middlesbrough/Si)

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