In eigener Wohnung verschanzt
Berner «Heiler» von der Polizei umzingelt
publiziert: Freitag, 15. Mrz 2013 / 08:04 Uhr
Das Gebiet um das Wohnhaus des Mannes in Bern bleibe weiträumig abgesperrt. (Symbolbild)
Das Gebiet um das Wohnhaus des Mannes in Bern bleibe weiträumig abgesperrt. (Symbolbild)

Bern - Statt vor Gericht zu erscheinen, hat sich der «Heiler von Bern» gestern Nachmittag in seiner Wohnung verschanzt. Die Polizei ist weiterhin mit einem Grossaufgebot vor Ort. Ein Ende des Polizeieinsatzes ist nicht absehbar.

6 Meldungen im Zusammenhang
Die Nacht sei jedoch ruhig verlaufen, sagte Daniela Sigrist von der Kantonspolizei Bern auf Anfrage. Das Gebiet um das Wohnhaus des Mannes in Bern bleibe weiträumig abgesperrt.

Der Mann ist bewaffnet. Die Polizei hatte ihn im Verlauf des Nachmittags verschiedentlich gesichtet und ist mit ihm in Kontakt getreten.

Einmal kam der Angeschuldigte, bewaffnet mit einem Schwert und einem Messer kurz nach draussen, verschwand dann aber wieder im Haus. Die Polizei habe er bei seinem kurzen Auftauchen nicht angegriffen, sagte Andreas Hofmann, Sprecher der Berner Kantonspolizei an einem Point de Presse vor Ort.

«Physisch und psychisch erschöpft»

Der Angeklagte war gestern Morgen zum zweiten Mal in Folge nicht vor Gericht erschienen. Er leide an einer «akuten psychischen und physischen Erschöpfung», hiess es in einer E-Mail, die der Verteidiger dem Gericht vorlegte und die von der Ärztin des Mannes stammen soll. Bis Ende Woche könne er dem Prozess nicht beiwohnen.

Damit gab sich das Gericht nicht zufrieden. Es liege kein eigentliches Arztzeugnis vor, stellte Gerichtspräsident Urs Herren fest. Das Gericht wollte «wissen, was Sache ist» und stellte deshalb einen Vorführungsbefehl aus.

Als die Polizei den selbsternannten «Heiler» an seinem Wohnort in Bern abholen wollte, habe dieser sich nicht kooperativ verhalten, sagte ein Polizeisprecher.

Der Mann befand sich bislang auf freiem Fuss. Die bernische Justiz hatte ihm ursprünglich auferlegt, den Kanton nicht zu verlassen und sich jeden Tag persönlich bei der Polizei zu melden. Das Bundesgericht strich aber die meisten Auflagen wegen Unverhältnismässigkeit.

15 Jahre gefordert

Ungeachtet der Polizeiaktion wurde der Prozess gegen den selbsternannten Heiler und Musiklehrer am Regionalgericht Bern-Mittelland am Donnerstagnachmittag fortgesetzt. Dem Angeschuldigten wird vorgeworfen, 16 Menschen vorsätzlich mit HIV infiziert zu haben. Er bestreitet alle Vorwürfe.

Staatsanwalt Hermann Fleischhackl forderte am Nachmittag in seinem rund fünfstündigen Plädoyer die höchstmögliche Freiheitsstrafe von 15 Jahren. «Direkte Beweise» für die Schuld des Angeklagten gebe es zwar nicht, räumte der Staatsanwalt ein.

Die Indizienkette spreche aber eine klare Sprache. Alle Indizien zusammen liessen jeden vernünftigen Zweifel an der Schuld des «Heilers» ausschliessen.

«Taten minutiös vorbereitet»

«Der Beschuldigte hat seine Taten minutiös vorbereitet», betonte Fleischhackl. Dabei sei er skrupellos vorgegangen und habe das Vertrauen seiner Musikschüler und Patienten missbraucht.

Warum der Beschuldigte die Menschen infiziert habe, sei unklar, räumte Fleischhackl ein. Doch für eine Verurteilung müsse einem Täter bekanntlich auch kein Motiv nachgewiesen werden.

Der Prozess wird heute Nachmittag mit den ersten Plädoyers von Opferanwälten fortgesetzt. Die Verteidigung ist am kommenden Montag am Zug. Das Urteil wird am nächsten Donnerstag (21.) oder Freitag (22. März) erwartet.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Die Polizeiaktion vor dem ... mehr lesen
Das Gebiet ist weiterhin abgesperrt. (Symbolbild)
Bern - Im Berner «Heiler»-Prozess fordert der Staatsanwalt eine 15-jährige Freiheitsstrafe. Der Angeklagte sei wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung und vorsätzlichen Verbreitens menschlicher Krankheiten zu verurteilen. mehr lesen  1
Der Therapeut habe dem HIV-infizierten Mann regelmässig Blut entnommen.
Bern - Im Berner Heiler-Prozess ist ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bern - Der «Heiler von Bern» hat am ... mehr lesen
Der «Heiler von Bern» hat am Montag vor Gericht seine Unschuld beteuert. (Symbolbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Zahl der Einbrüche ist in der Schweiz seit Jahren rückläufig. So viel zu den guten Nachrichten. Damit das auch so bleibt, ist es wichtig, grundsätzlich auf gutes Material an den Schwachstellen (Türen, Fenster, Tore) zu setzen und zusätzliche Sicherungen zu installieren.
Die Zahl der Einbrüche ist in der Schweiz ...
Publinews Smarter Einbruchschutz  Nahezu alle Diebstahlkategorien weisen eine rückläufige Tendenz auf. 2017 wurden in der Schweiz 4,9 Einbrüche pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt. Das entspricht 113 Einbruch- und Einschleichdiebstählen pro Tag. 2012 lag diese Zahl bei 202. mehr lesen  
Opfer weiterhin vermisst  Rafz ZH - Die Kantonspolizei Zürich hat am Dienstagvormittag in Rafz ZH zwei Personen verhaftet: Sie stehen unter dem dringenden Verdacht, einen seit dem 22. April vermissten Mann aus Eglisau getötet zu haben. mehr lesen  
Deutlich höhere Zahl  Sydney/London - Mindestens 45,8 Millionen Menschen leben zurzeit weltweit in modernen ... mehr lesen  
In Indien hat es 18,3 Millionen Sklaven.
Der 22-jährige befindet sich seit Samstag auf der Flucht. (Symbolbild)
Flüchtiger Mörder  Aarau - Der flüchtige Mörder, der aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Windisch AG ausgebrochen ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • paparazzaphotography aus Muttenz 1
    Foto Sanatorio Liebes news.ch Team, es ist für mich eine Ehre dass sie mein Foto des ... Di, 03.01.17 22:12
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 0°C 16°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeregenschauer
Basel 1°C 16°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 3°C 13°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Schneeschauer
Bern 0°C 15°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeregenschauer
Luzern 1°C 15°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Schneeregenschauer
Genf 2°C 16°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Lugano 7°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen trüb und nass
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten