Besser organisiert und prominent platziert
publiziert: Freitag, 15. Okt 2004 / 08:01 Uhr

Die Schweizer Snowboarder haben einen grundlegenden Transfer vollziehen müssen. Nach dem Konkurs des eigenen Verbandes sind die ehemaligen "Freidenker" ins bedeutend strukturiertere Organigramm von Swiss-Ski eingegliedert worden. Eine Momentaufnahme.

Franco Giovanoli, der neue Head-Coach der Boarder.
Franco Giovanoli, der neue Head-Coach der Boarder.
Mindestens auf dem Papier erhielten die Neuankömmlinge im Dachverband der national breit anerkannten Skifahrer einen Status zugesprochen, den sie gewiss nicht erwarten durften. Die Brettspezialisten wurden (organisatorisch) auf gleicher Ebene wie die Alpinen und die Nordischen positioniert.

Ihre Erfolge im "alten" Kostüm haben scheinbar nicht nur in der eigenen Szene Eindruck hinterlassen. Medaillengaranten und Olympiasieger geniessen offenkundig auch in anderen Wintersport-Revieren eine gewisse Popularität.

"Wir wurden gut aufgenommen und auch dementsprechend unterstützt", erklärte Franco Giovanoli, der neue Head-Coach der Boarder, im Rahmen eines ersten gemeinsamen Auftritts mit Swiss-Ski in Bern. Der Bündner hat die Einteilung einerseits als Wertschätzung seiner Athleten verstanden, zum andern seien so die Voraussetzungen gegeben, einen wichtigen Schritt vorwärts zu machen. "Und meine Aufgabe ist es sicherlich auch, dafür zu sorgen, dass Snowboard den aktuellen Stellenwert behalten kann."

Höheres Budget in Sicht

Giovanoli weiss als langjähriges Mitglied des kollabierten Swiss Snowboard die neuen Vorzüge und (Finanz-)Kanäle zu schätzen. Im vergangenen Frühling standen er und seine Fahrer praktisch mit leeren Händen und Taschen da, nachdem der Snowboard-Verband aus diversen Gründen den Konkurs nicht mehr abzuwenden vermochte.

Wenige Monate später braucht sich die Elite plötzlich nicht mehr damit zu beschäftigen, wer die Flugkosten berappt, wer für die Kosten der Physio-Therapeuten aufkommt und die Serviceleute bezahlt.

500 000 Franken stehen Giovanoli für den kommenden Winter zur Verfügung. An sich kein grosser Betrag für eine Crew mit 30 Fahrern, aber doch bedeutend mehr als in der vergangenen Saison. Als die Integration beschlossen wurde, hatte Swiss-Ski das Budget bereits verabschiedet. Deshalb blieb wenig Spielraum. Dank Swiss Olympic und verschiedenen Sonderbeiträgen gelang die Bereitstellung minimaler Mittel gleichwohl. Mittelfristig können die besten Schweizer der FIS-Tour wohl mit einer Budgetaufstockung um eine Million rechnen.

Mehrere prominente Vertreter von Swiss-Ski, darunter Gian Gilli (Chef Leistungssport), sprachen ausdrücklich von einem Übergangsjahr. Die Annährungsphase ist mit dem Eintritt in den Verband selbstredend nicht abgeschlossen. Die Verantwortlichen werden nach Lösungen suchen, die bislang (und weiterhin) ausgesprochen individuell gesponserten Sportler ins sogenannt horizontale Sponsoringkonzept einzubinden. Ziel wird sein, dass der Hauptgeldgeber von Swiss-Ski in allen Disziplinen (Alpin, Nordisch, Snowboard) aktiv ist.

Nicht alle im neuen Lager

Viel, um nicht zu sagen alles, hängt letztlich vom Ertrag auf der Piste ab. Deshalb hat Swiss-Ski so viel Know-how wie möglich, aber keine Schulden des früheren Partners übernommen. Neben Giovanoli stehen im Coaching-Staff künftig auch Harald Benselin (Boarder-Cross), Marco Bruni (Halfpipe) und Denis Giger (Nachwuchs-Projekte), drei langjährige Mitarbeiter von Swiss Snowboard, auf der Lohnliste. Bei den Fahrern wechselten im Alpin die zahlreichen Leader ausnahmslos das Lager -- auch deshalb, weil ihnen in ihrem kärglichen Markt gar keine andere Alternative blieb.

Im wesentlich publikumsfreundlicheren Freestyle und Boarder-Cross hingegen fehlen einige prominente Namen (Nicolas Müller, Gian Simmen, Reto Kestenholz, Dani Costandaché, Ueli Kestenholz) in den Kaderlisten.

Mit weitem Blick auf die Olympischen Spiele 2006 und dem Verständnis für Starts bei der Industrie-Tour "Ticket to Ride" offerierte Swiss-Ski den betreffenden Spitzen-Athleten "einmalige" (Giovanoli) Wildcards, um sich mit ausgewählten Rennen die Berechtigung des Weltcup-Status zu sichern; Simmen und Ueli Kestenholz sagten bislang zu.

Die Grundlagen und Strukturen zu einem vernünftigen Neuanfang der im Frühling finanziell abgestürzten Boarder-Gemeinde scheinen durchaus vorhanden zu sein. Bisher verlief die Integration der einstigen Querdenker ohne grosse Nebengeräusche ab.

Abzuwarten bleibt, ob sich die traditionellen (und im einen oder anderen Fall vielleicht eher konservativen) Vertreter der Schneesport-Familie mit dem neuen, in jüngerer Vergangenheit sportlich erfolgreicheren, aber dilettantisch geführten Adoptivkind wirklich anfreunden können.

FIS-Weltcup

16./17. Oktober 2004: Sölden (Ö) PGS. -- 24. Oktober: Landgraaf (Ho) PSL. -- 29./30. Oktober: Saas-Fee HP, SBX. -- 4. Dezember: Kronplatz (It) PGS. -- 10./11. Dezember: Avoriaz (Fr) SBX, PGS. -- 15. Dezember: Nassfeld-Hermagor (Ö) SBX. -- 17. Dezember: Bad Gastein (Ö) PSL. -- 18. Dezember: Klagenfurt (Ö) BA.

7. Januar 2005: St. Petersburg PSL. -- 9. Januar: Moskau BA. -- 29. Januar: München BA. -- 1. Februar: Maribor (Sln) PGS. -- 5./6. Februar: Winterberg (De) BA, PSL. -- 10./11. Februar: Bardonecchia (It) PGS, HP. -- 12. Februar: Turin BA. -- 18. bis 20. Februar: Sapporo-Makomanai (Jap) PGS, PSL, HP. -- 25./26. Februar: Sungwoo Resort (SKor) PSL, HP. -- 4. bis 6. März: Lake Placid (USA) PGS, HP, SBX. -- 11./12. März: Sierra Nevada (Sp) SBX, PSL. -- 16. bis 19. März: Tandadalen (Sd) PGS, SBX, HP, BA.

WM

15. bis 23. Januar 2005 in Whistler Mountain (Ka) SBX, PGS, PSL, BA, HP. -- Junioren-WM: 4. bis 8. April 2005 in Arosa BA, SBX, HP, PGS.

Legende: HP = Halfpipe, PGS = Parallel-Riesenslalom, PSL = Parallel-Slalom (Duel), SBX = Snowboardcross, BA = Big Air (nur Männer).

(von Sven Schoch/Si)

 
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