Fortpflanzungsmedizin
Berset wirbt für Zulassung der Präimplantationsdiagnostik
publiziert: Montag, 23. Mrz 2015 / 12:09 Uhr / aktualisiert: Montag, 23. Mrz 2015 / 12:32 Uhr
Viele verzichteten heute auf ein Kind, weil sie ihre Krankheit nicht weitergeben wollten, sagte Gesundheitsminister Berset.
Viele verzichteten heute auf ein Kind, weil sie ihre Krankheit nicht weitergeben wollten, sagte Gesundheitsminister Berset.

Bern - Im Juni stimmt die Schweiz über die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik ab. Bundesrat Alain Berset hat für die Vorlage geworben, auch wenn sich die Regierung eine weniger weit gehende Liberalisierung gewünscht hätte.

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Präimplantationsdiagnostik (PID), die Untersuchung künstlich befruchteter Embryos vor der Einpflanzung in den Mutterleib, ist heute grundsätzlich verboten. Das Verbot soll mit einer vom Parlament beschlossenen Gesetzesänderung aufgehoben werden. In einem ersten Schritt muss dafür die Verfassung geändert werden, und nur darüber wird am 14. Juni abgestimmt.

Heute dürfen gemäss Verfassung nur so viele Embryos ausserhalb des Mutterleibs entwickelt werden, wie direkt in die Gebärmutter eingepflanzt werden können. Aus medizinischen Gründen ist die Zahl damit auf drei beschränkt. «De facto bedeutet dies ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik», sagte Berset am Montag vor den Medien in Bern.

Zulassung in zwei Schritten

Gemäss dem neuen Verfassungstext wäre die Befruchtung so vieler Einzellen zulässig, wie «für die medizinisch unterstützte Fortpflanzung notwendig sind». Das vom Parlament bereits beschlossene Gesetz begrenzt diese Zahl auf zwölf. Gleichzeitig erlaubt es das Einfrieren befruchteter Eizellen, die nicht sofort verwendet werden.

Kern der Gesetzesänderung ist jedoch die Zulassung von Untersuchungen ausserhalb des Mutterleibs. Der Bundesrat wollte diese Möglichkeit lediglich für jene Paare schaffen, die bekanntermassen Träger schwerer Erbkrankheiten sind. Viele von ihnen verzichteten heute auf ein Kind, weil sie ihre Krankheit nicht weitergeben wollten, sagte Gesundheitsminister Berset.

Das Parlament entschied jedoch, dass alle Paare, die auf Methoden der künstlichen Befruchtung zurückgreifen, die Embryos vor der Einpflanzung auf Erbkrankheiten und Chromosomenanomalien untersuchen lassen dürfen. Statt 50 bis 100 sind das rund 6000 pro Jahr.

Entlastung für Paare

Dafür wurden unterschiedliche Gründe ins Feld geführt: Die Einpflanzung eines gesunden Embryos erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Schwangerschaft. Der Frau werden dadurch erfolglose Behandlungen erspart.

Zudem wird unbefriedigende Rechtslage korrigiert, dass Embryos zwar nicht im Reagenzglas, wohl aber später im Mutterleib untersucht werden dürfen. Eltern könnten sich dadurch mit der schwierigen Frage eines Schwangerschaftsabbruchs konfrontiert sehen, sagte Berset.

Und schliesslich soll mit der Revision der so genannte PID-Tourismus eingedämmt werden: Weil in anderen Ländern weniger strenge Regeln gelten, weichen viele Paare für künstliche Befruchtungen und Untersuchungen ins Ausland aus. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht.

Grenzen der Machbarkeit

Diese Argumente können die Bedenken der Gegner aus kirchlichen Kreisen und der Skeptiker der grenzenlosen Machbarkeit nicht zerstreuen. Sie lehnen jede Selektion ab, weil sie eine Unterscheidung von wertem und unwertem Leben für unzulässig halten.

Sie befürchten auch einen «Zwang zum gesunden Kind»: Viele Eltern könnten sich unter gesellschaftlichem Druck zu Untersuchungen an Embryos praktisch gezwungen sehen. Nach Ansicht der Gegner ist es von da nicht mehr weit zum «Designer-Baby» und zur Eugenik. «Die Frage lässt niemanden kalt», sagte Berset.

Die EVP will gegen das Gesetz das Referendum ergreifen. Bei der CVP, in kirchlichen Kreisen und einem Teil der Behindertenorganisationen ist die Skepsis ebenfalls gross. Die Referendumsfrist beginnt aber erst nach Annahme des geänderten Verfassungsartikels zu laufen. Eine allfällige Abstimmung würde laut Berset nicht mehr dieses Jahr stattfinden.

Der Bundesrat werde dabei die Beschlüsse des Parlaments unterstützen, erklärte Berset. Dieses will mit der Liberalisierung zwar weiter gehen als von der Regierung geplant, setzt aber immer noch enge Grenzen. So kam etwa für die so genannten Retterbabys keine Mehrheit zustande. Auch die Selektion nach bestimmten Eigenschaften bleibt verboten.

(flok/sda)

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Interessant.
"denn Intelligenz, Homosexualität, Schwachsinn oder auch irgendwelche anderen Charaktereigenschaften kann man nicht in den Genen nachweisen."

Dann ist also Homosexualität doch nicht angeboren, sondern erworben? Da ist das Zebu für einmal gleicher Meinung wie die Kirche.

Schwachsinn auch nicht?
Kann man Schwachsinn erwerben? Das ist mir relativ neu.

Gratulation ans Zebu. Man lernt nie aus im Plättlizoo.
Schön ist Ihre Entschuldigng
beim BR Berçet. Was bedeutet, dass Sie Ihren Fehler, auf den ich Sie aufmerksam machte, doch noch rechtzeitig eingesehen haben, nachdem Sie sich zuerst noch mit ziemlich ausfälligen Verbalattacken gewehrt hatten. Ein kleiner Lichtblick, Jorian!

Wenn Sie meine Kommentare besser verfolgt hätten, dann wüssten Sie, dass ich Dummheit für eine Gabe Gottes halte. Was kann ich denn nun dafür, dass Gott Sie, Jorian, weitaus grosszüger damit beschenkt hat, als die meisten anderen Menschen?

(Sie "sitzen vor dem PC und lachen sich einen ab?" So was schreiben Sie wirklich? Primitiv sind Sie also auch noch!)
Übertreiben Sie es nicht damit, es sollen sich schon Menschen totgelacht haben.
Ich halte mich an diese Weisheit: "Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben." Und Sie sind nun mal meistens zum Heulen, also Lebenslust fördernd.

Schönen Sonntag Jorian!
Sehr geehrter Herr Berset!
Sollten Sie das Gefühl haben, dass ich Sie angreifen wollte, tut es mir leid!

Grüsse aus Dulliken;-)))
Noch etwas lustiges für Sie!
Ich bin Ausländer. Ich lasse mich auch nicht einbürgern, weil zu viel seltsame Typen eingebürgert worden sind.

Wenn einer noch den CH-Pass bekommt der sagt:"Mädchen müssen wenn sie das erste Mal die Menstruation haben heiraten, alle Schwulen muss man erschiessen!

Ja wenn so einer den CH-Pass bekommt habe ich Mühe!

Es genügt doch schon wenn gewisse religiöse Fanatiker, die sich Eidgenossen schimpfen, so etwas rauslassen.

Wie kommen Sie drauf, dass ich etwas gegen Herrn Berset habe?
hahahahahah
nein wer Sie noch voll nimmt ist selbst dumm!

Ich sitze vor dem PC und lache mir einen ab!

Ich denke, Sie schreiben hier nur um Krawall zu schlagen!
Eine Schande ist es, den Berçet mit Rassenhygieniker
in Verbindung zu bringen!

Was hat die heutige pränatale Diagnostik mit der Rassenhygiene zu tu?
Nichts!
Die Rassenhygieniker der vergangen Zeit hatten nicht die Möglichkeit, Gene zu untersuchen. Was die verbrochen haben, ist in keinem Falle mit der heutigen, vom Bundesrat vorgeschlagen pränataler Diagnostik zu tun.
Niemand soll sterilisiert werden, niemand will eine Auslese, denn Intelligenz, Homosexualität, Schwachsinn oder auch irgendwelche anderen Charaktereigenschaften kann man nicht in den Genen nachweisen. Es wird auch weiterhin von dummen Zeitgenossen nur so wimmeln, was auch gar nicht verhindert werden soll, jeder, auch Allerdümmste hat ein Recht zu leben. Die Sexuelle Ausrichtung ist heute in jedem zivilisierten Staat geschützt. Das ist ja gerade das Verbrechen dieser unseligen Hitlers und andern Konsorten, die sich ein Recht herausnahmen, die Menschheit „geistig und körperlich“ zu „reinigen. Es geht bei der prädiagnostischen Diagnose schon gar nicht darum, Menschen zu töten oder zu sterilisieren, ganz gleich, welche Krankheit sie haben. Es geht auch nicht um Abtreibungen irgendwelcher Art und Gewalt an lebenden Personen!
Nein und nochmals nein, das hat nichts mit der von Berçets pränatalen Dignostik zu tun.
Bei der prädiagnostischen Diagnose geht es ja lediglich darum, einer Frau ein befruchtetes Ei einzupflanzen, das keine genetisch nachweisbaren Anomalien aufweist. Es ist das Recht jeder Frau, über das zu bestimmen, was in sie „hineingepflanzt“ wird. Ich würde niemals etwas in mich einsetzen lassen, das ich nicht ganz genau kenne und von dem ich weiss, dass es nach bestem Wissen und Gewissen gesund ist.
Gerade der Link unseres allergescheitesten Jorian zeigt wieder einmal, dass er die Zusammenhänge entweder nicht versteht oder mit Absicht die Sache mit Euthanasie in Verbindung bringen will. Sein Film aus dem ARD Fernsehen hat nichts, aber auch gar nichts mit der Pränatalen Diagnostik zu tun, nicht das Geringste. Niemand wird hier Gequält, bevormundet oder zwangsweise behandelt oder gar umgebracht. Es hier lediglich um die Freiheit der Frau, über ihren Körper und was man diesem einführt frei und selbst zu bestimmen.

Es ist eine Schande und zeigt wieder einmal, wie bösartig und verlogen einige Blogger hier vorgehen. Den Berçet mit den Rassenhygienikern in Verbindung zu bringen ist eine Verleumdung der allergemeinsten Art. Man sollte gegen solche Verleumder wirklich vorgehen können.
Am Thema vorbei! Wer hat die Rassenhygiene erfunden?
Ein Mal mehr, keine einfache Kost!

https://www.youtube.com/watch?v=Bx6wEiIVxDE
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