Betrugsfall: 557 Personen um 10 Millionen Dollar betrogen
publiziert: Mittwoch, 17. Dez 2008 / 13:49 Uhr

St. Gallen (sda) Das Kreisgericht St. Gallen hat am Mittwoch einen Betrugsfall à la Madoff verhandelt: Angeklagt sind ein Holländer und ein Engländer, die Ende der 1990er-Jahre über 500 Personen um knapp 10 Millionen US-Dollar betrogen haben sollen.

Die Betrüger müssen sich vor dem Kreisgericht in St. Gallen verantworten.
Die Betrüger müssen sich vor dem Kreisgericht in St. Gallen verantworten.
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Die Anklage lautet auf gewerbsmässigen Betrug. Die St. Galler Staatsanwaltschaft fordert für den heute 39-jährigen Holländer und den im Irak geborenen 55-jährigen Engländer Freiheitsstrafen von je viereinhalb Jahren. Das Urteil steht noch aus.

Büro in St. Gallen

Von den beiden vorgeladenen Angeschuldigten erschien nur der Holländer, der Engländer blieb der Verhandlung fern. Das Gericht wird die Vorwürfe gegen ihn im Abwesenheitsverfahren beurteilen, wie die Gerichtspräsidentin die Parteien wissen liess.

Den beiden Männern wird vorgeworfen, von St. Gallen aus mit zwei Firmen in den Jahren 1998 und 1999 Anleger betrogen zu haben, indem sie ihnen vorgaben, mit ihrem Geld Devisengeschäfte zu tätigen. In Tat und Wahrheit sei aber nur ein Bruchteil angelegt, der Grossteil bar von Konti abgehoben und an Tarnfirmen überwiesen worden.

Anklage: Wie Madoff

Die Anleger aus den USA, der Republik Tschechien und aus Südafrika investierten in der Regel zwischen 5000 und 10 000 US-Dollar. Die Angeschuldigten sind laut Anklage die Drahtzieher eines «Schneeball-Systems im Stile Madoffs gewesen».

Den Anlegern seien anfänglich Gewinne vorgegaukelt worden, die gar nie erzielt worden seien. Schliesslich sei die Blase geplatzt. Der mutmassliche Milliarden-Betrug um den US-Wertpapierhändler Bernard Madoff belastet Banken und Anleger rund um den Globus.

Verteidiger: Der falsche Mann

Der Verteidiger des Holländers sagte, sein Mandant sei der «falsche Mann». Er habe in beiden Firmen eine untergeordnete Rolle gespielt, habe lediglich Anleger akquiriert. Was in der Zentrale des Systems, in London, mit dem Geld der Kunden passiert sei, habe er nicht gewusst. Er forderte für seinen Mandanten einen Freispruch.

Der Angeklagte selbst sagte, die Aussagen von Zeugen, wonach er eine tragende Rolle im System gespielt habe, seien falsch. Er erhob stattdessen Vorwürfe gegen den abwesenden Mitangeklagten. Dieser habe allein Zugriff auf die Konti gehabt.

(sl/sda)

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