Bin Laden am Ende?
publiziert: Donnerstag, 22. Dez 2005 / 13:00 Uhr

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Rumsie war in Islamabad sehr zuversichtlich. «Mir fällt es schwer zu glauben, dass er noch... weltweite El-Kaida-Aktionen befehligt.» Seit einem Jahr habe man schon nichts mehr von El-Kaida-Chef Bin Laden gehört und vermutlich sei er nur damit beschäftigt, seiner Ergreifung zu entgehen.

Das mag ja sein. Tatsache ist aber auch, dass es den USA seit 4 Jahren nicht gelingen will, den Mann zu fangen, der ihrer Meinung nach für den 3000fachen Mord an US-Bürgern auf amerikanischem Boden verantwortlich ist. Osama Bin Laden muss gar nicht mehr befehlen, er muss nur noch dafür sorgen, dass er nicht gefasst wird. Denn seine Hauptaufgabe ist es, ein Symbol zu sein.

So ist er zum Beispiel das Symbol dafür, dass man die USA auf dem eigenen Boden erfolgreich angreifen kann. Bedenkt man, dass dieses Land unter vielen Muslims als das Reich des Bösen gilt, als die ultimative Macht, die gegen den Islam steht, dann dürfte er noch lange Zeit ein Idol der radikalisierten Islamisten bleiben.

Diesen Rang kann er nicht verlieren, egal was noch passiert. Doch eben, er hat nicht nur die USA erfolgreich angegriffen – er ist damit auch noch davon gekommen. Natürlich ist es möglich, dass er bereits tot ist, doch das ist reine Spekulation. Für alle, denen es darauf ankommt, ist er am Leben und hält die amerikanischen Truppen, die ihn jagen, mit der Hilfe Allahs zum Narren.

Natürlich kann man einwenden, dass dies die irren Vorstellungen religiös verwirrter Menschen seien. Doch es ist ebenso eine Tatsache, dass genau von diesen Leuten die grösste Gefahr ausgeht und sie ihren Vorbildern fanatisch folgen. Ein Osama Bin Laden, der einer Weltmacht scheinbar nach belieben durch die Finger zu rutschen vermag, ist da mehr als nur ein Vorbild. Er ist für sie der vermeintlich lebende Beweis dafür, dass mit göttlicher Hilfe am Ende der Sieg über die Amerikaner und den Westen stehen wird.

Rumsfelds flapsige Bemerkung ist daher in mehrfacher Hinsicht bedenklich. Sie soll ja vor allem entschuldigen, dass Bin Laden nicht gefasst und nicht jede Anstrengung zu seiner Ergreifung unternommen wird: «Der Kerl ist eh nicht mehr wichtig, was sollen wir uns noch mit ihm abgeben?» lautet die eigentliche Botschaft.

Doch mit dieser Einstellung wird vor allem wieder die ziemlich katastrophale Denkweise der Bush-Regierung deutlich. Es wird einfach ignoriert, dass es sich bei Bin Laden um einen kriminellen Massenmörder handelt, der Unschuldige umbringen liess. Unter der Führung von Bush korrodierte das Rechtsempfinden in den USA in schrecklichem Ausmass. Es war der Regierung wichtiger, den Mann, der angeblich mal einen Anschlag auf den Vater der Präsidenten geplant hatte, Saddam Hussein, zu stürzen und zu fangen, als jenen, der tatsächlich 3000 US-Bürger hatte umbringen lassen.

Das Versprechen, Bin Laden tot oder lebendig zu erwischen, um der Gerechtigkeit genüge zu tun, wird nur noch halbherzig verfolgt. Dies obwohl es absolut missglückt ist, Saddam eine Verbindung zu El Kaida anzuhängen. Der Verantwortliche ist also noch frei.

Rumsfeld und der US-Regierung scheint es egal zu sein, dass sie mit ihrem Verhalten und der Gleichgültigkeit die Opfer von 9/11 verhöhnen, Extremisten in ihrem Irrglauben bestärken und die Gerechtigkeit auf ein Abstellgleis schieben.

Bin Laden ist vielleicht wirklich am Ende. Aber als Symbol dafür, dass man die USA herausfordern und damit davon kommen kann, ist er womöglich erst am Anfang.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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